Fünf Präsidenten und zwei Ministerinnen ringen um die Bildungsreform

2. Februar 2011, 18:48
  • Artikelbild
    apa-foto: georg hochmuth

    Karl und Schmied erhalten Unterstützung von Foglar, Sorger, Tumpel & Co.

  • Artikelbild
    foto: ronald zak/dapd

    "Die Ministerinnen haben es bei Gott nicht leicht", sagte Wirtschaftskammer-Präsident Leitl.

  • Positionen der Sozialpartner

Gesamtschule und bessere Lehrerausbildung: Sozialpartner einigten sich auf gemeinsames Positionspapier und wollen einen Bildungsdialog mit politisch Verantwortlichen starten

"Just do it" oder "Let's work together". Englische Motivationsfloskeln waren bei den Sozialpartnern und den Ministerinnen Claudia Schmied (SPÖ) und Beatrix Karl (ÖVP) in Sachen Schulreform am Mittwoch hoch im Rennen. Im Gebäude der Wirtschaftskammer gaben sie eine gemeinsame Pressekonferenz, um ein Bekenntnis dafür abzuliefern, wie wichtig die Bildungsreform sei. Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund, Landwirtschaftskammer und Industriellenvereinigung haben - ausgehend von ihrem Bad Ischler Papier aus 2007 - ein gemeinsames Positionspapier entwickelt, mit dem sie einen Bildungsdialog mit politisch Verantwortlichen voran treiben wollen. Einen Tag vor der Präsentation des Textes für das Bildungsvolksbegehren von Hannes Androsch gingen sie damit an die Öffentlichkeit.

Neuerungen gibt es in dem Papier allerdings nur wenige. Die Sozialpartner bekennen sich in 12 Punkten unter anderem zu einer gemeinsamen Ausbildung aller Pädagogen (Kindergarten, Schule, Erwachsenenbildung) auf Hochschulniveau. Sie fordern auch ein neues Dienst- und Besoldungsrecht für neu eintretende Lehrkräfte. (Details siehe Papier zum Download)

"Gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen"

Einzig überraschend die Einigkeit in Sachen Gesamtschule. Die Sozialpartner wollen, so heißt es wörtlich,"dass alle notwendigen Schritte insbesondere in Bezug auf eine einheitliche Ausbildung aller Lehrkräfte auf der Sekundarstufe I sowie einer Reform des Dienst- und Besoldungsrechts in Angriff genommen werden, um so wesentliche Voraussetzungen für eine damit mögliche gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen zu schaffen". 

ÖVP-Wissenschaftsministerin Beatrix Karl, also die einzige Gegnerin in Sachen Gesamtschule? Sie betonte, sie lege Wert auf Durchlässigkeit und gleiche Chancen für alle und erhielt dafür auch Unterstützung von Industriellenvereinigung-Präsident Veit Sorger und Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl.

"Es freut mich, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen", kommentierte Karl die Initiative der Sozialpartner. Ebenso Schmied, die sich für die Unterstützung bedankte. Von ihr kam der Spruch "Just do it" als Motto des Jahres Jahr 2011. Gleichzeitig betonte sie auch, wie viel in den letzten Jahren schon passiert sei - Stichwort verpflichtendes Kindergartenjahr und Reduzierung der Klassenschülerzahl.

ÖGB-Präsident Erich Foglar rief aus: "Let‘s work together." Er fordert ad-hoc-Maßnahmen, etwa das kostenlose Nachholen von Qualifikationen, verpflichtenden Förderunterricht und einen Ausbau der Berufs- und Studienorientierung schon in der 6. und 8. Schulstufe.

"Was jetzt festgeschrieben steht, das hält"

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel machte sich Sorgen um die sechs Prozent der Jugendlichen jedes Jahrgangs, die weder eine Ausbildung absolvieren, noch eine Schule besuchen oder arbeiten. Dafür müsste man sowohl das Wirtschafts- als auch das Sozialministerium ins Boot holen.

Veit Sorger betonte: "Was jetzt festgeschrieben steht, das hält" und sprach den Ministerinnen ebenso seine Unterstützung aus wie Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski.

