Kündigung der Atrium-Treuhandverträge "nicht möglich"

2. Februar 2011, 12:31
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Atrium stößt Assets um 33 Millionen Euro in Türkei, Russland ab, Zukauf in Polen

Wien - Die Meinl Bank hält die Kündigung ihrer Treuhandverträge für Anleihen der an der Wiener Börse notierten Immo-Gesellschaft Atrium European Real Estate Ltd. für "nicht möglich". Die Bank sei "als Treuhänderin primär den Anleihegläubigern verpflichtet und diesen Verpflichtungen jederzeit vollständig und ordnungsgemäß nachgekommen", so Meinl Bank am Mittwoch in einer Aussendung. Am Vorabend hatte Atrium die Treuhandverträge für fünf Anleihen gekündigt.

Meinl Bank Vorstand Peter Weinzierl bezeichnete die Kündigung als "durchsichtiges Ablenkungsmanöver des Atrium Managements von 'CreditWatch Negative' Einstufung durch Standard & Poor's, die die Dramatik der Missstände bei Atrium verdeutlicht". Es gebe "erhebliche Unruhe bezüglich Corporate Governance und Umgang mit Investorengeld bei Atrium im Markt", behauptet Weinzierl in der Aussendung.

Atrium stößt Assets ab

Änderungen gibt es indes bei Atrium selbst. Das Unternehmen selbst stößt zwei Assets im Wert von 33,3 Mio. Euro in der Türkei bzw. in Russland ab und erwirbt ein Grundstück um 10,7 Mio. Euro (41,5 Mio. Zloty) in Polen, hieß es in einer Pflichtmittelung von heute, Mittwoch. Die beiden verkauften Projekte passten nicht zur aktuellen Entwicklungsstrategie, die Veräußerungen seien "für Atrium neutral", so CEO Rachel Lavine.

Die im Clinch mit der Meinl Bank liegende Jersey-Gesellschaft hat eine Vereinbarung zur Veräußerung ihrer hundertprozentigen Tochter unterzeichnet, die über ein Grundstück in der Stadt Samsun an der türkischen Schwarzmeerküste verfügt. Käufer ist der türkische Immobilienentwickler Renaissance Development, der Abschluss der 25-Mio.-Dollar-Transaktion wird für das zweite Halbjahr 2011 erwartet. Das Samsun-Projekt passe nicht länger in Atriums Entwicklungsstrategie für die Osttürkei, der vereinbarte Verkaufspreis (umgerechnet 18,3 Mio. Euro) entspreche "in etwa" Atriums Buchwert für das Asset.

Atrium war wegen des Projekts in Samsun in einen veritablen Rechtsstreit verwickelt. Ein türkischer Partner hatte 2009 sogar eine Betrugsklage gegen die MEL-Nachfolgegesellschaft eingebracht.

Wohnungsverkauf

Weiters hat Atrium den Verkauf von 422 Wohnungen (21.820 Quadratmeter) an die Stadtverwaltung von Ufa (Russland) für rund 15,0 Mio. Euro (606,5 Mio. Rubel) abgeschlossen. Der Bau der Wohnungen wurde 2009 als Teil des Vertrages mit der Stadtverwaltung von Ufa aus 2005 vollendet. Demnach sollte Atrium im Gegenzug für den Wohnungsbau einen Pachtvertrag für das Grundstück erhalten, um dort ein Shopping Center bauen zu können. Die 422 Wohnungen haben laut Atrium keine Erträge abgeworfen und gehörten nicht zum Kerngeschäft.

Das neue 22.500-Quadratmeter-Grundstück befindet sich direkt neben dem kürzlich erworbenen Shopping Center "Promenada" in Warschau. Atrium habe zugestimmt, die öffentliche Grundstückspacht für die Fläche von Pirelli Pekao Real Estate zu erwerben. Mit der Akquisition habe man die Möglichkeit, den Shopping-Standort mit neuen Bauten zu erweitern. Die Transaktion unterliegt jedoch einer Reihe von aufschiebenden Bedingungen, unter anderem dem im Dezember angekündigten Closing des "Promenada"-Zukaufs, das für das zweite Quartal 2011 erwartet wird. "Promenada" verfügt über eine vermietbare Bruttoverkaufsfläche von 53.840 Quadratmetern. (APA)

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