World IPv6 Day: Adressumstellung drängt

2. Februar 2011, 09:45
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Testlauf für neue Internet-Adressen am 8. Juni

Dem Internet gehen die Adressen schneller als erwartet aus. Voraussichtlich spätestens im März wird die für die Vergabe von IP-Adressen zuständige IANA (Internet Assigned Numbers Authority) die letzten Blöcke der insgesamt knapp 4,3 Milliarden Adressen verteilt haben. Warnende Stimmen sprechen von der "IP-calypse." Doch keine Panik: "Die Endverbraucher in Österreich müssen sich keine Sorgen machen", beruhigt Netzexperte Ulrich Kiermayr vom Zentralen Informatikdiensts der Universität Wien (ZID). Die heimischen Internetanbieter seien noch gut eingedeckt mit Adressen.

Es wird eng

Die IP-Adresse ist vergleichbar mit einer Telefonnummer. So wie ein Telefonanschluss eindeutig über eine Telefonnummer angewählt werden kann, kann ein Webserver ein ans Internet angeschlossenes Gerät unter dessen eindeutiger IP-Adresse erreichen.

Derzeit wird zur Identifizierung der Geräte im Internet das sogenannte Internetprotokoll in der Version 4, kurz IPv4 verwendet, dessen Adressenraum aufgrund der steigenden Nachfrage demnächst aufgebraucht ist. Denn immer mehr Nutzer und Geräte drängen ins Internet - Computer, Smartphones, Spielkonsolen, Fernseher, Überwachungskameras, Produktionsmaschinen.

Protokoll-Nachfolger

Um diesen wachsenden Zustrom zu bewältigen, wurde bereits vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten der IP-Protokoll-Nachfolger iPv6 entwickelt. Mit diesem stehen theoretisch rund 340 Sextillionen IP-Adressen zur Verfügung, was für ein großes Weilchen reichen dürfte.

Doch nicht zuletzt weil die Umstellung auf die neue IPv6-Technik Geld kostet, wurde sie in den vergangenen Jahren von den Providern nicht sonderlich gepuscht. Ländern wie China und Indien brauchen einerseits jedoch dringend neue IP-Adressen, andererseits sind wir vom Internet der Dinge, in dem Gegenstände des Alltags miteinander vernetzt sind, nicht mehr weit entfernt.

"World IPv6 Day"

Von der Umstellung auf IPv6, die auf technischer Seite eine kleine Revolution ist, wird der Nutzer nicht allzu viel mitbekommen. Große Content-Anbieter wie Google, Yahoo und Facebook wollen aber nichts dem Zufall überlassen und starten daher am 8. Juni am "World IPv6 Day" einen globalen Testlauf. Da der globale Wechsel zum neuen System aber ohnehin nicht über Nacht kommt, werden IPv4 und IPv6 noch viele Jahre nebeneinander existieren. (kat, DER STANDARD/Printausgabe, 2.2.2011)

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  • IPv4-Adressen sind aus
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