Unattraktive Partner verursachen Stress

2. Februar 2011, 10:09
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Farblich gemischte Gouldamadinen-Paare passen genetisch weniger gut zueinander, das hat Folgen für die Weibchen

London - Gouldamadinen (Erythrura gouldiae) gehören zu den Prachtfinken. Die farbenfrohen Vögel können rote, schwarze und selten auch gelbe Federn am Kopf tragen und leben - wie die meisten Vögel - in sozialer Monogamie, das heißt, sie ziehen ihren Nachwuchs gemeinsam auf, können aber dennoch mit anderen Vögeln Sexualkontakte haben. Die Entscheidung trifft dabei das Weibchen; es wählt am liebsten einen Partner, dessen Kopfgefieder die gleiche Farbe wie sein eigenes hat. Farblich gemischte Paare passen genetisch nicht gut zueinander; ihr Nachwuchs hat ein um 40 bis 80 Prozent erhöhtes Sterberisiko.

Bevor sie sich jedoch gar nicht fortpflanzen, entscheiden sich Weibchen auch für einen andersfarbigen und damit für sie unattraktiveren Partner. Diesem Fall geraten die Weibchen aber unter Stress. Der Gehalt des Stresshormons Corticosteron ist bei ihnen drei- bis viermal höher als bei Weibchen, die einen Wunschpartner ergattert haben, berichten australische Forscher in den Proceedings B der britischen Royal Society. Der Effekt sei schon wenige Stunden nach dem ersten Kontakt mit dem ungeliebten Männchen zu messen und halte mehrere Wochen lang an.

Paarungszwang mit Folgen

Dass die Wahl des unattraktiveren Männchens für die Weibchen eine folgenreiche Entscheidung ist, zeigten die Forscher um Simon Griffith von der Macquarie Universität in Sydney im Versuch: Zunächst setzten sie männliche und weibliche Vögel mit schwarzem und rotem Kopfgefieder in eine Voliere. In einem zweiten Experiment erzwangen sie die Paarung zweier Vögel, indem sie jeweils nur ein Männchen zu einem Weibchen setzten. Dabei stellten sie rein rotköpfige, rein schwarzköpfige und gemischtfarbige Paare zusammen.

Ergebnis: Paare mit gleichfarbigem Kopfgefieder legten rund einen Monat früher Eier als verschiedenfarbige Paare. Dieses Ergebnis war unabhängig davon, ob sich die Paare wie im ersten Experiment quasi freiwillig gebildet hatten oder ob sie wie im zweiten keine Auswahl hatten. Beim Stresshormon Corticosteron ergab sich ein ganz ähnliches Bild: Weibchen gemischtfarbiger Paare hatten deutlich höhere Werte des Hormons als Weibchen gleichfarbiger Paare.

Innerer Konflikt

Die Stressantwort spiegle den inneren Konflikt wider, dem die Weibchen ausgesetzt sind, schreiben die Forscher. Sie machen einerseits das Beste aus ihrer Situation, indem sie überhaupt Nachwuchs bekommen, sind aber andererseits anhaltend unzufrieden mit ihrem Partner. Möglicherweise biete der erhöhte Stresshormon-Gehalt auch einen Weg, diesem Konflikt zu entgehen. Er beeinflusse vielleicht das sexuelle Verhalten der Weibchen und veranlasse sie, sich mit anderen Männchen zu paaren. Zudem führe Stress oft zu einer geringeren Größe der Eier und des Geleges insgesamt. Damit müsse ein Weibchen nicht so viel Energie bei der Vermehrung mit einem unattraktiven Partner investieren. (red/APA)

  • Das  Gouldamadinen-Weibchen (unten) hat die Wahl. Am liebsten entscheidet es sich für ein Männchen mit dem selben Kopfgefieder.
    foto: sarah pryke

    Das  Gouldamadinen-Weibchen (unten) hat die Wahl. Am liebsten entscheidet es sich für ein Männchen mit dem selben Kopfgefieder.

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