Belohnungen und Bestrafungen für Lehrer

Leitl vermutete das Land nach wie vor "im Pisa-Schock". Er plädierte dafür, dass Lehrer junge Menschen begeistern können müssen und ließ mit einem ungewöhnlichen Vorschlag aufhorchen. Geht es nach ihm soll es "Belohnungen und Bestrafungen" im neuen Lehrerdienstrecht geben. Die besten fünf Prozent aller Lehrer sollen außerordentliche Belohnungen bekommen, die schlechtesten fünf aus dem System herausgeholt werden. Das bedeute nicht, dass diese Personen unfähig sind, sie seien nur nicht für das Unterrichten in der Klasse geeignet, so Leitl.

"Die Ministerinnen haben es bei Gott nicht leicht", sagte er, zeigte sich aber dennoch zuversichtlich, dass die nun gestartete Initiative greifen werde.

Androsch, "das schlechte Gewissen"

Den am Donnerstag bei der Präsentation des Bildungsvolksbegehrens im Rampenlicht stehenden Hannes Androsch bezeichnete Leitl als "das schlechte Gewissen von außen - auch sowas braucht man in diesem Land". Die Sozialpartner hingegen seien "die Umsetzer". (Rosa Winkler-Hermaden, derStandard.at, 2.2.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2
Wolfgang SALZER
 
00
Luftblase...

Wenn Leitl 5% als "Schlechteste" aussortieren will, dann scheint ihm eine Minifirma mit ein paar Angestellten vorzuschweben, wo einer durch Faulheit glänzt und leicht dingfest gemacht werden kann. Wie bei tausenden Schulen und zehntausenden Lehrer/-innen diese Filterung möglich sein soll, interessiert nicht, Hauptsache, der "Sager" sitzt...
Derzeit winden sich Direktoren und Behördenvertreter in Feigheit, wenn sie offensichtlich Ungeeignete mittels des Dienstrechts - das derlei natürlich zulässt! - loswerden sollen. Zukünftig gibt es dann den "schulautonomen Auftrag" an Direktoren jährlich 5% aller Kolleg/-innen hinauszuschmeißen?? Das ist doch lächerlich...

D/E
00
Auf welchem Niveau sich diese Typen bewegen, wird schlagartig klar,

wenn man dem Leitl zuhört (Chef einer Kammer von Zwangsmitgliedern, die organisiert ist wie wieland das ZK der KPDSU), wenn er von 5% der Lehrer labert, die man aus dem Schuldienst entfernen solle.

Dass das immerhin 6000 Leute sind, die hier von einem völlig Unbeleckten zu Versagern gestempelt werden, kratzt offensichtlich keinen der anwesenden Journaille. Woher er die Zahlen hat, will auch keiner wissen.

Dass der aktuelle steigende Lehrermangel nicht einmal die "Entfernung" der wenigen wirklichen Problemfälle zulässt, wird ihnen wahrscheinlich auch wurscht sein.

Offensichtlich darf man wirklich alles behaupten, wenn es nur gegen die Lehrer geht.

Immanuel Cunt
00
Von Arabien lernen

"Die Jugend im Nahen Osten ist doppelt geschlagen: Sie schultert einerseits die Bürde einer falschen Wirtschaftspolitik. Zudem ist sie Opfer einer Bildungsmisere: Es wurde nach unten nivelliert, statt Eliten zu fördern."
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 84,00.html

per verser
02

ich bin auch dafür, daß die övp nach arabien geht.

Demian Höllwarth
 
02
Wenn die "Wissenschaftsministerin" Karl,

(Uni-Abrissbeauftrage triffts eher), mit von der Partie ist, kann es sich bei der Bildungsreform nur um eine gefährliche Drohung handeln.

Wer ein Sensorium dafür hat merkt, dass es mit diesem Land rasant bergab geht. Die Rechnung für diese Inkompetenz, Reformfeigheit und Reprovinzialisierung wird aber erst in einigen Jahren, Jahrzehnten fällig.

Bei der Schule beginnt' s. Man spreche UniProfs etwa auf das Problem mit der 2. Garnitur deutscher Studierender an: "Wir könnten die ja nicht mal rausprüfen, weil dann blieben kaum ÖsterreicherInnen übrig..." - das sagt alles.

