Bullen, Bären und Schweinezyklen

10. Mai 2003, 16:00
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Mit dem neuem Dudenlexikon wird Wirtschaftssprache verständlich

Befragungen von Zeitungslesern in den 90er-Jahren haben ergeben: Sie sind am Thema Wirtschaft interessiert, aber die trockene Darstellungsweise und noch mehr die vielen Fach-und Fremdwörter halten sie schließlich davon ab, den Wirtschaftsteil zu lesen.

Wie schwer sich viele ÖsterreicherInnen mit Wirtschaftswörtern tun, beweist auch eine Untersuchung des Linzer Marktforschungsinstituts Spectra im Jahr 1992. Nur rund ein Drittel der repräsentativ ausgewählten 1000 Befragten konnten die Begriffe Bruttoinlandsprodukt, Handelsbilanz und Liquidität erklären.

Natürlich haben diverse Medien auf die oben erwähnten Vorwürfe reagiert und verwenden daher häufig allgemein verständliche Metaphern wie "Kursfeuerwerk" und "Kurssturz" (statt "Hausse" und "Baisse") oder das umgangssprachliche Wort "Pleite" (statt "Insolvenz"). Doch naturgemäß geht es nicht ganz ohne wirtschaftsspezifische Termini. Fast täglich wird man in Tageszeitungen und Fernsehnachrichten mit Bullen- und Bärenmärkten, Dividendenrenditen, Cashflow und operativem Gewinn, mit der Performance eines Investmentfonds, mit Emerging Markets, Konjunktur- und Schweinezyklen konfrontiert; derartige Wörter und oft nicht erklärte Abkürzungen wie BIP, EZB und KGV sind für viele LeserInnen Anlass zum Ausstieg.

Mithilfe des Lexikons der Wirtschaft von Duden bleibt die Wirtschaftssprache kein spanisches Dorf mehr. In zwölf Kapiteln, beginnend mit Grundlagenwissen über Wirtschaftspolitik, Betriebswirtschaft, Arbeitswelt und Verbraucherschutz bis zu Bank-, Börsen- und Versicherungsgeschäften werden 2700 Wörter und Begriffe der Wirtschaft prägnant und verständlich erklärt, häufig mit Hilfe von anschaulichen färbigen Grafiken, Tabellen und Fotos.

Das Lexikon animiert zum Weiterlesen und Weiterforschen und verfügt über ein praktisches, alle Kapitel umfassendes Stichwortregister. Allerdings muss man teilweise mit den Wörtern der Bundesrepublik vorlieb nehmen: zum Beispiel Abfindung statt Abfertigung, Azubi statt Lehrling, Handelsregister statt Firmenbuch, Vergleich statt Ausgleich. Bisher haben wir nur wenige Sichtwörter vermisst, unter anderem Konkursmasse und Konkursverwalter (bei uns Masseverwalter). Bestimmte Zahlen, etwa das Mindestkapital (Grundkapital) für die Gründung einer Aktiengesellschaft, beziehen sich leider ebenfalls nur auf Deutschland. Das gebundene Nachschlagewerk ist voluminöser und damit unhandlicher als die üblichen Dudenbände, doch dank der größeren Schrift sehr leicht lesbar. (Josef Schneeweiß/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11. 5. 2003)

Duden: Das Lexikon der Wirtschaft. € 26,30/512 Seiten.

Bibliographisches Institut & F.A.Brockhaus AG., Mannheim 2002.
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    foto: duden
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