Faszination des Schreckens

2. Februar 2011, 17:45
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Doku über den kollektiven Selbstmord der Jim-Jones-Sekte - Am Ende waren 909 Menschen tot

Das Fernsehen hebt unsere niedrigen Instinkte auf ein höheres Niveau. Das ist natürlich nur in Ausnahmefällen so, aber eine Doku wie die am Dienstag auf 3sat über den kollektiven Selbstmord der Jim-Jones-Sekte ausgestrahlte leistet das.

"Jonestown - Todeswahn einer Sekte" heißt ein Film von Stanley Nelson, der die Geschichte des US-amerikanischen Sektenführers James Warren "Jim" Jones anhand von Zeitzeugen- und Wegbegleiterberichten nachzeichnet und die Faszination des Schreckens bis zum Ende stimuliert.

Bis zum 18. November 1978, als sich hunderte Menschen kollektiv das Leben nahmen. Jones selbst wurde mit einer Schussverletzung tot aufgefunden. Die Bilder aus der Jonestown gerufenen Kommune im südamerikanischen Guyana gingen damals um die Welt. Das tragische Ereignis gilt als größter Massenselbstmord der jüngeren Geschichte.

Nelson interviewte dafür eine Unzahl von Leuten, die mit dem 1931 geborenen Gründer des sogenannten People's Temple zu tun hatten: Freunde aus der Kindheit, einen seiner Söhne, ehemalige Anhänger.

Das ergab die packende Erzählung einer schrecklichen Geschichte und zeichnete nebenbei das Bild einer Gesellschaft in einer Zeit, die in den USA von Umbrüchen und dem Vietnamkrieg geprägt war.

Jones war ein Außenseiter, der sich früh mit anderen Menschen des gesellschaftlichen Randes solidarisierte, doch in einer Mischung aus religiösem Wahn und daraus erwachsender Macht zum Diktator wurde. Zu den Mitteln seines Regimes zählten Psychoterror, sexuelle Ausbeutung und Drohungen aller Art. Am Ende waren 909 Menschen tot, darunter 303 Kinder. (Karl Fluch/DER STANDARD; Printausgabe, 3.2.2011)

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    Jim Jones.

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