Noch weniger Geld für außeruniversitäre Forschung

2. Februar 2011, 11:50
116 Postings

Geldsorgen, Eingliederungen und Think Tanks - Die Kürzung der Mittel für außeruniversitäre Forschungsinstitute zeigt erste Konsequenzen

Im November hat Wissenschaftsministerin Beatrix Karl angekündigt, dass im Rahmen des neuen Budgets die Basissubvention für außeruniversitäre Einrichtungen ab 2011 halbiert wird und ab 2012 gänzlich wegfällt. Auch die Anbahnungsfinanzierung ist seit dem 1.1.2011 Geschichte.

Der heimischen Forschungslandschaft entgehen somit jährlich 1,5 Millionen Euro, die sie alleine zur Erstellung von Projektanträgen nutzen konnte. Die Streichung der Anbahnungsfinanzierung trifft vor allem außeruniversitäre Forschungseinrichtungen hart.

Karl begründete die Kürzung der Subventionen unter anderem damit, eine "Strukturbereinigung" in der außeruniversitären Forschungslandschaft bewirken zu wollen. So sollen nach der Vorstellung der Ministerin Institute in bestehende Strukturen, etwa Universitäten, eingegliedert werden.

Dass seine Einrichtung nicht nur die Basisfinanzierung von 55.000 Euro verloren hat, sondern auch keine Anbahungsfinanzierung mehr erhält, hat Robert Trappl, Leiter des Österreichischen Instituts für Artifical Intelligence (ÖFAI), erst im Dezember per Brief aus dem Wissenschaftsministerium erfahren. Insgesamt entgehen dem ÖFAI im Jahr 2011 etwa 90.000 Euro an staatlichen Förderungen.

Kostspielige Projektanbahnung

90.000 Euro entsprechen sieben Prozent jener Mittel, die dem ÖFAI im Jahr 2010 insgesamt zur Verfügung standen. "1,4 Millionen Euro haben wir kompetitiv geworben". Gerade die Anbahnungsfinanzierug sei wichtig, um die aufwendige Arbeit der EU-Projekteinreichung zumindest teilweise zu finanzieren. "Ich weiß nicht, wie wir das zahlen sollen. Es läuft darauf hinaus, dass sich die Leute selbst ausbeuten und einfach weniger Projekte eingereicht werden können". Zusätzlich entstünden Finanzierungsengpässe, wenn Projekte nicht nahtlos ineinander greifen. "Sollen wir unseren Mitarbeitern sagen, es tut uns leid, nehmt euch die Arbeitslose bis das nächste Projekt anläuft?"

Durchblick fehlt

Auch Jörg Flecker, Wissenschaftlicher Leiter der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA), sieht im Auslaufen der Anbahnungsfinanzierung ein großes Problem. "Sie ist ziemlich entscheidend, ob man sich für ein EU-Projekt bewerben kann". Derzeit blicke er noch nicht ganz durch, wie es mit den Eigenmitteln von FORBA aussieht, da er noch eine Entscheidung aus dem Ministerium abwartet. "Ich gehe davon aus, dass wir es uns in Zukunft nicht mehr leisten können, EU-Projekte zu koordinieren", sagt er zu derStandard.at.

Kofinanzierung - nicht für alle

Im November, als die Wissenschaftsministerin die Kürzung der Basissubvention ankündigte, sprach sie davon, Rückflüsse aus EU-Forschungsprogrammen sichern zu wollen. Erfolgreich eingeworbene EU-Projekte sollten vom Ministerium mit zehn bis 25 Prozent kofinanziert werden, wenn diese dem Bereich Geistes-, Sozial-, und Kulturwissenschaften (GSK) zuzurechnen sind. Dieses Förderprogramm soll unter dem Namen TOP EU Mitte des Jahres anlaufen und wird derzeit ausgearbeitet.

"Projekte müssen abgelehnt werden"

"EU-Projekte aus dem vom Ministerium so gern beworbenen MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), werden aber nicht mehr kofinanziert", kritisiert Trappl. Projekte, die von der EU nicht zu 100 Prozent finanziert werden, müsse sein Institut daher in Zukunft ablehnen. Für ihn ist unverständlich, warum das Ministerium einerseits die MINT-Kampagne lanciert um mehr Studenten dafür zu gewinnen, deren Absolventen dann aber nicht mehr fördert. Vom Auslaufen der Anbahnungsfinanzierung sind allerdings alle Disziplinen gleichermaßen betroffen.

Unsicherheit am IFK

Nicht alle außeruniversitären Insitute müssen sich aber mit einer totalen Streichung ihrer Basisförderung abfinden. So wurde dem Internationalen Forschungszentrum für Kulturwissenschaften (IFK) etwa nahe gelegt, seinen Grazer Standort an der Uni Graz einzugliedern. "Das IFK hat der Uni Graz einen Entwurf zur Organisationsentwicklung übermittelt. Wir warten auf eine Stellungnahme", sagt Lutz Musner, stellvertretender Direktor des IFK. Die bisher als Basissubvention gewährten Mittel würden dann zweckgewidmet an die jeweilige Universität fließen. Das IFK könnte folglich die 950.000 Euro Basissubvention pro Jahr über die Uni Graz beziehen. Musner sagt im Gespräch mit derStandard.at, dass der Betrieb am IFK aufrecht ist, "mit der Unsicherheit, ob es die Uni-Lösung wirklich geben wird". Dass der IFK-Standort in Wien autonom bleibt, sei jedoch von größter Bedeutung: "Das IFK ist eine eingeführte Marke und diese sichert unsere internationale Reputation", so Musner.

Zusammenschlüsse

Spannend sind auch die Pläne, mit denen sich derzeit etwa das Austria Institut für Europa und Sicherheitspolitik (AIES) auseinandersetzt. Zusammen mit dem Österreichischen Institut für Internationale Politik, dem Lateinamerika Institut, dem Institut für den Donauraum und Mitteleuropa soll es sich zu einem "Think Tank" für das Parlament zusammenschließen. Bereits im ersten Halbjahr 2011 sollen konkrete Pläne dazu beschlussfähig sein, erklärt AIES-Präsident Werner Fasslabend im Gespräch mit derStandard.at. (Katrin Burgstaller, derStandard.at, 1. Februar 2011)

Jahrestagung der Wissenschaftskonferenz

Die "Wissenschaftskonferenz Österreich - Verein der unabhängigen wissenschaftlichen Einrichtungen und Forschungsorganisationen Österreichs", wird ihre erste Jahrestagung von 10. bis zum 12. März in Wien abhalten. Dabei soll diskutiert werden, wie die Sichtbarkeit der außeruniversitären Forschungseinrichtungen verbessert werden kann. Laut Peter Bruck, Gesamtleiter der Wissenschaftskonferenz und Geschäftsführer, der Research Studios Austria Forschungsgesellschaft soll Wiens Bürgermeister Michael Häupl an der Tagung teilnehmen. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl ist angefragt. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt Bruck, die außerunivesitären Forschungseinrichtungen müssten sich darüber einig werden, welche Rolle sie innerhalb des Wissenschaftssystems und der Gesellschaft einnehmen sollen. Die Wissenschaftskonferenz wurde im vergangenen Jahr gegründet, als Karl die Streichung der Basisfinanzierung für die Außeruniversitären Forschungseinrichtungen ankündigte. (burg)

Share if you care.