Bildungsvolksbegehren: Indirektes Bekenntnis zur Gesamtschule

3. Februar 2011, 11:41
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Forderung: Alle Pädagogen zum Bund - Androsch: "Bewegung in diesen stehenden Teich gebracht"

Die Präsentation des "Österreich darf nicht Sitzenbleiben" - Volksbegehrens, initiiert von Ex-Vizekanzler Hannes Androsch, erfreute sich regen medialen Interesses. Die 15-minütige Verspätung sei "kein dramaturgischer Trick", sondern die Folge kurzfristiger Änderungen im Anschluss des gestrigen Vernetzungstreffens, so Androsch.

Pädagogen geschlossen zum Bund

Im Zentrum des Papiers stehen vor allem die Verlegung der Zuständigkeit aller Pädagogen - inklusive der Kindergärten - zum Bund, die verschränkte Ganztagsschule als Regelschule, eine universitär-akademische Ausbildung aller Pädagogen, die systematische Abschaffung des Sitzenbleibens sowie mehr Geld für den Hochschulsektor und ein Ausbau der Studienförderung.

"Verzicht auf Reizworte"

Bewusst zurückhaltend zeigten sich Androsch und sein Redaktionsteam, das unter der Leitung von Bernd Schilcher für die Formulierung verantwortlich zeichnete, mit "Verzicht auf jegliche Reizworte". Die verbale Zurückhaltung bei der Gesamtschule erklärte Androsch damit, dass "diese Fixation, sich auf einen Punkt festzunageln, und diese scheinideologische Verbissenheit uns diese Paralyse und den Stillstand gebracht haben. Daher waren wir bemüht, in diese Falle nicht zu tappen, ohne deswegen an Klarheit einzubüßen." Inwieweit am Ende des Tages tatsächlich die Gesamtschule stehe oder ob auch andere Wege nach Rom führen, könne und solle man jetzt nicht festlegen.

Dem Wort Gesamtschule nicht abgeneigt zeigten sich gestern auch Unterrichtsministerin Schmied, die Sozialpartner und letztendlich sogar Wissenschaftsministerin Karl im Rahmen ihres Bildungsdialogs. Das dieses Treffen ausgerechnet auf den Tag vor Androschs' Volksbegehren-Präsentation fiel, sei laut WKO-Präsident Leitl im Übrigen ein Zufall gewesen.

"Bewegung in den stehenden Teich"

Denn schon allein die Ankündigung des Volksbegehrens hätte laut Androsch "Bewegung in diesen stehenden Teich gebracht. Die Sozialpartner hätten sich nicht getroffen, wenn es dieses Volksbegehren nicht gäbe". Trotzdem werde dieses allein nicht reichen: "Es wird ein langer Weg sein bis zur Umsetzung, mindestens zehn, 15 Jahre. Mit einem Volksbegehren-Start ist man noch nicht am Ende eines Marathons."

Keine klaren Aussagen zu Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen

Äußerst zurückhaltend hielt sich Androsch zu zentralen Themen wie Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren. Diese seien "kein brauchbares Instrument zur Finanzierung der Universitäten, die maßlos unterfinanziert sind" und wenn das Angebot nicht besser werde, gebe es dafür keine Rechtfertigung.

Beim Thema Uni-Zugang ist er persönlich dafür, den betroffenen Unis autonome Steuerungsmöglichkeiten zu geben: "Entweder sie bekommen so viel Geld, dass sie die Kapazitäten haben, die sie für eine so große Studentenzahl brauchen, oder man muss ihnen Steuerungsinstrumente geben, wie sie die Fachhochschulen, Kunst- und Medizinuniversitäten schon haben".

Überfällige Reform

"Dem Stillstand entgegenwirken" als Kernthema des Volksbegehrens - darin sind sich sämtliche Beteiligte einig. Denn eine Reform sei seit mehr als 20 Jahren überfällig und Androsch sehe seine Arbeit mit der Initiative des Volksbegehrens noch lange nicht getan. Sein Engagement werde nicht beendet sein, wenn man das Volksbegehren ins Parlament gebracht habe: "Wir werden auch beobachten, was in der Umsetzung passiert und ein waches, begleitendes Auge aufhalten." (APA/Stefanie Leodolter, derStandard.at, 3.2.2011)

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    "Dem Stillstand entgegenwirken" als Kernthema des Volksbegehrens - darin sind sich sämtliche Beteiligte einig.

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