Österreicher nach Wien gebracht

3. Februar 2011, 15:57
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Österreichische Politiker verurteilen Gewalt bei Protesten - Fischer fordert Gewaltverzicht

Wien - Nachdem in der Nacht auf Donnerstag eine zweite Bundesheer-Maschine österreichische Urlauber aus Ägypten evakuiert hat, sollen die restlichen - laut Außenministerium knapp unter 100 - ausreisewilligen Staatsbürger auf fünf weiteren Flügen untergebracht werden. Angesichts der Eskalationen in der Hauptstadt Kairo zeigten sich österreichische Politiker besorgt. Bundespräsident Heinz Fischer appellierte an alle Beteiligten, auf Gewalt zu verzichten.

Derzeit würden sich noch 1.000 österreichische Touristen in Ägypten befinden, teilte Außenamts-Sprecher Peter Launksy-Tieffenthal der APA mit. Man bemühe sich, die Ausreisewilligen auf dem Linienflug der AUA von Kairo nach Wien und insgesamt vier Charter-Flügen, durchgeführt von Lauda Air, Flyniki und der AUA von Hurghada, Sharm-el-Sheikh und Luxor nach Wien, unterzubringen. Probleme könnte laut Launsky-Tieffenthal die verhängte Ausgangssperre bereiten, die das rechtzeitige Erreichen des Flughafens für die Touristen erschweren könnte.

Ob der Militärflieger Hercules C-130 erneut zum Einsatz kommen wird, entscheidet sich laut Launsky-Tieffenthal am Abend. Die Transportmaschine würde jedenfalls für einen dritten Ägypten-Einsatz auf "Stand-by" stehen.

Angesichts der Unruhen in Ägypten hat Bundespräsident Fischer am Donnerstag an alle Beteiligten appelliert, "auf Gewaltanwendung unbedingt zu verzichten". Das Staatsoberhaupt bedauerte in einer Aussendung zudem die Angriffe auf friedliche Demonstranten. Auch Außenminister Michael Spindelegger (V) zeigte sich über die Eskalation der Gewalt in Kairo "sehr besorgt" und forderte von der ägyptischen Führung, die "Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen".

Die SPÖ-Abgeordneten Josef Cap und Christine Muttonen sprachen sich für eine rasche Wiederholung der Parlamentswahlen in Ägypten unter internationaler Beobachtung aus. Nur dies würde "demokratische Legitimation für eine neue Führung" bringen. Cap vermisste seitens der Europäischen Union, ähnlich wie am Mittwoch die Grüne Europasprecherin Ulrike Lunacek, "klare Worte zu den Ereignissen in Ägypten".

Die ÖVP-Abgeordnete und Ex-Außenministerin Ursula Plassnik, die sich um die Stelle des Generalsekretärs bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bewirbt, plädierte bei der heutigen Sitzung des EU-Hauptausschusses des Nationalrats für ein "einheitliches konsularisches Krisenmanagement" vonseiten der Europäischen Union.

Österreich werde weiterhin ein "verlässlicher Partner für Ägypten bleiben", betonte Bundespräsident Fischer. Trotz der schwierigen aktuellen politischen Lage bestehe Hoffnung, dass Ägypten einerseits "Fortschritte in einem Demokratisierungsprozess machen kann und gleichzeitig seine Probleme auf friedlichem Weg lösen und ein berechenbares Land bleiben wird", so Fischer weiter. (APA)

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