Regierungsbildung für Mikati schwierig

2. Februar 2011, 18:26
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    Bei einer Demonstration in Beirut zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Ägypten wurde ein Bild von Nasser bemüht

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    Der designierte Premier Mikati

Seine Designierung hat Premier Najib Mikati der Hisbollah zu verdanken, er versucht jedoch auch die Kräfte um Saad Hariri einzubinden. Diese wollen jedoch eine Garantie für das Hariri-Tribunal.

Beirut/Wien - Bis zum Ende der Woche hat der designierte libanesische Ministerpräsident Najib Mikati dem labilen Land eine neue Regierung versprochen. Er ist bei seinem Vorhaben, ein Kabinett auf breiter Basis zu bilden, jedoch vom Scheitern bedroht, und die Sorge um die Stabilität des Libanon bleibt aufrecht.

Mikati, der von der Hisbollah und ihren Verbündeten (den "Kräften des 8. März") plus dem Drusen Walid Jumblat auf den Premierssessel gehievt wurde, wird vom Lager um Expremier Saad Hariri (den "Kräften des 14. März") Verrat am sunnitischen Lager vorgeworfen: Beide sind Sunniten, die libanesische Verfassung sieht ja einen sunnitischen Premier vor. Mikati, ein 55-jähriger syrienfreundlicher Milliardär im Telekommunikationsgeschäft, war 2005 schon einmal kurz Premier, damals wurden seine Qualitäten als Vermittler zwischen den Lagern geschätzt. Diesmal will Hariri aber nicht mit ihm kooperieren - er begab sich diese Woche ostentativ auf Verwandtenbesuch nach Frankreich. Nun versucht Mikati, wenigstens einen Teil des Hariri-Lagers zu gewinnen, bisher erfolglos.

Die Hisbollah hatte die Regierung von Saad Hariri, der sie selbst angehörte, zu Sturz gebracht, weil dieser nicht, wie von der Hisbollah verlangt, die Zusammenarbeit des Libanon mit dem Uno-Tribunal zur Aufklärung des Attentats auf Premier Rafik Hariri (den Vater von Saad Hariri) im Jahre 2005 abbrach. Das Tribunal will Anklagen gegen mehrere Hisbollah-Mitglieder erheben.

Um das Tribunal geht es auch bei den Verhandlungen Mikatis mit den "Kräften des 14. März". Sie verlangen von ihm eine öffentliche Erklärung, dass er die Zusammenarbeit mit dem Tribunal aufrechterhält. "8. März" und "14. März" scheinen aber auch auf dieselben Ministerposten Anspruch zu erheben. Und die Hariri-Leute wollen auch, dass sich Mikati zu einem Zeitplan für die "Einsammlung von Waffen aller libanesischen und palästinensischen Gruppen, die auf dem gesamten libanesischen Territorium auf die Brust von libanesischen Bürgern gerichtet sind", verpflichtet. Ausgenommen davon sind nur die "Waffen des Widerstands, die gegen den israelischen Feind gerichtet sind" - also die der Hisbollah -, allerdings sollten diese in einer von allen Libanesen unterstützten Verteidigungsstrategie stehen, lautet ein Statement.

Der christliche Politiker Michel Aoun (Freie Patriotische Bewegung), der mit der Hisbollah verbündet ist, rief hingegen die "Kräfte des 14. März" dazu auf, sich der neuen Realität - und der neuen politischen Linie - anzupassen. Die "Kräfte des 8. März" plus Drusen haben genügend Stimmen im Parlament, um dem Hariri-Tribunal ein Ende zu bereiten.

Hariri beschuldigt Syrien

Hariri beschuldigt indessen lang vorbereitete "Aktionen von außen", für den Bruch seiner Regierung verantwortlich zu sein. Damit ist eindeutig Syrien gemeint. Auch Saudi-Arabien, das sich aus den innerlibanesischen Vermittlungsversuchen zurückgezogen hat, distanziert sich wieder von Damaskus, das es in seine Bemühungen eingebunden hatte.

Hariri hatte vergangenes Jahr seine Beziehungen zu Syrien zu verbessern versucht und sich sogar dafür entschuldigt, dass syrische Funktionäre verdächtigt worden waren, hinter der Ermordung seines Vaters zu stecken. Syrien ging jedoch mit Haftbefehlen gegen Leute aus dem Hariri-Umkreis vor, weil diese beim Uno-Tribunal falsch ausgesagt hätten. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2011)

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10 Postings
Georg Schütt
46
Das Tribunal will Anklagen gegen mehrere Hisbollah-Mitglieder erheben.

Das Interessante: Als im Sommer 2010 ruchbar wurde, dass einzelne Hisbollah-Leute angeklgt werden könnten, trafen sich Hariri jr. und Hisbollah-Generelsekrtär Nasrallah zum Gespräch. Beide waren einig, dass man auf keinen Fall die Hisbollah als Ganzes verantwortlich machen würde. Einzelne Mitglieder hätten eigenwillig und verbrecherisch gehandelt.

