Nahrungsmittelpreise auf neuem Höchststand

3. Februar 2011, 13:56
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Rom/Wien - Die Nahrungsmittelpreise weltweit haben einen neuen Höchststand erreicht und steigen dramatisch schnell weiter an. Der FAO-Nahrungsmittelindex erhöhte sich im Jänner 2011 im Vergleich zum Vormonat um 3,4 Prozent auf 231 Punkte und erreichte damit den höchsten Wert seit dem Start des Indexes Anfang der 1990er Jahre. Alle beobachteten Nahrungsmittelpreise, außer Fleisch, legten deutlich zu, gab die in Rom ansässige UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) am Donnerstag bekannt.

Weltbank-Präsident Robert Zoellick forderte die Gruppe der größten Industrie- und Schwellenländer (G-20) auf, das Thema Ernährung nun endlich ganz oben auf die Agenda zu setzen. "Wir müssen uns auf weiter steigende Rohstoffpreise einstellen, das gilt auch für Agrarrohstoffe", sagte Zoellick.

"Die neuen Daten zeigen, dass der Aufwärtstrend bei Lebensmittelpreisen nicht nachlässt", warnte Abdolreza Abbassian, Ökonom und FAO-Experte für den Getreidemarkt. Die Preise würden höchstwahrscheinlich auch in den kommenden Monaten hoch bleiben. Dies sei sehr zum Nachteil der armen Länder, die schon jetzt große Probleme hätten, ausreichend Nahrung zu importieren. Außerdem würden die Armen leiden, die den Großteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssten.

Der FAO-Getreidepreisindex stieg im vergangen Monat um 3 Prozent auf 245 Punkte, vor allem aufgrund steigender Weizen- und Maispreise sowie eines eingeschränkten Angebots. Aufgrund der Ernte in den Hauptexportländern ging der Reispreis leicht zurück, so die FAO. Noch deutlicher legten Ölsaaten, Milch und Zucker unter anderem aufgrund eines knappen globalen Angebots zu. Der Index für Ölsaaten stieg um 5,6 Prozent auf 278 Punkte und der Milchprodukte-Index legte um 6,2 Prozent zu. Auch der Zuckerpreis-Index schnellte um 5,4 Prozent auf 420 Punkte nach oben. Allein der Fleischpreis-Index stagnierte bei 166 Punkten, weil die Fleischpreise aufgrund des deutschen Dioxinskandals nachgaben, so die UN-Organistion.

Die Preisexplosion bei Gütern des täglichen Bedarfs dürfte auch die jüngsten politischen Turbulenzen in arabischen Staaten wie Tunesien und Ägypten begünstigt haben. Während an den Märkten Investoren Rohstoffe als lohnende Anlageziele entdeckt haben, leiden insbesondere Bewohner der Entwicklungsländer unter den Folgen der steigenden Lebenshaltungskosten. Nach dem Preisschub für Nahrungsmittel in den Jahren 2007/08 schätzte die FAO die Zahl der Hungernden oder Unterernährten weltweit auf 870 Millionen. Mittlerweile dürften es bereits 900 Millionen sein.

Zoellick forderte die G-20 unter der Führung des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy auf, Lösungsvorschläge zur Bewältigung der Nahrungsmittelkrise auszuarbeiten. "2008 hätte in dieser Hinsicht eigentlich als Weckruf dienen sollen. Doch ich bin mir nicht sicher, ob ihn alle Staaten, deren Unterstützung wir benötigen, auch gehört haben." (APA/Reuters)

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