Opposition verlangt Alliot-Maries Rücktritt

2. Februar 2011, 18:01
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Enthüllungen: Französische Außenministerin hat Verbindungen zu Ben-Ali-Clan

Die französische Außenministerin Michèle Alliot-Marie mag eine mäßige Diplomatin sein - unbestreitbar ist aber ihr Talent, sich aus unangenehmen Situationen zu winden. Das Magazin Canard Enchaîné berichtet aktuell, wie die 64-jährige Gaullistin über Neujahr mit ihrem Mann in Tunesien urlaubte. Die beiden flogen demnach im Privatjet des befreundeten tunesischen Geschäftsmannes Aziz Miled nach Tabarka. Alliot-Marie rechtfertigte sich damit, sie habe die Hotelrechnung beglichen und den Flieger spontan genützt, weil Miled zufällig auch dorthin reiste. Miled gehöre "keineswegs" zum Clan des tunesischen Diktators Zine el-Abidine Ben Ali; er sei vielmehr von diesem "ausgeplündert" worden.

Miled machte in der Tat Geschäfte mit Clan-Vertretern, musste aber kürzlich Anteile an einer Fluggesellschaft abtreten, weshalb er für Alliot-Marie nun ein Opfer sei. Gleichzeitig trat Miled persönlich für die "Wiederwahl des Vaterlandsretters" ein. Mileds Name steht auch auf der Liste der in der Schweiz blockierten Vermögen der Ben-Ali-Familie.

Der sozialistische Fraktionschef Jean-Marc Ayrault verlangte nun den Rücktritt der Außenministerin, doch in der Partei sind die Meinungen geteilt: Parteichefin Martine Aubry beanstandete mehr die Einladung zum Flug als die Verbindung zum Ben-Ali-Clan.

Auch die Medien kritisieren die Ministerin nicht einhellig: Der Canard Enchaîné nennt einige Politiker und Journalisten, die sich immer wieder von den Ben Alis einladen ließen oder mit ihnen vertraut seien. Dass diese nun zu den Vorwürfen gegen Alliot-Marie schweigen, könnte die Ministerin schließlich doch noch retten. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD, Printausgabe, 3.2.2011)

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    Michèle Alliot-Marie hat Erklärungsbedarf

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