Von Kairo zur Krise?

4. Februar 2011, 11:45
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Die Auswirkungen des Aufstands in Ägypten auf die Weltwirtschaft lassen sich nicht abschätzen

Bevor im November 1978 im Iran die Demonstrationen und Streiks  gegen den Schah ihren ersten Höhepunkt erreichten, waren die Aussichten für die Weltwirtschaft noch recht positiv. Nach der Machtergreifung von Ayatollah Khomeini aber explodierte der Ölpreis und trieb die Inflation in aller Welt, vor allem in den USA, in die Höhe.

 Im Oktober 1979 reagierte Paul Volcker, der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve, auf die galoppierende Geldentwertung mit einer dramatischen Anhebung der US-Zinsen. Das löste 1980 eine Rezession aus, die die ganze Welt erfasste.

Die hohen amerikanischen Zinsen verteuerten die Schuldenlast für die hochverschuldeten lateinamerikanischen Staaten, die schließlich ihre Schulden nicht mehr bezahlen konnten.  Die großen amerikanischen und europäischen Banken standen in diesem Augenblick am Rande des Bankrotts.  Ein ganzes Jahrzehnt litten Lateinamerika und andere Regionen an der Schuldenkrise.

Die Rezession der frühen achtziger Jahre hatte weitere unvorhersehbare Folgen. Angesichts der Eurosklerose genannten Wirtschaftskrise in Europa entschieden sich die Mitgliedsstaaten der EG zu einem mutigen Schritt und beschlossen die Gründung des Binnenmarktes.  

Das schwache Wirtschaftswachstum ließ den Ölpreis wieder fallen und verschärfte die Wirtschaftskrise in der Sowjetunion, wo der neue Generalsekretär Michail Gorbatschow keinen Ausweg mehr sah, als einen radikalen Reformkurs einzuschlagen. Am Ende standen der Kollaps des Kommunismus und der Siegeszug der Globalisierung.

Nichts von dem war während der Massendemonstrationen im Iran voraussehbar.

Kann auch die Revolution in Ägypten ähnliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft zeigen? Auf den ersten Blick erscheint das unwahrscheinlich. Denn Ägypten selbst ist kein bedeutender Ölproduzent, und auch die anderen Staaten mit Massenprotesten  - Tunesien, Jordanien, Jemen – sind es nicht.

Eine Schließung des Suezkanals - ein unwahrscheinliches Szenario - würde zwar die Transportwege nach Europa verlängern, aber die Ölversorgung nicht gefährden.

Aber die Nervosität der Märkte ist offensichtlich. Wer sagt, dass das Virus des Aufruhrs nicht auf Saudi-Arabien oder die Golfstaaten überspringt? Und wenn Ägypten als wichtiger Stabilitätsfaktor verloren geht, könnte dies  die gesamte Region weniger stabil machen.

Sollte die Revolution in Ägypten in eine echte Demokratie münden, in der auch die moderate Mittelschicht eine starke Stimme hat, dann könnte dies auch die wirtschaftlichen Chancen des bevölkerungsreichsten arabischen Landes verbessern. Und dies könnte der gesamten Region helfen, aus ihrer jahrzehntelangen ökonomischen Stagnation auszubrechen.

Genauso wenig, wie wir wissen, wie der Machtkampf auf den Straßen von Karo enden wird, genauso schlecht lassen sich die wirtschaftlichen Folgen abschätzen. Soll man nun Dollar kaufen (weil die traditionelle Fluchtwährung in solchen Krisen steigt) oder verkaufen (weil die USA an Einfluss verlieren)? Wird der Ölpreis steigen oder ist der jüngste Anstieg übertrieben?

Die vielen Unsicherheiten in der Weltwirtschaft werden derzeit von Stunde zu Stunde mehr.

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