"Denkwürdige Schlachttheater"

4. Februar 2011, 18:11
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Viele der von Baron Georg Leopold von Reiswitz entwickelten Elemente finden sich noch heute in populären Rollenspielen wie "World of Warcraft"

Nicht ohne Stolz pries Baron Georg Leopold von Reiswitz 1812 das von ihm erfundene "denkwürdige Schlachttheater" an, mit dem Offiziere der preußischen Armee ihr strategisches und taktisches Denken trainieren sollten. Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte das erfolgreiche Kriegsspiel zur obligaten Trainingseinheit im kampffreien Alltag. Viele der von Reiswitz entwickelten Elemente (u. a. Bewegungsfaktor, Trefferpunkte, Rüstungsklasse) finden sich noch heute in populären Rollenspielen wie "World of Warcraft". Wie schnell sich Kampftruppen auf dem maßstabsgetreuen Spielfeld bewegen können, gab Reiswitz je Einheit in Schritt-pro-Minute an, die Entfernungen wurden mit speziellen Zirkeln gemessen. Geradezu spielsüchtig soll Friedrich Wilhelm III. gewesen sein, der sich mit seinen Söhnen, Offizieren und Adjutanten damit die Nächte um die Ohren schlug. Die Annahme, dass dieses Kriegsspiel hinter den Erfolgen der preußischen Truppen stecke, machte es auch im Ausland populär. 1890 entstand beispielsweise eine Version in England, mit der sich britische Offiziere im Sommer 1914 auf den drohenden Ausbruch des Ersten Weltkriegs vorbereitet haben sollen. Und ein solches 600 Teile umfassendes Kriegsspiel gelangte am 17. Jänner bei Bonhams (London) zur Auktion und wechselte für stolze 4000 Pfund (4784 Euro) den Besitzer. (kron, DER STANDARD - Printausgabe, 5./6. Februar 2011)

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    foto: bonhams
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