Debian 6.0: Squeeze ist da!

6. Februar 2011, 09:11
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Neue Generation der Community-Distribution bringt "vollkommen freien" Kernel 2.6.32 - GNOME 2.30, KDE 4.4 und Samba 3.5.6

Es gibt wohl nur wenige Open-Source-Projekte, die eine ähnliche lange Geschichte aufweisen können, wie die Linux-Distribution Debian - und dabei noch immer äußerst erfolgreich sind. Seit mehr als 17 Jahren gibt es Debian nun bereits, aktuell betreuen mehr als 900 EntwicklerInnen Projekt, dies unterstützt von tausenden Community-Mitgliedern. Entsprechend umfangreich präsentiert sich der Softwarepool der Distribution, mehr als 30.000 Pakete sind mittlerweile verfügbar. All dies für eine Vielzahl von Prozessorarchitekturen und in mehr als 70 Sprachvarianten.

Basis

Doch die Bedeutung von Debian geht weit über die eigene Distribution hinaus, immerhin basieren mittlerweile rund 120 Distributionen auf Debian, darunter nicht zuletzt der Darling der Linux-Desktop-Welt - Ubuntu. Ein paar Zahlen verdeutlichen auch hier, dass Ubuntu ohne die Debian-Basis bei weitem keine ähnliche Vielfalt entfalten könnte: So sind 74 Prozent aller in Ubuntu 10.04 enthaltenen Pakete direkt von Debian übernommen worden, 18 Prozent des Softwarepools besteht aus angepassten Debian-Paketen, lediglich der verbliebene Rest stammt von Ubuntu selbst.

Ausrichtung

Wo andere Distributionen meist auf eine möglichst aktuelle Softwareausstattung ausgelegt sind, hat sich Debian einer anderen Philosophie verschrieben. Die Stable-Releases des Projektes, sollen zuvorderst genau das sein: Stabil. Ein Ansatz, mit dem man vor allem im Server-Bereich reüssieren kann - was freilich nicht heißen soll, das Debian für den Einsatz im Desktop-Bereich untauglich wäre. Dieser Konzeption folgend werden die Pakete über mehrere Monate getestet, bevor es eine neue Ausgabe der Softwaresammlung zu vermelden gibt.

Squeeze!

Nun ist es aber wieder einmal soweit: Rund zwei Jahre nach der letzten stabilen Release gibt es mit Debian 6.0 "Squeeze" eine frische Ausgabe der Distribution. Angesichts des langen Zeitraums seit der Veröffentlichung von Debian 5.0 präsentiert sich die neue Major Release mit besonders umfangreichen Änderungen an Softwareausstattung und -zusammenstellung.

Eckdaten

Den Freeze für Debian 6.0 hatte man bereits im vergangenen August vorgenommen, dies bedeutet auch, dass die damals aktuellen, großen Versionen der einzelnen Softwarekomponenten die Eckpunkte für "Squeeze" stellen. Als Herzstück greift man auf einen Kernel 2.6.32 zurück, handelt es sich bei diesem doch um eine von der Kernel-Community langfristig gepflegte Release. An dieser Stelle sei eine zentrale konzeptionelle Entscheidung für die neue Debian-Release etwas näher beleuchtet: Im Vergleich zu den Vorversionen setzt das Projekt nämlich jetzt - gemäß den eigenen Richtlinien  - noch offensiver auf "Freiheit" im Softwaresinne, was im vorliegenden Fall bedeutet, dass man jegliche proprietäre oder nicht ausreichend offenen Firmware aus dem Kernel und dem zentralen Paketverzeichnis entfernt hat. Wer jetzt Angst hat, dass sich etwa die eigenen Broadcom-Netzwerk-Chips unter Debian gar nicht mehr zur Mitarbeit überreden lassen, sei beruhigt: Die entsprechenden Bestandteile können über ein eigenes "Non-Free"-Repository nachgereicht werden.

Development

EntwicklerInnen können sich wahlweise bei Python 2.6.6 oder 3.1 bedienen, Perl 5.10.1 und Mono 2.6.7 sind ebenfalls mit dabei. Die freie .Net-Alternative ist damit erstmals durchgängig in der 2.x-Generation enthalten, bei Lenny hatte man noch eine Mischung aus 1.x und 2.x-Paketen mitgeliefert. Der File- und Print-Server Samba 3.5.6 sowie die Datenbank MySQL 5.1.49 bilden weitere zentrale Komponenten des Systems. Bereits etwas älter ist der Grafikserver X.org 7.5 (xorg-server 1.7.7.), die glibc trägt die Version 2.11.2, die Compiler-Sammlung gcc ist in der Ausgabe 4.4.5 mit dabei.