Jedem jungen begabten Menschen kann man nur raten, schnellstmöglich das Land zu verlassen. Dieses ist ohnehin nur an SchilehrerInnen und HilfskellnerInnen interessiert.

xxx...yyy...
11
eine typische österreichische diskussion:

wir wissen zwar nicht was wir erreichen wollen, aber wir wissen, dass die gesamtschule das beste modell ist.

Alfred Moosbrugger
50
Liebe junge Leute: Lasst euch nicht an die Schulgaleere anSCHMIEDen!

Schmied ist genau die Richtige für diesen Job.
Ihr Werdegang: zuerst selbst jahrelang Lehrerin, dann Bezirksschulinspektorin, Landesschulratsdirektorin, dann im Unterrichtsministerium angekommen.
So soll es sein.
Nur solche Leute haben die Kompetenz, derart weit reichende Entscheidungen zu treffen.

Alfred Moosbrugger
00
Ironie gelungen.

Wahnsinn zum Quadrat
01
wenn einer nicht mal den LEBENSLAUF abschreiben kann, ...

dann erübrigt sich jeder weitere Kommentar!

17+4
00
das glauben aber auch nur sie, und vielleicht

zwei drei andere.

Alfred Moosbrugger
22
Oje.

Keine der genannten Personen hat die notwendige Kompetenz, um etwas zu bewegen.
Geld hat auch keiner eines übrig.
Was soll dann bitte daraus werden?

Ein Schulmodell, das es im 19. Jh. bereits gab und das scheiterte, wird wiedereingeführt,
eine Lehrerausbildung, die es gab, als die katholische Kirche die alleinige Zuständigkeit hatte, fernab der Universitäten, wird wiedereingeführt.
der bislang beste öffentliche Schultyp - das Gymnasium - wird abgeschafft.

Soviel dazu.

17+4
00
das Schulmodel des 19. jahrhunderts hat

die meisten Nobelpreisträger hervorgebracht und die breite Wissenschaftlichkeit in unserer Zeit begründet.
Nicht schlecht reden, ws nicht schlecht war.
Aber sie haben recht: die Anforderungen heute sind andere, denn das zeigen die Revolutionen in Tunesien und Ägypten noch viel mehr, und daher iwäre es angebracht, eine Adaption des Schulsystems vorzunehmen.

Aber dazu braucht es Grundlagen, die weder Schmied bereit ist zu erfüllen, geschweige denn anzudenken, aber auch die ÖVP-Schwurbler.
Das Lehrerdienstrecht hätte schon längst beschlossen werden können, oder wenigstens die Marksteine gesetzt werden, der Schulausbau hätte auch längst begonnen werden können, auch nix.
Und Pröll hätte auch schon längst die Gelder dafür bereitstellen kö

sljudanka
00
es bringt nichts alles immer mit "dedm System" zu erklären

Deutschland, Österreich waren in der 2. Hälfte des 19. Jh. Boomstaaten mit einer ungeheuren Entwicklung.
Doch - die Innovation und der Boom ging von der Bevlökerung aus - nicht von "dem System"!!

Wenn die bevlökerung rückständig ist, und wenig Interesse an Fortschritt hat, bzw. unfähig ist, hier Entwicklungen voranzutreiben, kann das "Bildungssystem" schwer daran was ändern...

Entscheidend ist die Kultur, dei Einstellung der Bevlökerung zur Bildung, Liberalität, Frauenrechte, Bildungs-bürgertum im positiven Sinn, Glaube an - technischen - Fortschritt -, rationales Denken;
also alles Dinge die vor 150 Jahren bei uns stark vertreten waren, und Österreich zum Power-house der Welt machten...

anton-aus-tyrol
 
20
Na ja!

Da redet die Gewerkschaft aus einer Partei mit dem Ministerium der gleichen Partei. Wird also sicher spannend die Diskussion - na klar!!!

Mir fehlen bei alledem aber irgendwie ein wenig Eltern- und Schülervertreter und auch wirkliche Experten. Vielleicht welche aus den erfolgreichen Ländern, net nur unsere Blockierer und Betonschädel...

