Dokumente zu Vergewaltigungsvorwürfen gegen Assange im Netz

3. Februar 2011, 11:35
138 Postings

Rund 100 Seiten an Unterlagen und Polizeiberichten tauchten bei Online-Plattform auf - Wikileaks-Gründer unter Hausarrest

Laut Wired tauchten nun brisante Dokumente hinsichtlich der Vergewaltigungsvorwürfe gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange im Netz auf. Insgesamt soll es sich dabei um rund 100 Seiten handeln, darunter Verhörungsprotokolle sowie Notizen zum Fall.

Verlauf

Bei den, im Internet aufgetauchten, Materialien dürfte es sich um vorgerichtliche Untersuchungsergebnisse der Anklagebank handeln. Diese wurden letztes Jahr an Assanges stockholmer Anwalt, Björn Hurtig, gesendet. Dieser wiederum faxte die Dokumente an Assanges britischen Rechtsbeistand, Mark Stephens. Hurtig verschickte die Materialien am 23. November und schrieb in einem Brief, an einen Kanzleipartner Stephens, dass die gefaxten Dokumente ausschließlich für Julian Assange gedacht seien. 

Dokumente kursieren im Netz

Mittlerweile befinden sich besagte Dokumente im Internet, nachdem diese anonym über Adobe Acrobat, eine Seite zum Austausch von Dokumenten und deren Partnerseiten verteilt wurden. Die Links zu den Dokumenten finden sich in schwedischen Foren und Blogs - Rechtsanwalt Stephens bezog zu den Vorkommnissen bislang keine Stellung.

Keine Schmutzkampagne

Die Dokumente beinhalten Vernehmungsprotokolle der beiden vermeintlichen Vergewaltigungsopfer Assanges durch die Polizei und deren Freunde, welchen sich die Frauen anvertrauten. Keines der bislang aufgetauchten Dokumente unterstützt dabei die These, dass die schwedische Polizei und Justiz mit "schmutzigen Tricks" gegen Wikileaks bzw. Julian Assange arbeiten würden - meint Wired.

Vergewaltigungsvorwürfe

Der vermutlich stichhaltigste Inhalt wurde durch den britischen Guardian vergangenen Dezember veröffentlicht. Dabei dürfte es sich bereits um einen Auszug aus den nun publik gewordenen Dokumente handeln.

Assange soll die beiden Frauen während eines zehntägigen Aufenthalts in Stockholm, vergangenen August kennengelernt haben. Die erste Frau, "Frau A.", erklärte gegenüber der Polizei, dass sie zunächst einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit Assange haben wollte. Allerdings habe er sie mit Gewalt festgehalten, als sie nach einem Kondom greifen wollte. Später ließ Assange von der Frau ab um ein Kondom zu benutzen, allerdings habe er später irgendetwas gemacht, damit das Kondom sich löste um anschließend weiter Sex mit der Frau zu haben, so die Aussage.

Die Vergewaltigungsvorwürfe stammen von der zweiten Frau. "Frau W." erklärte, dass sie zunächst einvernehmlichen Sex mit Assange gehabt habe, mit Kondom. Allerdings habe Assange, als die Frau bereits geschlafen hatte, erneut Sex mit ihr. 

Als W. aufwachte fragte sie Assange: "Trägst du irgendwas?" Assange antwortete: "Du?" Anschließend meinte das vermeintliche Opfer: "Du hast besser kein HIV", worauf Assange antwortete: "Natürlich nicht." 

Laut Polizei dachte die Frau, dass es bereits "zu spät war" um den ungeschützten Sex zu vermeiden, da Assange bereits in ihr gewesen sei. Sie habe bereits die ganze Nacht gemeint, dass er ein Kondom benutzen solle und wollte es nicht noch einmal erwähnen. Auch habe sie zuvor noch nie ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt. Er habe gesagt er wolle "in ihr kommen" und das schließlich auch getan.

Die beiden Frauen wandten sich an die Polizei, nachdem sich Julian Assange geweigert habe einen HIV-Test zu absolvieren. 

Anschuldigungen

Den Polizeiberichten zufolge gab A. auch an, dass die Hygiene Assanges zweifelhaft gewesen sei. Assange wohnte während seines Aufenthalts in Schweden bei ihr. Die Frau habe gegenüber einem Freund gemeint, dass Assange die Spülung nach dem Toilettengang nicht benutze und sich nicht geduscht habe. 

Weitere Details

Weiter gehe aus den Polizeiberichten hervor, dass A. ein von Assange benutztes Kondom aufhob und zur Polizei brachte. Zwar befinde sich in den Akten ein Foto des besagten Kondoms, den Forensikern sei es allerdings nicht gelungen die DNS am Kondom zu analysieren. 

Frau W. wurde, den Dokumenten zufolge, im Krankenhaus auf Spuren einer Vergewaltigung untersucht und gegen eine mögliche HIV-Infektion behandelt. Die Ergebnisse aus den Untersuchungen tauchen in den Dokumenten nicht auf.

Als W. vom, durch die schwedischen Ankläger ausgestellten, Haftbefehl für Julian Assange erfuhr, habe sie sich nicht mehr auf die Befragung durch die Polizei konzentrieren können. Infolgedessen sei die Befragung der Frau abgebrochen worden. Zusätzlich habe W. der Polizei ebenfalls ein benutztes Kondom übergeben, woran männliche DNS-Spuren festgestellt worden seien. Allerdings konnten diese bislang nicht mit  Assanges DNS abgeglichen werden.

Während des Verhörs von W. machte sich eine Ermittlerin handschriftliche Notizen, welche sie später in das Beweissicherungssystem der schwedischen Polizei eingab. Als diese später auf ihre Notizen zugreife wollte war der Zugriff darauf innerhalb des Systems gesperrt. Ein Vorgesetzter habe daraufhin gemeint, dass sie den Bericht von Grund auf neu eingeben müsse.

Aktuelle Lage

Julian Assanges Anwalt Stephens ist der Meinung, dass dir schwedischen und britischen Behörden den legalen Prozessweg missbrauchen würden indem diese versuchten Assange ohne Anklage auszuliefern. Assange befindet sich momentan unter Hausarrest in der Nähe von London und befürchtet eine Auslieferung an Schweden, was als nicht unwahrscheinlich gilt. Denn gemäß dem, über Assange ergangenen, europäischen Haftbefehl können Beschuldigte auch ohne nachgewiesene Straftat ausgeliefert werden. Auch muss das vermeintliche Vergehen nicht in beiden Ländern unter Strafe stehen. (red)

Der WebStandard auf Facebook

  • Artikelbild
    foto: wired
Share if you care.