Neuer Partner für Mikrokredit-Programm

2. Februar 2011, 13:48
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Sozialministerium erweitert Mikrokredit-Pilotprojekt und holt die Erste-Bank als Partner ins Boot

Wien - Das Sozialministerium erweitert sein im Mai 2010 zunächst in Wien und der Steiermark gestartetes Mikrokredit-Pilotprojekt, mit dem Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Menschen bei der Gründung eigener Unternehmen unterstützt werden, auf Niederösterreich und das Burgenland. Als Partner hat Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) Erste-Group-Chef Andreas Treichl mit ins Boot geholt.

Weil die Fördermittel des Ministeriums begrenzt seien, bemühe man sich um Kooperationen, erklärte Hundstorfer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien. Es gebe auch schon "erfolgversprechende Gespräche" mit den Sparkassen. Dabei hielt sich der Andrang auf das zunächst mit 1,4 Mio. Euro dotierte Mikrokredit-Programm bisher in Grenzen. Es gab 145 Anträge, 40 Kredite mit einem Gesamtvolumen von rund 400.000 Euro wurden vergeben, 40 weitere sollen demnächst folgen. Inzwischen laufen bereits die ersten Zins- und Darlehensrückzahlungen. "Wir haben bisher keinen Bauchfleck hingelegt, also keine Totalausfälle", freut sich der Minister. "Dass da und dort nur die Zinsen zurückgezahlt werden, sei zugegeben, aber das ist minimalistischst."

Schritt für Schritt und "nach Maßgabe der verfügbaren Mittel" soll das Projekt auf ganz Österreich ausgeweitet werden. Die Erste Bank stellt nun weitere 2,5 Mio. Euro für Mikrokredite zur Verfügung. "Das klingt nicht sehr viel, aber alleine damit können wir schon mehrere Hundert Arbeitsplätze schaffen", sagte Treichl. Einzelpersonen können Darlehen bis zu 12.500 Euro bekommen, Personengesellschaften bis zu 25.000 Euro. Die Zinsen betragen fix 4 Prozent und es gebe weder Bearbeitungsgebühren noch Provisionen und auf ausdrücklichen Wunsch des Sozialministers auch keine Mahnspesen, sagte Treichl. "Unsere Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium ist derzeit viel besser als mit einigen anderen Ministerien."

Unterstützung mit Ausfallshaftungen

Unterstützt wird das Projekt mit Ausfallshaftungen auch von sechs österreichischen Stiftungen: Essl Foundation, Gerald Schweighofer Privatstiftung, Katharina Turnauer Privatstiftung, Rudolf Humer Privatstiftung, Unruhe Privatstiftung und Erste Stiftung. Die Wiener Städtische Versicherung übernimmt gratis die Kreditrestschuldversicherung.

Dass die Finanzierung solcher Unternehmensgründungen nachhaltig Arbeitsplätze schafft, zeigten die bisherigen Erfahrungen, verweist der Sozialminister auf das Unternehmensgründungsprogramm des AMS, das im Vorjahr 5.500 Menschen den Sprung aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit ermöglicht habe. Das seien rund 18 Prozent aller Gründungen in Österreich. Die Erfolgsrate dieser Unternehmen sei sehr hoch, nach fünf Jahren seien nur 6 Prozent dieser Menschen wieder arbeitslos. Eine Untersuchung des Instituts für Bildungsforschung und Wirtschaft habe zudem gezeigt, dass jede Gründung, die aus der Arbeitslosigkeit erfolge, nach fünf Jahren durchschnittlich 1,3 Vollarbeitsplätze geschaffen habe. "Das sind in fünf Jahren rund 7.000 Arbeitsplätze, was etwa der Größe eines Unternehmens wie Magna oder der Voest entspricht", sagte Hundstorfer. (APA)

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