Die Chaos-Stifter

2. Februar 2011, 21:30
8 Postings

Die Pro-Regime-Demonstranten haben vorgeführt, dass die Armee nicht die Armee der Demonstranten ist

Am massiven Aufmarsch von regimefreundlichen Gegendemonstranten, Provokateuren und Schlägern in Kairo ist höchstens erstaunlich, dass er so spät erfolgt. Es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Mubarak-Fans ihrer Liebe zum Präsidenten besannen - beziehungsweise von denen, die sie auf die Straße schickten, daran erinnert wurden. Es passt zur gestrigen Rede Mubaraks, in der dieser an seine historische Rolle erinnerte und bei unentschiedenen Ägyptern einen Nerv getroffen haben mag.

Die Chaos-Stifter treten in einem sensiblen Moment auf. Die bisher wohlwollende, aber trotzdem neutrale - nicht aktiv für die Demonstranten Partei ergreifende - Armee hat diese aufgefordert, wieder nach Hause zu gehen. Es war nicht anzunehmen, dass sie gegen die Demonstranten vorgeht, wenn diese das nicht tun. Dennoch ist dadurch zwischen Armee und Demonstranten - aber auch zwischen verschiedenen Gruppen der Protestbewegung, von denen manche ja darauf pochen, dass sie das Recht einhalten - ein kleiner Abstand entstanden, in den die Provokateure vordringen. Sie haben vorgeführt, dass die Armee nicht die Armee der Demonstranten ist.

Die Schlacht von Mittwoch mag das Regime gewonnen haben, den Krieg wird es jedoch gerade wegen dieser Schlägerszenen verlieren. Das Rückzugsgefecht könnte aber noch lange und blutig werden - wenn es die Armee zulässt. Die wird sich bald entscheiden müssen. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2011)

Share if you care.