Das 250-Milliarden-Dollar-Steuerschlupfloch

2. Februar 2011, 19:02
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Im internationalen Vergleich zählt Liechtenstein noch zu den kleineren Steueroasen

Weltweit buhlen mehr als 70 Steueroasen um das Geld der Reichen. Eine der derzeit bekanntesten ist Liechtenstein. Der Vorteil an dem kleinen Fürstentum ist nicht nur die schnelle und unbürokratische Gründung von Briefkastenunternehmen. Vor allem aufgrund des Stiftungsrechts, das weitgehende Anonymität zusagt, zieht das Land Anleger an.

Stiftungen in Liechtenstein bieten viele Reize. Sie unterliegen einer begünstigten Kapitalsteuer - diese beträgt jährlich mindestens 770 Euro. Zudem gilt eine Befreiung von Gewinnsteuern. Liechtenstein erhebt bei Ausländern keine Abgaben. Aber im Herkunftsland des Stifters oder Begünstigten können sehr wohl Steuern anfallen.

Wobei noch einige Besonderheiten gelten: Ein Stifter kann in Liechtenstein als Vorstand und Begünstigter auftreten, womit sich diese Form der Geldanlage kaum von einem Sparbuch unterscheidet. In diesem Fall sprechen österreichische Steuerbehörden von einer "transparenten" Stiftung, bei der eine Steuerpflicht in Österreich anfällt.

Dabei ist Liechtenstein im globalen Ranking wegen der vergleichsweise geringen Transaktionsmengen ein kleine Steueroase, sagt Markus Meinzer vom Tax Justice Network (TJN). Das TJN führt eine Liste mit den 60 intransparentesten Finanzplätzen. Auf Platz eins liegt der US-Bundesstaat Delaware. Dort müssen die Eigentümer von Gesellschaften nicht offengelegt werden. Wer in Delaware steuerschonend veranlagen möchte, muss aber berücksichtigen, dass das Gründungsdatum einer Delaware Corporation vor der Inanspruchnahme steuerlicher Vorteile liegen muss. Widrigenfalls unterstellt der Fiskus dem Gründer nämlich Gestaltungsmissbrauch, wie Hans-Lothar Merten in seinem Buch Steueroasen beschreibt.

Vorne mit dabei im Oasen-Ranking ist auch Österreich (Platz zwölf). Das TJN schätzt, dass Staaten im Jahr 250 Milliarden US-Dollar Einnahmen entgehen, weil Geld in Schattenfinanzplätze fließt.

Allerdings wurde zuletzt auch der Kampf gegen Steuerflucht intensiviert. Ein Land muss mit zwölf anderen Staaten ein Abkommen über den Austausch von Steuerinfos unterzeichnen, um von der schwarzen Liste der OECD gestrichen zu werden. Offiziell gelten derzeit nur Brunei, Chile, Costa Rica, Guatemala, Malaysia, Panama, die Philippinen und Uruguay als Steueroasen.

Neu auf dem Steueroasen-Parkett (allerdings auf der weißen Liste der Industriestaaten-Organisation OECD) tanzt Island. Der Inselstaat lockt vor allem Handelsgesellschaften mit Steuervorteilen, denn diese zahlen nur eine Körperschaftssteuer in Höhe von fünf Prozent. Vermögenssteuern und Verwaltungsgebühren müssen nicht bezahlt werden. (Bettina Pfluger, András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 3.2.2011)

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