Betreuen statt verfrachten

2. Februar 2011, 18:54

Gegen die Schubhaft und ihre geplante Verschärfung

Die neue Chefin der Wiener Fremdenpolizei war vergangene Woche hochzufrieden: Fast 5000 Menschen wurden im Vorjahr in Wien in Schubhaft genommen. Schubhaft? Schubhaft heißt in der Regel: Freiheitsentzug ohne Tatbegehung. Erwachsene und auch Kinder werden allein aufgrund der Tatsache, dass sie da sind, in eine Zelle gesteckt.

Aber wie soll man denn Menschen, die einen Ausweisungsbescheid haben, sonst außer Landes bringen? Als gelernter Österreicher glaubt man es kaum: Ja, es gibt Länder in Europa, die wesentlich weniger Schubhaft verhängen als Österreich. Es gibt Länder, die Menschen, denen kein Aufenthaltsrecht zugesprochen wurde, in erster Linie betreuen und beraten, anstatt sie in eine Zelle zu verfrachten.

Aufgrund des Delikts Anwesenheit kann man in Österreich bis zu zehn Monate inhaftiert werden. In Frankreich beträgt die maximale Schubhaftdauer einen Monat, in den Niederlanden 1,5 Monate und in Spanien, Irland und Portugal je zwei Monate.

Schubhaft soll auf 18 Monate ausgedehnt werden

Doch anstatt sich Wege zu überlegen, die rechtsstaatlichen Standards in Österreich zu verbessern, arbeitet Innenministerin Fekter gerade an einem Gesetzesentwurf, der die bestehende Unmenschlichkeit noch auf die Spitze treibt. Die Schubhaftdauer soll in Zukunft auf bis zu 18 Monate ausgedehnt werden können. Eineinhalb Jahre Gefängnis ohne Delikt! Darüber hinaus sollen zukünftig unbegleitete Minderjährige in Schubhaft genommen werden können, und es sollen weiterhin Eltern zusammen mit ihren Kindern im Gefängnis landen.

Jetzt liegt es am Ministerrat und am Parlament, ob sie der Gesetzesnovelle in der geplanten Form zustimmen oder endlich einen menschenrechtlichen Kurswechsel vollziehen. Denn eine Verringerung sowohl der Schubhaftdauer als auch der Anzahl der Menschen, die ohne Vergehen ins Gefängnis gesteckt werden, ist möglich. Nichts würde dadurch zusammenbrechen. Im Gegenteil, der psychische Zusammenbruch von Menschen - in österreichischen Abschiebgefängnissen eine Realität - könnte verhindert werden.

Sogar eine Abschaffung der Schubhaft würde Österreich nicht ins Chaos stürzen. Gut möglich, dass es dann den einen oder die andere mehr geben würde, die sich einer Abschiebung entziehen kann, aber zugleich würden tausende Menschen vor unnötigem Freiheitsentzug geschützt werden. Wiegt Letzteres in einem demokratischen Rechtsstaat nicht viel schwerer als Ersteres? (Alexander Pollak, DER STANDARD-Printausgabe, 3.2.2011)

Alexander Pollak ist Sprecher von SOS Mitmensch und bloggt auf pollakblog.at.

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    16 Postings
    Shirin Maier
    03
    Es geht mitnichten um das "Delikt" Anwesenheit - es geht um illegalen Aufenthalt...

    Im Übrigen kann der Schubhaft JEDER entgehen, indem er sich an die Entscheidung der österr. Behörden hält und das Land - mangels gütligem Aufenthaltstitel - wieder verlässt. Es wird ja niemand gezwungen, Entscheidungen zu ignorieren und so lange zu warten bis sie zwangsweise umgesetzt werden müssen. Ist in allen Verwaltungsverfahren so. Wenn Bescheide nicht eingehalten bzw. umgesetzt werden, folgt deren zwangsweise Durchsetzung.

    robinsons freitag
    02
    @ Goran Icicfolgen weiter unten:

    *
    Sie sind vielleicht naiv. Denken Sie bitte zB. nur an die Zogays. Neun Jahre Illegal in Ö und 103 behördliche Eingaben. Das kostet!

    Fragen Sie sich einmal, zurückgelehnt und unaufgeregt, wer das alles finanzierte und wovon die Familie all die Jahre gelebt hat.

    Merke: Es müssen nicht immer DIREKTE staatliche Zuwendungen sein.
    Es geht auch indirekt – über die von Steuergeld lebenden NGOs.

    Sie schreiben: "Ich würde sehr empfehlen, sich mal grundsätzlich zu informieren, bevor man hier große Weisheiten verkündet!"

    Genau – in diesen Punkt gebe ich Ihnen ausnahmsweise Recht!

    Balu.der.Bär
    10

    doch - der Starken Mitzel sei dank - wurde dieser unsägliche "Asylmissbrauch" umgehend eingestellt! Und damit wieder Recht und Ordnung herrscht im Staat (und außerdem das "Gsindel" aus der Öffentlichkeit entfernt wird), werden die "Fremdengesetze" nun zum zwanzigsten Mal in Folge verschärft, damit sich ja kein Betroffener auch nur aufmucken traut, und damit bei lächerlichen Verwaltungsübertretungen noch mehr Menschen noch länger in den Häfen kommen können.
    Herr Vorposter: Haben Sie sich schon mal gefragt, wie viel Geld das ganze Schubhaftsystem, samt Fremdenpolizei und Abschiebungen, eigentlich kostet??

