Musikrundschau mit Einserschmäh

3. Februar 2011, 17:13
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Neue Alben von Fergus & Geronimo, The Sand Band, Gregg Allman und den Twilight Singers

FERGUS & GERONIMO
Unlearn
(Hardly Art / Trost)
Ein Album wie billige Drogen: Kater, verschobene Wahrnehmung, Kotzen, Erinnerungslücken. Blaue Flecken aus der Halfpipe. Unlearn ist durchzogen vom Geist des Sich-nix-Scheißen. Das resultiert in einem Home-Recording-Kleinod, das so etwas wie ein zeitgenössischer Soundtrack zu einem 2011-Eigen-Remake von Richard Linklaters Dazed and Confused sein könnte. Fergus & Geronimo, Kinder des schönen Texas, sind Beatles-verliebte Ween-Wiedergänger. Hier ist jeder Blödsinn erlaubt, nichts peinlich, was zu Zeilen wie "Love is just a game to lose" führt. Beck (und Ween) waren einst die Saat, hier geht sie auf.

THE SAND BAND
All Through The Night
(Coop/Universal)
Angesichts der britischen Sand Band und ihres Debüts All Through The Night fragt man sich, ob alle halbwegs originellen Band- und Albennamen schon vergeben sind, weshalb nun eben solche daherkommen. Dabei klingt der verschlafene Folk der sandigen Band nicht schlecht, ist so etwas wie die harmlose Version eines David-Lynch-Albtraums. Oder auch The Fleet Foxes nach dem Stimmbruch.

GREGG ALLMAN
Low Country Blues
(Universal)
Der noch lebende Allman Brother, Gregg Allman, hat sich wieder einmal zu einer Fingerübung hinreißen lassen - und herausgekommen ist das Beste, was ein zeitgenössisches Blues-Album leisten kann: Mit schweren Fingern an der Hammond B3 arbeitet er sich wie eine tätowierte Squaw durch das staubige US-Hinterland und erzählt uns dabei ein paar ewige Geschichten. Zeugs, das wir schon hunderte Male gehört haben, aber das uns dann doch jedes Mal aufs Neue fasziniert, zumal es diese Stimme erzählt. Produziert wurde Low Country Blues vom Mike Krüger des Roots-Rock, von T-Bone Burnett. Dessen Einserschmäh - die dreckige Sound-Patina - zieht halt auch immer. Welt.

TWILIGHT SINGERS
Dynamite Steps
(Sub Pop / Trost)
Zuerst denkt man sich: Net scho wieda. Nicht schon wieder eine Twilight-Singers-Platte mit Greg Dullis gezogenem Gesang, der oft so klingt, als stünde ihm ein Pferd am rechten Ei. Gibt man ihm dann aber eine Chance - und die kriegt er immer -, offenbart sich, dass das hier schon ein sehr eigener Sound ist. Nichts, was die Welt nicht kennt, aber das Immer-aus-dem-Keller-in-den-Himmel-Stürmen, das können wenige so gut wie er. Und die Stationen dazwischen können sich ebenfalls hören lassen. Am 7. April trifft man sich deshalb in der Wiener Arena. (flu/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2011)

  • "unlearn."
    foto: hardly art / trost

    "unlearn."

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