Über den gegenwärtigen Zustand

2. Februar 2011, 13:14
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Der auf der Streif verunglückte Abfahrer Hans Grugger spricht langsam Wort für Wort. Für die behandelnden Ärzte ist noch nicht klar, ob das beim Sturz erlittene Schädel-Hirn-Trauma Folge­schäden hinterlässt.

Innsbruck - "Er weiß, wer er ist und welche Ski er fährt", erklärte der Direktor der Innsbrucker Neurochirurgie, Claudius Thomé, am Mittwoch in einer Pressekonferenz: "Er spricht in kurzen Sätzen, er spricht leise und langsam, aber das ist normal." Hans Grugger war nach seinem Trainingssturz am 20. Jänner auf der Kitzbüheler Streif nach einer Notoperation in in künstlichen Tiefschlaf versetzt worden. Nach mehrtägiger Aufwachphase ist der 29-jährige Grugger seit Montag wach.

"Ja. Nein. Hallo. Das sind die Worte, mit denen wir zu reden anfangen", sagte Neurochirurg Thomé. Gruggers Zustand verbessere sich Tag für Tag kontinuierlich. Und Thomé relativierte: Die Wahrscheinlichkeit an so einem Trauma zu versterben, liege zwischen 40 und 50 Prozent. "Hans Grugger ist Sportler, durchtrainiert mit einer sehr guten Kondition. Deshalb steckt er diese Verletzungen besser weg."

Grugger leidet an einem Schädel-Hirn-Trauma, einer subduralen Blutung. Der Schädelknochen wurde entfernt, um der Gehirnschwellung Platz zu geben. Daneben gibt es eine Reihe von Begleitverletzungen: Zwei Brüche der Halswirbelsäule, Lungenquetschungen, Rippenbrüche und "durch den peitschenartigen Aufprall auf die Piste ist die Halsschlagader eingerissen", sagte Thomé. Das seien schwere Verletzungen, die ausheilen.

Noch nicht klar ist, wie folgenschwer die Hirnverletzungen sind. Gruggers rechtes Bein zeige Lähmungserscheinungen, was auf eine Verletzung der linken Hirnhälfte zurückzuführen sei. "Es ist nicht zu erwarten, dass er morgen oder in drei Tagen so hier sitzt, wie wir."

Grugger brauche weiterhin Ruhe und werde abgeschirmt. Es könnten immer noch lebensbedrohliche Komplikationen auftreten. Wegen der Begleitverletzungen und der besseren Betreuung bleibe Grugger noch eine weitere Woche auf der Neuro-Intensiv-Station. Dann beginne mit der Rehabilitation eine neue Behandlungsphase. Wo diese stattfinden wird, ist derzeit noch nicht klar. Eines scheint für den Arzt ziemlich sicher: Zum Skirennsport werde Grugger wohl nicht zurückkehren, "freizeitmäßiges Skifahren" sei aber vorstellbar. Gruggers Freundin, Ingrid Rumpfhuber, selbst ehemalige ÖSV-Skiläuferin, wirkte gefasst. Von "überbordendem Optimismus" sei sie aber weit weg.

Sie sehe die Situation realistisch: "Ich schaue von Tag zu Tag. Gestern habe ich zu ihm gesagt: 'Schlaf gut', da meint er: 'Du auch.'" Größtenteils könne sie in dieser Situation "stark sein", sie habe aber sehr wohl auch ihre Tiefs. Und: "Als Skifahrer bist du dir des Risikos bewusst. Aber du musst es wegschieben. Wenn du daran denkst, solltest du gar nicht mehr Rennen fahren."

Kritik an Helmen

Auch über die Helme im Rennsport wurde bei der Pressekonferenz in der Universitätsklinik Innsbruck gesprochen. Skirennläufer seien nahezu schutzlos, wie die Motorradfahrer der neunziger Jahre, erklärte Thomé ohne Anspruch, ein Helmexperte zu sein: "Die Helme entsprechen nicht den heutigen Anforderungen. Sie halten nicht, wenn man mit 100 km/h irgendwo aufknallt."

Der Skiweltverband Fis und der Sportbekleidungshersteller Dainese arbeiten unterdessen laut eigenen Angaben an einem "intelligenten Airbag" für Skirennläufer. (Verena Langegger, DER STANDARD Printausgabe 03.02.2011)

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    Das Ärzteteam um Grugger: Alexandra Kofler, Claudius Thomé und Ilse Laimer (v.li)

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    Gruggers Lebensgefährtin Ingrid Rumpfhuber: "Ich schaffe es zu verkraften, dass es derzeit so ist, wie es ist."

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