Jahrestag einer Tragödie

2. Februar 2011, 17:19
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Auch zehn Jahre nach seinem tödlichen Unfall erinnert noch vieles an den ehemaligen Skisprung-Cheftrainer Alois Lipburger

Wien - Das von Springer Martin Höllwarth gelenkte Auto kommt auf dem Heimweg von Willingen von der Fahrbahn ab, überschlägt sich und prallt gegen einen Baum. Neben Andi Widhölzl befindet sich auch der damalige Cheftrainer Alois Lipburger im Auto. Der 44-Jährige erliegt noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen. Der Abend des 4. Februar 2001 gilt als eine der größten Tragödien der österreichischen Sportgeschichte.

Am Freitag liegt das Unglück also bereits zehn Jahre zurück. Die Erinnerung an Lipburger wird jedoch immer bleiben. Sein damaliger Co-Trainer Alex Pointner ist heute Cheftrainer der ÖSV-Springer. Jener Mannschaft die mit Morgenstern, Schlierenzauer und Co. zu den erfolgreichsten der Geschichte gehört. Für Pointner war Lipburger jedoch viel mehr als sein Chef. Ihn verband, wie auch Toni Innauer, eine langjährige Freundschaft mit dem Verunglückten. "Er ist immer irgendwie da. Speziell natürlich in Willingen. Ich kann mich noch genau erinnern wie ich mich verabschiedet habe, als er mit dem Auto weggefahren ist. Es war jede Minute schön mit dem Liss. Das vergisst man nicht", erinnert sich Pointner. Nicht nur sportlich wurde Lipburger von seinen Kollegen geschätzt. Der sympathische Vorarlberger galt als Mensch mit großer Lebensfreude - einer mit dem man gerne seine Zeit verbringt.

Tourbus als Folge des Unglücks

Der ÖSV zog Konsequenzen aus dem Unfall. Dass ein Sportler selbst am Steuer eines Fahrzeugs sitzt, ist heute kein Thema mehr. Früher geschah dies oft noch am Abend nach den Bewerben. "Dieses jetten von einem Ort zum nächsten gleich nach dem Wettkampf war sicherlich ausschlaggebend dafür, dass man Gefahr läuft, gerade im Straßenverkehr", so Pointner. Mittlerweile sind die Springer schon die vierte Saison mit ihrem Luxus-Tourbus unterwegs. 

Doch nicht nur im ÖSV, auch in seiner Heimatgemeinde Andelsbuch ist Lipburger nach wie vor präsent. Man erinnert sich gerne an den 44-Jährigen zurück. Ein Zeichen dafür: Mitten im Zentrum der 2300-Einwohner-Gemeinde findet sich ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen - das nach Lipburger benannte Café "Liss". Betrieben vom Bruder des Verstorbenen.

Und auch in der Sportwelt der beschaulichen Gemeinde in der Wintersportregion Bregenzerwald haben Lipburger und sein Tod Spuren hinterlassen. An der Spielstätte des heimischen Fußballvereins FC Andelsbuch findet sich ein Gedenkstein zu seinen Ehren. Zudem wurde der "Alois Lipburger Unterstützungsfonds" zur Integration von jungen Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen. "Lipburger war und ist für alle Vereinsmitglieder und für viele Einheimische ein großes sportliches und menschliches Vorbild. Die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung in einen Verein sensibilisiert für das Thema. Gleichzeitig lernen die Burschen und Mädchen den ganz normalen Umgang mit Menschen mit Behinderung. Die Integration dieser Menschen war Lipburger ein persönliches Anliegen", so der Obmann des FC Andelsbuch Franz Michael Metzler.(derStandard.at/3. Februar 2011)

Alois Lipburger (1956-2001) war von 1975 bis 1981 aktives Mitglied des ÖSV-Skisprungteams und gewann in dieser Zeit neben zwei Weltcup-Bewerben auch die Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften 1978 in Lahti. Von 1999 bis zu seinem Tod war er Cheftrainer der österreichischen Skispringer.

 

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    Lipburger (rechts) mit seinem Vorgänger Mika Kojonkoski (links) und Alex Pointner

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