Markus1975
12
was sagen die meisten Lehrer

die selbstverständlich auch Eltern sind?
Das unnötigste in der Schule sind die Eltern ... Und das stimmt leider auch ... Wollen doch viele die "häuslichen" Erziehungspflichten einfach an die Schule und damit auch an die Lehrer auslagern. Es ist nun mal so: Alles was erziehungsmäßig in den ersten 5 Jahren verabsäumt wurde, kann durch die Lehrer nur mehr sehr schwer korrigiert werden, zumal man ja auch das Sitzenbleiben (bisher die einzige Form zu zeigen, dass die Reife eben nicht erreicht ist) abgeschafft werden soll ...

El Hierro
20
stets kompetent und völlig überflüssig!

anton-aus-tyrol
 
10

dürfte ja Ihnen sehr entsprechen...

Woerns24
 
01
mhm..

jetzt werden sicher wieder viel mehr Maturanten Lehrer... solch tolle Anreize :-)

Wer entscheidet wer gut ist? Was ist ein guter Lehrer? MS in Wien vs. MS in einem Vorarlberger Dorf - fairer Vergleich?

Pacco
01
aber ja natürlich ...

... oder ist Mathematik in Vorarlbert eine andere als in Wien?

Und zur Didaktik: Sollen neueste Erkenntnisse und wertvolle Erfahrungen aus der Didaktik in Vorarlberg oder Wien nicht gelten?

Und soll mir keiner mit kulturellen Unterschieden kommen: Die sind da, und gut, und eine Bereicherung - dafür kann ich aber in einem 8Mio Land trotzdem einheitliche Qualitätsstandards (Ausbildung/Überprüfung) einführen

Markus1975
10
denke mal

dass es dem Vorposter auch darum ging, zu hinterfragen, ob da nicht wieder Parteigünstlinge gut bewertet werden ... denke mal, dass die Lehrerbewertung von den Schülern kommen muss, wenn diese eingeführt werden wird. Nur das scheint mir mal wieder Wunschdenken zu sein, denn der große Fritz wird da sicher wieder was dagegen haben, wo kämen wir denn da hin, wenn die Qualität des Unterrichtes bewertet wird, und zwar von denjenigen, die ihn erfahren ....

Alfred Moosbrugger
20
Am liebsten würde ich auswandern.

1,) Mit Leitl mischt sich ein Mensch in alle Dinge des öffentlichen und privaten Lebens ein, der nur für sehr wenige Dinge kompetent ist. Eines davon ist die Unterdrückung der Arbeiter und Angestellten, auf dass es "der Wirtschaft gut gehe".

2.) Die so genannte Ausbildung "auf Hochschulniveau" heißt verklausuliert, dass es in Hinkunft nur mehr Wischiwaschiinstitute geben wird, auf dass man eben nicht adäquat-universitär entlohnen muss. Die Qualität ist dabei schurzpiepegal.

Am liebsten würde ich auswandern.

Pacco
01
warum nicht?!

... simply do it
... yes, you can
... feel free to make your choice

... good luck,
... baba, und foi (Ambros?) net

wohin, des tät mi interessieren - bitte um Antwort

Alfred Moosbrugger
00

ggf. nach Südtirol (ca. 30 km Luftlinie entfernt) oder nach Bayern (ca. 50 km Luftlinie entfernt).

Alfred Moosbrugger
12
Was soll daran so gut sein?

Was soll an einer verkürzten Pädakausbildung mit universitätsfernen Vortragenden so toll sein?

Billiger ist sie, das mag wohl sein, aber sie wäre der größte kulturelle Rückschritt, den ein mitteleuropäischer Staat im 21. Jahrhundert bis jetzt durchgemacht hat, abgesehen vielleicht von der Mediendiktatur in Ungarn.

Allmächtiger Satan
40

Es wird refomiert, der Minister trägt die Verantwortung dafür und basta. Hier ringen um 6 Personen zuviel, weil ein Minister keine Verantwortung für seine Entscheidung übernehmen möchte.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 59
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.