Gregg Allman: "Low Country Blues"

    6. Februar 2011, 17:48
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    Der Sänger und Organist der Allman Brothers beweist auf seinem ersten Solo-Album seit 14 Jahren, dass es ihm an "Soul" nicht mangelt

    "Searching for Simplicity" nannte Gregg Allman sein letztes, vor 14 Jahren erschienenes Solo-Album. Hier wurde ein Bedürfnis benannt, das der Sänger und Organist mit seinen recht durchwachsenen Veröffentlichungen unter eigenem Namen bislang nur bedingt einlösen konnte. Auch 40 Jahre nach dem Tod seines Bruders, des Slide-Gitarren-Genies Duane Allman, pflegt er im Hauptberuf nach wie vor das Erbe der für ihre Endlos-Improvisationen berühmt-berüchtigten Southern-Rock-Band Allman Brothers. Dass Allman nun die Einladung annahm, mit Produzent T Bone Burnett, der derzeit ersten Adresse in Sachen patinierter US-amerikanischer Roots Music, zusammenzuarbeiten, versprach eine musikalische Entschlackungskur bei gleichzeitig hohem Retro-Faktor.

    Dass diese Rechnung auf "Low Country Blues" aufgeht, liegt nicht zuletzt an der Song-Auswahl, stammen die Stücke doch unter anderem von Muddy Waters, Skip James, Junior Wells, Magic Sam, B.B. King und Bobby "Blue" Bland und damit genau von jenen musikalischen Gründervätern, die die noch im Teenager-Alter befindlichen Allman-Brüder beim Radiohören nachhaltig mit dem Blues-Virus infizierten. Allman macht die - teils eher obskuren - Songs ganz zu den seinen und leuchtet sie mit seiner Stimme aus. Einer Stimme, die weit über die Gesten eines kraftmeierischen Blues-Shouters hinausgeht.

    Allein wie Allman das mit Bland assoziierte "Blind Man" über die Rampe bringt, weist ihn als einen Großen des Blue Eyed Soul aus. Gleichzeitig ist das Stück ein Beispiel dafür, dass die Wurzelsuche auf "Low Country Blues" nicht ein bedingungsloses Runterbrechen der Songs aufs Skelett bedingt. Hier ist auch Platz für Bläser, für dezente Üppigkeit.

    Dass die Arrangements ausnahmslos luftig bleiben, die Musik viel Raum zum Atmen hat, liegt nicht zuletzt daran, dass Burnett erneut auf den vom Western Swing kommenden Bassisten Dennis Crouch am Akustik-Bass setzt, der zusammen mit Schlagzeuger Jay Bellerose die Grundformel von Burnetts Erfolgsrezept bildet. Der Produzent selbst sorgt als Tremolo-Gitarren-Spezialist für den Swamp-Faktor, während er die Lead-Gitarre Doyle Bramhall II überlässt. Dieser lässt dankenswerterweise alle Shredder-Anwandlungen außen vor und garniert die Songs mit unberechenbaren, räudig klingenden Blues-Licks, die Howlin' Wolfs Gitarrenexzentriker Hubert Sumlin zur Ehre gereichen würden.

    Einen alten Bekannten Allmans hat Burnett mit Dr. John engagiert. Die New-Orleans-Legende war schon auf dem Solo-Debüt des Southern-Rockers dabei und greift auf "Low Country Blues" unter seinem bürgerlichen Namen Mac Rabenack in die Tasten. Allman selbst brilliert vor allem stimmlich, seine Künste auf der Hammond B3 lässt der Mann, der sich im Vorjahr einer Lebertransplantation unterziehen musste, nur gelegentlich aufblitzen.

    Dafür ruft der Song "Just Another Rider", gemeinsam verfasst mit dem aktuellen Allman-Brothers-Gitarristen Warren Haynes, in Erinnerung, dass Allman nicht nur ein einzigartiger Sänger, sondern auch ein nicht zu unterschätzender Songwriter ist, dem sich immerhin Klassiker wie "Midnight Rider" und "Whipping Post" verdanken. "Low Country Blues" braucht den Vergleich mit den besten Arbeiten seiner Stamm-Band nicht zu scheuen und löst das Versprechen von Einfachheit zumindest in einer Hinsicht ein: Dieses Album ist einfach gut. (Karl Gedlicka, derStandard.at, 6. Februar 2011)

    • Gregg Allman "Low Country Blues" (Rounder/Universal, 2011)
      foto: rounder/universal

      Gregg Allman "Low Country Blues" (Rounder/Universal, 2011)

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