Darabos' Dauerfeuer

2. Februar 2011, 18:21
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Darabos stellt sich nämlich hin und sagt: Mein Freiwilligenmodell ist das beste, basta!

Der Mann hat seine Mission gefunden. Norbert Darabos will der Wehrpflicht den Garaus machen und in Österreich ein Freiwilligenheer etablieren. Inhaltlich fährt der österreichische Verteidigungsminister damit den Kurs, der in den meisten europäischen Ländern realisiert wird: weg von der allgemeinen Wehrpflicht. 

Befremdlich ist aber die Art, wie Darabos eine weitreichende politische Frage, die die heikle Schnittstelle zwischen Militär und Zivilgesellschaft betrifft, behandelt. Er tut es ohne Rücksicht auf Verluste. Das zeigt der fast schon provokante Druck auf die ÖVP, die ihm noch vor zwei Tagen ein gesichtswahrendes Gespräch über die zukünftige Sicherheitsarchitektur Österreichs ermöglicht hat und verständlicherweise empört ist über seine Kasernenhof-Attitüde. Darabos stellt sich nämlich hin und sagt: Mein Freiwilligenmodell ist das beste, basta! Da hat sich einer eingebunkert und auf Dauerfeuer geschaltet. 

Eine wichtige Frage bleibt vor lauter Scharmützeln ungestellt: Was bedeutet die Transformation vom „Bürger in Uniform" zum „Beruf in Uniform" für eine Gesellschaft? Eine verantwortungsvolle Heeresdebatte braucht einen breiten öffentlichen Diskurs, der nicht nur um finanzielle Details und Kopf-Zahlen kreist, sondern den historischen Hintergrund der Wehrpflicht und den Zusammenhang von Gesellschafts- und Wehrsystem reflektiert. Schnell schießen und dann denken ist das falsche Modell. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2011)

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