Sound-Odyssee mit Echo

1. Februar 2011, 17:56
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Der US-amerikanische Souljazzmusiker James "Blood" Ulmer zieht mit seinem Powertrio Odyssey derzeit von Wien nach Dornbirn

Wien - Als James Blood Ulmer 1977 sein erstes Soloalbum Revealing veröffentlicht, hat er bereits eine lange Karriere als Begleitmusiker hinter sich. Der 1942 in South Carolina geborene Afroamerikaner begann als Kind in einem Gospelchor, Ende der 1950er wanderte er wie viele Südstaatenmusiker in die nördlicheren Industriestädte aus (zuerst nach Pittsburgh), wo er in den damals angesagten Souljazzkapellen sein tägliches Brot verdiente. Mit der avancierten Jazzszene kam der Gitarrist und Sänger ab 1971 in New York in Kontakt, dort "elektrisierte" Miles Davis gerade das Genre. Etwas später verwendete Freejazzsaxofonist Ornette Coleman ebenfalls elektrisch verstärkte Instrumente, Ulmer gehörte wie etwa Drummer Ronald Shannon Jackson zu seiner Prime Time Band. Mit Coleman entwickelte Ulmer auch das harmolodische Prinzip, sein Album Tales Of Captain Black (1978) erschien auf dem Label des Saxofonisten Artists House.

Brodelndes Gebräu

Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre mischten und befruchteten sich im New Yorker Künstler-Viertel SoHo ganz unterschiedliche Szenen, so beeinflussten Coleman, Jackson und Ulmer Postpunk und No Wave ganz entscheidend. Mit seinem Music Revelation Ensemble spielte Ulmer unter anderem 1980 das programmatische Album No Wave ein. 1983 gründete Ulmer dann sein nächstes Projekt: Beim Powertrio Odyssey bearbeiten bis heute Charles Burnham die Violine sowie Warren Benbow das Schlagzeug.

Seitdem wird die Combo in unregelmäßigen Abständen immer wieder belebt, ein brodelndes Gebräu aus Freejazz, Rock, abstraktem Freistil-Funk (und das ganz ohne Bassist!), Deltablues und orientalischen Klängen, das vor allem auf den ersten beiden Alben (Odyssey, 1983, Part Time, ebenfalls 1983 - auf dem englischen Punk-Label Rough Trade!) an ein Mahavishnu Orchestra mit "schwarzer Seele" erinnert. Nach der Reunion 1997 veröffentlichte Odyssey zuletzt 2005 Back In Time.

Wie auch mit diversen anderen Bands (etwa dem Black Rock Trio) hat Ulmer zuletzt eher nach seinen Blues-Wurzeln gegraben: Ein Missing Link zwischen John Lee Hooker, Jimi Hendrix und Sonny Sharrock, das in fortgeschrittenem Alter die Echos der Sklaven-Worksongs auf den Baumwollfeldern und seine afrikanische Herkunft zum Klingen bringt. Ab heute in der Live-Odyssey. (Gerhard Dorfi/DER STANDARD, Printausgabe, 2. 1. 2011)


>> 2. 2., Wien, Porgy & Bess, 20.30; 3. 2., Salzburg, Jazzit, 20.00; 8. 2. Wels, Soundtheatre, 20.00; 10. 2. Innsbruck, Treibhaus, 21.00; 11. 2. Dornbirn, Spielboden, 20.30

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    Hat jüngst verstärkt nach seinen Blues-Wurzeln gegraben: James "Blood" Ulmer auf Tournee durch Österreich.

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