"Flughafen Wien ist teilweise eine Schande"

2. Februar 2011, 18:27
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Skylink sei schon jetzt zu klein, die dritte Piste in weiter Ferne, Security-Checks ineffizient. Im eigenen Haus wurden zuviele Mitarbeiter abgebaut

Standard: Wird Skylink am Flughafen Wien wie angekündigt Mitte 2012 in Betrieb gehen?

Malanik: Ja, das glaube ich schon. Mittlerweile ist so viel Druck vorhanden, diesen Termin einzuhalten, dass es sich niemand leisten kann, die Fertigstellung abermals nach hinten zu verschieben.

Standard: Was sind die akuten Probleme am Flughafen?

Malanik: Die ausufernden Kosten von Skylink sind nur eine Hälfte des Problems. Gravierend sind auch die Verspätungen, die der Terminalbau im Laufe der Jahre aufgerissen hat. Mittlerweile fehlt es uns an Platz am Flughafen. Im Unterschied zu anderen Airports wird es in Wien immer enger.

Standard: Warum?

Malanik: Weil der Trend vorhanden ist, den Non-Aviation-Bereich zugunsten von immer mehr Geschäften auszubauen. Weiteren Tribut fordern viele neue Sicherheitsauflagen der Behörden. All das braucht Platz. Die Situation am Flughafen war bereits vor zwei Jahren untragbar. Aber durch die Wirtschaftskrise und die Redimensionierung der AUA sanken auch die Passagierzahlen. Und dadurch ging es gerade noch. Jetzt nicht mehr. Tatsache ist, dass die derzeitige Infrastruktur am Airport so abgenutzt ist, dass es teilweise eine Schande ist.

Standard: Skylink muss ja dann die Erlösung für die AUA bringen.

Malanik: Ja und nein: Für unseren Bedarf ist Skylink bereits zu klein, wenn er in Betrieb geht. Wir, die Lufthansa-Gruppe, werden nicht alle Flüge dort unterbringen. Es wäre schön gewesen, aber Skylink hat zu wenige Andockpositionen. Wir müssen künftig auch die alte Infrastruktur am Pier Ost nutzen.

Standard: Waren Sie in die Skylink-Planung nicht involviert?

Malanik: Wir waren mäßig eingebunden, zuletzt war eine lange Pause. Wir hatten manchmal den Eindruck, man hört uns eher höflich als interessiert zu. Jetzt sehen wir, dass wir Dinge diskutieren können, die bisher ein "No Go" waren. Das macht Mut.

Standard: Hat der neue Flughafen-Chef, Christoph Herbst, mit Ihnen bereits Kontakt aufgenommen, was erwarten Sie von ihm?

Malanik: Ja, und wir haben eine gute Gesprächsbasis. Er will Dinge verändern, das klingt schon positiv. Wir erwarten von ihm, dass er die strategische Ausrichtung des Flughafens als Drehkreuz- Airport festlegt, ein Bekenntnis zum Transfer-Flughafen ablegt. Das war bisher nicht der Fall. Dass Flugzeuge mit Transfer-Passagieren, die schnell ihren Anschluss erreichen müssen, am Finger andocken können und Punkt-zu-Punkt-Passagiere mit Bussen transportiert werden.

Standard: Die Crews übersiedeln heuer in das AUA-Hauptgebäude, weil dort aufgrund des Mitarbeiterabbaus zweieinhalb Stockwerke frei wurden. Was passiert mit den bestehenden Flächen?

Malanik: Wir haben (leider) sehr lange Mietverträge mit dem Flughafen und suchen nun gemeinsam nach einer Verwertung. Diese sollte etwas zügiger vorankommen. Das Crew-Gebäude ist leer, das ehemalige Airest-Gebäude ist leer. Wenn der Flughafen bei den Mieten etwas nachlässt, würde Do & Co vielleicht auch vor Ort kochen und die Bord-Menüs nicht via Lkw billiger quer durch Wien führen.

Standard: Wie dringend ist der Bau der dritten Piste?

Malanik: Wir haben seit Jahren Vorleistungen für den Bau erbracht und für jeden Passagier einen Umwelt-Euro in einen Fonds einbezahlt. Mit dem Geld werden mittlerweile Ortsverschönerungen bezahlt oder neue Fenster eingebaut. Jetzt hätten wir aber gerne eine Gegenleistung, also die dritte Piste, aber die kommt nicht. Nach unseren Berechnungen nicht vor 2018 oder 2020. Bis dahin werden wir Transfer-Zeiten von bis zu drei Stunden haben.

Standard: Passagiere beklagen die langen Wartezeiten an den Gates.

Malanik: Zu Recht. Die Security-Checks direkt an den Gates sind ineffizient. Mit demselben Personal- und Sachaufwand könnte man bei einer zentralen Security-Stelle mehr Passagiere durchschleusen. Da müsste nur der Flughafen bereit sein, an dieser zentralen Stelle die Geschäfte schweren Herzens abzusiedeln.

Standard: Für die Schlangen bei den Check-in-Automaten oder bei der Gepäckaufgabe ist aber die AUA selbst verantwortlich.

Malanik: Immer weniger Kunden checken hier ein, die meisten via Computer oder Handy. Wünschenswert wäre, wenn wir am Flughafen ein System installieren könnten, bei dem die Koffer mit Chips versehen werden und mittels Radiofrequenz den Weg zum Flieger finden.

Standard: Sie haben ein Viertel der Mitarbeiter abgebaut. Kommen Sie mit den rund 6000 aus ?

Malanik: Wir sind am Flughafen - Check-in, Boarding, Ticketschalter, bei Transfer und Lost&Found - vielleicht etwas zu weit gegangen. Von den ursprünglich 600 Flughafen-Mitarbeitern haben wir in zwei Jahren auf 500 reduziert. Da stellen wir wieder ein. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.02.2011)

Peter Malanik (49), Jurist, ist seit 1985 bei der AUA, seit Jänner 2008 im Vorstand.

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    Peter Malanik rechnet mit dem Flughafen ab.

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