Dokumentardrama zu Strauss und Zweig

1. Februar 2011, 17:39
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Ronald Harwoods Stück "Kollaboration" in den Kammerspielen Salzburg

Als der deutsche Komponist Richard Strauss und der jüdisch-österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in den 1930er-Jahren aufeinandertrafen, waren gerade die Nazis an der Macht - und Konflikte zwischen Kunst und Politik unausweichlich. Ronald Harwood, der für Polanskis "Der Pianist" den Drehbuch-Oscar bekam, nahm sich in seinem Stück "Kollaboration" dieses brisanten Themas an und entwickelte aus der Begegnung von Komponist Strauss und Librettist Zweig ein intensives Dokumentardrama. Der einzige gemeinsame Kreativerguss der beiden blieb die Oper "Die schweigsame Frau"; die Nazis verhinderten weiteres. Zweig flüchtete nach Brasilien, beging Selbstmord, Strauss starb 1949.

Regisseur Claus Tröger bleibt in der österreichischen Erstaufführung mit seinem Ensemble nah an der historischen Vorlage und macht aus dem Stück einen abwechslungsreichen Theaterabend mit intensiven Dialogen (simple Ausstattung mit Stühlen von Katja Schindowski). Die Rollen sind glänzend besetzt, ein hoch motiviertes Ensemble tobt sich hier einsatzfreudig aus. Axel Meinhardt als Strauss unterstreicht durch theatralische Gesten seine Leidenschaft für die Musik. Georg Clementi überzeugt in seiner Darstellung des großen, übersensiblen Dichters. Strauss-Ehefrau Pauline (hervorragend: Ulrike Walther) bringt durch ihre trockene Art Humor ins Spiel. Gekonnt auch der Auftritt Sebastian Fischers, der als für Kulturangelegenheiten zuständige Parteifunktionär Hans Hinkel langsam seine Contenance verliert. Lang anhaltender Applaus und Bravo-Rufe krönten die gelungene Darbietung. (wec/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 1. 2011)


>> Kammerspiele Salzburg, 0662/87 15 12-222. 9. 2.

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