Industrie sieht höhere Preise und Gewinne

3. Februar 2011, 13:16
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Die österreichische Industrie hat nach einer kurzen Atempause im Herbst 2010 wieder an Optimismus zugelegt

Wien - Die österreichische Industrie hat nach einer kurzen Atempause im Herbst 2010 wieder an Optimismus gewonnen und erwartet, dass sich die Geschäftslage in einem halben Jahr deutlich verbessert hat. Die Betriebe sehen steigende Verkaufspreise und deutlich höhere Gewinne, geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturbarometer der Industriellenvereinigung (IV) hervor. Die Beschäftigungserwartungen sind weiter leicht zurückgegangen, liegen aber immer noch viel höher als im Krisenjahr 2009.

Die Aussicht auf höhere Gewinne "wird die Investitionsneigung der Industrie unterstützen", prophezeite IV-Präsident Veit Sorger. "Wir brauchen diese Investitionen, um den Standort abzusichern." Die geringe Investitionsneigung hat den Wirtschaftsforschern bisher Sorgen bereitet. Mittlerweile rechnet das Wifo immerhin damit, dass 2011 die Anlageinvestitionen wieder ein Drittel jenes Terrains gutmachen können, das durch die Wirtschaftskrise verloren wurde.

Die Industrie erwartet in den kommenden Monaten Verteuerungen und deutlich höhere Gewinne ab Mitte 2011. "Die höheren Preise sind notwendig, um die gestiegenen Einkaufspreise und Kosten wettzumachen", sagte IV-Ökonom Christian Helmenstein. "Angesichts der lockeren Geldpolitik der EZB scheitert eine Überwälzung dieser Kosten nicht an an monetären Restriktionen." Von einem "inflationären Wachstum" wollte Helmenstein dennoch nicht sprechen.

Gut abgesicherte Wachstumsrate

Eine zweiprozentige Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei "gut nach unten abgesichert", sagte Helmenstein. Die Daten könnten "Erleichterung", nicht aber "Euphorie" auslösen. "Wir sind aber noch weit von den Werten entfernt, die wir in früheren Hochphasen des Konjunkturzyklus gesehen haben."

Der IV-Konjunkturbarometer, eine Mischung aus Beurteilung der Gegenwart und der nahen Zukunft, legte zum Jahresende 2010 auf 33,5 von zuvor 24,3 Punkten zu. Der Auftragsbestand ist gegenüber dem guten Wert im Herbst 2010 weiter gestiegen, obwohl die Order aus dem Ausland stagnieren. Die Produktionstätigkeit in den nächsten drei Monaten wird deutlich von 12 auf 30 Punkte zulegen, die Beschäftigungserwartungen gehen dagegen von 9 auf 3 Punkte zurück. Der Index für die Gewinne in sechs Monaten stieg von 3 auf einen Zählerstand von 20.

Das IV-Konjunkturbarometer wird vierteljährlich erhoben. Er basiert auf den Rückmeldungen von 447 Industrieunternehmen mit 285.000 Beschäftigten. Er hatte im Frühjahr 2009 mit minus 27 Punkten seinen Tiefpunkt erreicht.

Vom Euro erwarten die Industriellen aktuell keinen Export-Rückenwind, den wieder höheren Ölpreis nehmen sie aber auch nicht dramatisch. Der aktuelle Ölpreis sei "konjunkturell verkraftbar", meinte Helmenstein. "Ein Schock würde nur entstehen, wenn es einen Lieferstopp durch die Straße von Hormuz oder den Suezkanal gäbe." (APA)

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