Inflation im Fokus, kein Zinssignal in Sicht

2. Februar 2011, 15:38
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Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank heute dürfte stark vom Thema Inflation geprägt sein

Frankfurt - Die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am heutigen Donnerstag dürfte stark vom Thema Inflation geprägt sein. Zwar erwarten sich Experten keine konkreten Signale auf eine baldige Leitzinserhöhung. Neue Aussagen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet dürften gleichwohl sehr genau auf entsprechende Hinweise geprüft werden. Der Franzose hatte die Märkte im Dezember mit Warnungen vor einem Inflationsschub - wenngleich nur in der kurzen Frist - überrascht. Der mittelfristige Inflationstrend ist laut Trichet immer noch moderat, er könnte aber nach oben tendieren.

Noch unwahrscheinlicher als ein konkretes Zinssignal ist freilich eine sofortige Zinsanhebung am Donnerstag. Bei der EZB ist es Tradition, Zinsschritte verbal mit deutlichem Vorlauf vorzubereiten. Allerdings wird der Zeitpunkt für eine erste Zinsanhebung nach der Krise an den Märkten mittlerweile deutlich früher als noch vor wenigen Wochen gesehen. Die Erwartungen seien vom vierten auf das dritte Quartal 2011 vorgezogen worden, schreibt die UniCredit in einer Studie. "Aktuell preisen die Märkte die Wahrscheinlichkeit für eine erste Zinserhöhung um 0,25 Punkte zur Jahresmitte mit 50 bis 60 Prozent ein."

Auslöser dieses Meinungsumschwungs sind jüngste Inflationszahlen aus dem Währungsraum. So liegt die jährliche Teuerungsrate derzeit mit 2,4 Prozent über dem mittelfristigen Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent. Wie viele Volkswirte geht die EZB aber nur von einem zwischenzeitlichen Preisschub aus. Trichet sprach zuletzt bildlich von einem "Inflations-Hügel". Sollten die Rohstoffpreise aber weiter steigen, dürften die Sorgenfalten im EZB-Rat wohl nicht gerade kleiner werden. Als "Schlüsselfaktor" für die Geldpolitik der EZB gelten jedoch vor allem "Zweitrundeneffekte" in Form höherer Lohnabschlüsse. Angesichts der angespannten Arbeitsmarktlage in vielen Euro-Ländern sind diese aber eher unwahrscheinlich.

Stabile Inflationserwartungen

Noch wichtiger als aktuelle Teuerungsraten sind in den Augen der EZB die Inflationserwartungen. Diese gelten immer noch als stabil. Dennoch verweist Commerzbank-Experte Michael Schubert auf zuletzt leicht gestiegene Inflationserwartungen. Das Niveau der erwarteten Teuerung gilt unterdessen nach wie vor als sehr gering. Damit dürfte der EZB-Rat am Donnerstag seine Einschätzung bestätigen, wonach das Zinsniveau weiter angemessen ist.

Viele Experten verweisen unterdessen auf das Spannungsfeld, in dem sich die EZB seit Monaten bewegt: die starken Wachstumsunterschiede im Währungsraum, auch eine Folge der Schuldenkrise. Gleichzeitig sind nach wie vor einige Banken in den Krisenländern weiterhin von der Finanzierung durch die EZB abhängig. Trichet verwies zuletzt aber darauf, dass die EZB deshalb nicht in einem Dilemma stecke. Geldpolitik und Sondermaßnahmen seien getrennt voneinander.

"Gemessen an der Konjunkturperformance der Kernländer im Euroraum hätte die EZB vermutlich schon 2010 das Leitzinsniveau mehrmals leicht angehoben", heißt es bei der UniCredit. Mit Rücksicht auf die hoch verschuldeten Peripheriestaaten habe die Notenbank jedoch abwarten müssen. "Die aktuelle Inflationsentwicklung macht diesen Spreizschritt immer komplexer und schwierig kommunizierbar." (APA)

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    EZB-Präsident Trichet: Was er sagt und was er nicht sagt in Sachen Inflationserwartungen und Preisstabilität

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