    Balu.der.Bär
    00
    Wann kommt die Zeit

    in der Flüchtlinge ein - sagen wir mal - gelbes "F" sichtbar in der Öffentlichkeit tragen müssen? Um sie schneller und effizienter einsperren zu können?
    Vielleicht mit der nächsten Fremdenrechtsnovelle?

    Goran Icic
    32
    Was man hier noch hinzufügen müsste, ...

    ... um die gesamte Absurdität zu illustrieren, ist, dass Schubhaft - wie der Name schon sagt - dazu dient, Leute außer Landes zu bringen. Jetzt mal ganz abgesehen davon, ob man die Abschiebungen grundsätzlich für gerechtfertigt hält oder nicht, ob sie durch ein faires Verfahren begründet werden oder nicht:

    Wenn keine realistische Möglichkeit besteht, die Leute abzuschieben, darf man sie auch nicht einsperren. 18, 12, 6, nicht einmal 3 Monate sind keine realistische Möglichkeit. Das hat auch nichts mehr mit dem Abwägen von persönlichen Freiheitsrechten und staatlichen Interessen zu tun. Das ist vollkommen unverhältnismäßig.

    Daran (und nicht nur daran) erkennt man, dass es nur um den größtmöglichen Terror den Betroffenen gegenüber geht!

    Lernens Geschichte sprach Kreisky
    44

    Auch ich unterstütze diese Meinung. Dieser Umgang mit Fremden ist eine Schande für Österreich!

    Ernst Kratochwil
    23
    Ich unterstütze diese Meinung überhaupt nicht. Eine Schande

    war es wie in Österreich Asyl und Zuwanderungsgesetze negiert oder ausgetrickst werden konnten.
    Es ist zu hoffen, dass der Weg, Mißbrauch abzustellen, so wie in letzter Zeit weiter vorangetrieben wird.

    Zirka 70 % meiner Freunde, Verwandten und Bekannten sehen das auch so.

    afrayspeed
    00

    gratuliere, ich stehe mit dieser ansicht relativ alleine da.

    Norbert Dichand
    12
    Der Kommentar ist grundsätzlich interessant...

    ...allerdings fragt sich ob Länder wie "Frankreich, Niederlande, Spanien, auch so ein reizvolles Sozialsytem wie wir hier haben, oder ob dort die Leute mangels "Hängematte" eher freiwillig wieder heimfahren.

    Offensichtlich gibts bei uns einige hartnäckige Fälle die über Jahre hinweg einen Ausreisebescheid ignorieren. Was soll man da "betreuen und beraten", was soll man denen alles versprechen das sie freiwillig gehen?

    Irgend einen Grund muss es ja haben das Österreich so ein beliebtes Asylland ist.

    Goran Icic
    01
    Glauben Sie etwa wirklich, ...

    ... dass Leute, die sich nicht bei den Behörden melden, irgendwelche Sozialleistungen erhalten können? Werden die per Brieftaube überwiesen?

    ... dass Leute, die keinen Aufenthaltstitel besitzen, das Recht auf Sozialleistungen haben?

    ... dass sich ein Verpflegungsgeld von 180 € pro Monat treffend mit "soziale Hängematte" beschreiben lässt?

    ... dass Flüchtlinge vor Verlassen des Heimatlands sich schnell mal durch das Fremdenrecht von 27 und mehr Ländern arbeiten, um sich dann die sonnigste Destination auszusuchen?

    ... dass sie darüber entscheiden können, wohin sie die Schlepper bringen und sich die dann auch daran halten?

    Ich würde es sehr empfehlen, sich mal grundsätzlich zu informieren, bevor man hier große Weisheiten verkündet!

    byron sully
    23
    danke,

    da kann ich mich nur anschließen.

    stefan1981
    64

    böses, böses österreich.

    und trotzdem wollen so viele zu uns kommen. seltsam, nicht?

    Dan Scratch
    32

    Kommen eh immer weniger, es gab noch nie so wenige Asylwerber wie im Vorjahr (Quelle: ORF).

    Aber Leuten, wie ihnen geht's ja in Wirklichkeit ums Feindbild. Und hätten wir gar keine Asylwerber mehr, dann wärens eben die Arbeitslosen, die Homosexuellen, die Linken oder irgendwer anders).

    Ernst Kratochwil
    22
    Es kommen weniger, weil die Möglichkeiten für Asylmißbrauch

    stark eingeschränkt wurden.

    Das ist aber kein Grund sie jetzt wieder auszuweiten.

    Dan Scratch
    11
    Vielen Dank für die aktuellen Infos aus der FPÖ-Parteizentrale.

    Wäre ja noch schöner, wenn wir uns an europäischen Menschenrechts-Standards orientieren würden, was?

    Typen wie Sie sind mit ein Grund, weshalb ich für eine einheitliche EU-Asylgesetzgebung bin.

    Gregor JOHN
    34
    Ich glaube nicht, dass irgendwer wegen Leuten

    wie Sie zu uns kommen will, aber zum Glück gibts
    hier auch Menschen.

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