Desktop

In Desktop-Fragen hat Debian mehrere Umgebungen im Angebot. Eine Default-Option ist GNOME 2.30.1, wobei einzelne Pakete von der aktuellen stabilen Version - 2.32 - übernommen wurden. Damit liefert nun  auch Debian den vor einiger Zeit vorgenommenen Rewrite des Login-Managers GDM aus. Andere zentrale Änderungen: Der File-Manager Nautilus verwendet nun von Haus aus den Browser-Modus, Brasero benutzt zum CD-Brennen die libburn, der Browser Epiphany wechselt zur Rendering Engine Webkit. Dazu kommt - bei GNOME - der vollständige Abgang vom Hardwareabstraktionslayer HAL, sowie zahlreiche Verbesserungen am Multi-Monitor-Support sowie beim Netzwerk-Management. Neue Komponenten bilden unter anderem das für Datenträger-Management zuständige GNOME Disk Utility und GNOME User Share.

Optionen

Natürlich gibt es aber auch - relativ - aktuelle Ausgaben anderer Desktops, nicht zuletzt ist hier KDE 4.4.5 zu erwähnen. Die Version bringt unter anderem Window-Tabbing, wobei mehrere Fenster "zusammengehängt" werden können, auch die "Social Desktop"-Initiative macht mit diversen Widgets ihre Fortschritte. Wer es noch ein Stückchen schlanker als die beiden "Großen" der Linux-Desktop-Welt haben will, dem bietet sich Xfce 4.6.2 an. In Anwendungsfragen stellen OpenOffice.org 3.2.1 und Firefox 3.5.16 signifikante Updates dar.

Installation

Ein wichtiger Teil einer jeden Distribution ist der Installer, bastelt dieser doch erst aus den einzelnen Paketen ein gesamtes System. Neu ist bei Debian 6.0 die Möglichkeit empfohlene Pakete automatisch installieren zu lassen. Außerdem wurde der "localechooser" - zur Auswahl von länder- und sprachspezifischen Einstellungen - vollständig neu geschrieben. In Dateisystemfragen stehen mit btrfs und ext4 zwei neue Optionen zur Auswahl, die Default-Lösung bleibt aber weiter ext3. Darüber hinaus hat man die Einrichtung von RAID- und LVM-basierten Systemen vereinfacht. Den Start des Systems übernimmt nun mit GRUB2 die aktuellste Generation des Bootloaders. Wer will kann übrigens den Debian-Installer jetzt auch dazu benutzen um ein System auf Basis eines FreeBSD-Kernels aufzusetzen - dann natürlich auch mit Unterstützung für Oracles ZFS.

Download

Debian 6.0 "Squeeze" kann kostenlos für zahleiche Rechner-Architekturen heruntergeladen werden. Die Optionsvielfalt erhöht sich dabei noch durch unterschiedlich umfangreiche Installationsmedien, vom schlanken Net-Install bis zu Blu-Ray-Sets spannt sich hier der Bogen. (Andreas Proschofsky, derStandard.at, 05.02.11)

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Debian

  • Alles beginnt mit der Auswahl am Start-Screen des Install-Mediums.
    screenshot: andreas proschofsky

    Alles beginnt mit der Auswahl am Start-Screen des Install-Mediums.

  • Der grafische Installer von Debian 6 "Squeeze".
    screenshot: andreas proschofsky

    Der grafische Installer von Debian 6 "Squeeze".

  • Mit der neuen Version kommt nun auch bei Debian die aktuelle Generation des Login-Managers GDM zum Einsatz.
    screenshot: andreas proschofsky

    Mit der neuen Version kommt nun auch bei Debian die aktuelle Generation des Login-Managers GDM zum Einsatz.

  • Als Default-Desktop kommt GNOME 2.30 zum Einsatz.
    screenshot: andreas proschofsky

    Als Default-Desktop kommt GNOME 2.30 zum Einsatz.

  • Eine der neuen Desktop-Komponenten ist das GNOME-Disk-Utility.
    screenshot: andreas proschofsky

    Eine der neuen Desktop-Komponenten ist das GNOME-Disk-Utility.

  • Das Software-Center von Debian 6.
    screenshot: andreas proschofsky

    Das Software-Center von Debian 6.

  • Als Office-Suite ist OpenOffice.org 3.2.1 mit dabei.
    screenshot: andreas proschofsky

    Als Office-Suite ist OpenOffice.org 3.2.1 mit dabei.

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