Pfeffer befeuert die Gewürzpreise

3. Februar 2011, 13:29
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Muskatnuss- und Pfefferpreise sind innerhalb eines Jahres um 100 Prozent gestiegen - Kotanyi und Wiberg erhöhen die Preise

Wien - Der Anstieg der Pfefferpreise befeuert auch die Preise für andere Gewürze: Innerhalb eines Jahres haben sich die Preise für das schwarze Gewürz und für Muskatnuss verdoppelt. Laut Branchenkennern gilt Pfeffer als "Leitwährung" und gibt den Taktschlag für andere Gewürzsorten vor. "Auch die Preise für Knoblauchprodukte sind mit einer Steigerungsrate von deutlich mehr als 300 Prozent gegenüber den Vorjahren regelrecht explodiert", berichtet der Verkaufschef des Salzburger Gewürzherstellers Wiberg, Markus Pfarrhofer, im Gespräch mit der APA. Die österreichischen Gewürzhersteller Kotanyi und Wiberg wollen daher demnächst die Preise für ihre Produkte erhöhen.

Gewürzpreise werden üblicherweise von den Händlern in den Ursprungsländern vorgegeben, bei Pfeffer sei jedoch die Pfefferbörse in Indien "absolut preisdiktierend", sagt Pfarrhofer. Eine universelle Rohstoffbörse, an der alle Gewürze gehandelt werden, gebe es allerdings nicht. Die Gewürzpreise sind in Indien in den vergangenen Jahren in die Höhe geschossen. Der Preis für 1 Kilogramm schwarzer Pfeffer schnellte laut dem amtlichen "Spice Board India" innerhalb von fünf Jahren von 67 Rupien auf 214 Rupien (3,39 Euro) hinauf. Zum Vergleich: ein 100 ml (54 g) Glas Kotanyi Pfeffer weiß gemahlen kann man im Internet beispielsweise um 3,80 Euro bestellen, das sind auf einen Kilo hochgerechnet rund 70 Euro. Chili verteuerte sich im gleichen Zeitraum von 18 auf 70 Rupien pro Kilogramm und Kardamon von 355 auf 986 Rupien. Auch andere Gewürze wie Koriander und Ingwer verdoppelten sich im Preis.

Noch lange nicht am Zenit

Für Erwin Kotanyi, Unternehmenschef des gleichnamigen niederösterreichischen Kräuter- und Gewürzproduzenten, ist der Pfefferpreis angesichts von schlechten Ernten, Klimaveränderungen und Wetterkapriolen sowie spekulativer Einkäufe, noch lange nicht am Zenit angekommen: "Die Zeichen stehen auf weiter hinauf". Selbst die anstehende Ernte in Vietnam bringe keine Erleichterung für die "extrem angespannte Situation." Auch der steigende Eigenbedarf in den asiatischen Herkunftsländern, allen voran Indien und China, sei einer der Hauptpreistreiber. Diese Preisexplosion erstaunt auch Kotanyi, der bereits seit 30 Jahren in der Gewürzbranche tätig ist: "Was sich im letzten Jahr abgespielt hat, diese Entwicklung kennt niemand." Bei Kotanyi werde es "kaum noch einen Artikel geben, bei dem es keine Preissteigerung geben wird".

Auch beim Salzburger Großhandel-Gewürzhersteller Wiberg sind Preisanpassungen bei Gewürzen und Gewürzmischungen "unvermeidbar". Weil eine Kompensation für die Unternehmen aufgrund der turbulenten Marktsituation unmöglich sei, müssten künftig nicht nur die Händler, sondern auch die Verbraucher für Gewürze tiefer in die Tasche greifen, so Wiberg-Verkaufschef Pfarrhofer.

Wie stark sich die Gewürz-Preissteigerungen auf die Gewinnsituation bei Wiberg und Kotanyi auswirken, wollten beide Unternehmen nicht näher kommentieren: Beim Umsatz erzielte Kotanyi 2010 rund 130 Mio. Euro, für das heurige Geschäftsjahr werden rund 140 Mio. Euro erwartet. Wiberg rechnet für 2011 mit einer positiven Veränderung des Umsatzes, "was nicht gleichbedeutend mit einer positiven Veränderung des Betriebsergebnisses betrachtet werden kann", so das Unternehmen. (APA)

 

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Blick dorthin wo der Peffer wächst: Diesfalls in Vietnam

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