Von diesem Standpunkt ist man mittlerweile abgekommen. Denn offenbar sicherte durch, dass diese Einzelnen ganz weit oben in der Hierarchie stehen.

Also änderte man die Taktik und erklärte das ganze Tribunal für befangen und US-/israelhörig.

Diese Widersprüche sind es, die selbst Kritiker stutzig machen müssten.

Manfred.M
21
Kleiner Fehler

Lieber Herr Schütt,

Sie irren sich! "Man" war sich nie "einig, dass man auf keinen Fall die Hisbollah als Ganzes verantwortlich machen würde" und nur einzelne Mitglieder eigenwillig gehandelt hätten. Die Einzigen, die sich darin einig waren sind Hariri und seine Leute. Standpunkt der Hisbollah war es immer, dass das Tribunal sehr sehr einseitig ermittelt hat und nicht einmal den vielen Spuren, die nach Tel Aviv führen hinterhergeganen ist. Stattdessen wurde nur in Richtung böses Syrien und böse Hisbollah ermittelt.

Gruß

Georg Schütt
21
Ein Blick ins Archiv hilft. 22. Juli 2010:

Nasrallah said Hariri's son, current Prime Minister Saad Hariri, had told him that the special tribunal would implicate rogue Hezbollah members for the killing, but not the party itself.

http://articles.cnn.com/2010-07-2... s=PM:WORLD

"I was personally informed by Prime Minister Saad Hariri before his visit to Washington (in May) that the tribunal will accuse some undisciplined members" of Hezbollah, Nasrallah said in a press conference via video link.
http://www.middle-east-online.com/english/?id=40164

Manfred.M
11
Eben, schau doch bitte ein paar Zeilen dadrüber:

"but said he would reject any such conclusion." Das besagt doch gerade das Gegenteil von dem was Du oben behauptet hast, dass es Konsens darüber gegeben habe, dass einzelne Mitglieder der Hisbollah schuldig sind. Sayyed Nasrallah hat dem aber nie zugesagt! Bitte genauer lesen bevor man so etwas verbreitet!

Gruß
M

Manfred.M
22
Wie sie sagten, ein Blick ins Archiv hilft...

23. Juli 2010 auf Al-Manar (Wörtlicher und wortgetreuere Übersetzungen über Hisbollah werden Sie nicht finden):

"In his press conference Thursday, the Hezbollah chief stressed that Prime Minister Saad Hariri informed him that the international court’s indictment that will be issued sometime soon, with implicate “undisciplined Hezbollah members”, something that Sayyed Nasrallah categorically rejected."
http://www.almanar.com.lb/newsSite/... anguage=en

Eindeutiger hätte er nicht sagen können, dass er die Vorwürfe zurückweist (und deshalb natürlich auch die Anklageschrift)

Georg Schütt
10
Sie halten Al-Manar allen Ernstes für eine seriöse Quelle?

Den Hisbollah-Sender halte ich für genauso glaubwürdig wie das "Neue Deutschland", wenn es um Berichtersttungen zum 17. Juni 53 oder zum Mauerbau ging.

Manfred.M
01
Geht es Ihnen darum die Wahrheit zu finden oder einfach nur Propaganda zu betreiben???

Es geht nicht um die Glaubwürdigkeit Al-Manars sondern darum, was Nasrallah gesagt hat. Und Al-Manar wird gerade wegen seines Charakters als Hisbollah-naher Sender Nasrallah mit Sicherheit wortgetreuer zitieren als cnn-online.

Es tut mir Leid, ich dachte, Sie hätten Interesse an einer sachlichen Diskussion und nicht an pauschalen Diffamierungen. Man kann sich ja auch mal irren.

M

Reddogg
 
01

Sie müssen wissen, "contra-westl. Medien" wie z.B. Al-Manaer Press-TV eventuell hier und da auch mal Al Jazeera sind nur dann "zitierungswürdig" wenn sie positiv-tangierendes schreiben. Sprich wenn sich die Leute zu etwaigen Anschlägen bekennen, *thumbs up* (zitierungwürdig), sagt die selbe Quelle, "nö waren wir nicht" *thumbs down* (Propaganda)...
Opportunismus ist doch was feines oder????

Georg Schütt
11
Ich fürchte, diese Interpretation fällt zu wohlwollend aus.

Warum sollte Nasrallah denn selbst von undisziplinierten Mitgliedern gesprochen haben, wenn an der Sache nichts dran ist?

Zurückgewiesen hat er nur den Versuch, sie anzuklagen.

Stephan Schaefer
 
14

--- Also änderte man die Taktik und erklärte das ganze Tribunal für befangen und US-/israelhörig.

Wie war das damals mit den "Beweisen" gegen die syrienfreundlichen Generäle Libanons?

Sie waren gefälscht! Das Problem Israels war damals Syrien!

Und heute?

Was ist derzeit das Problem Israels im Libanon?

Die Hisb Allah?
Kennt jemand die Beweise gegen die Hisb Allah-Mitglieder?
Sind diese auch gefälscht?

Mfg

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