Bessere Therapie­möglichkeit bei Hepatitis C

2. Februar 2011, 11:57
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Auch bei Patienten wirksam, bei der bisher vorhandene Therapie versagte

Wien - Rund 170 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Hepatitis C-Virus infiziert. Bei etwa 30 Prozent ergibt sich aus der Ansteckung eine chronische und fortschreitende Lebererkrankung, die im Versagen des Organs (Lebertransplantation, so möglich) bzw. mit einem Karzinom enden kann. Ein spezifisch wirksamer Virus-Enzym-Blocker - ein Hepatitis C-Virus-Protease-Hemmer (Telaprevir) - sollte in Zukunft die Behandlungsmöglichkeiten deutlich verbessern.

"Das Arzneimittel soll zusätzlich zu der bisher etablierten Standardtherapie, die aus peglyliertem Interferon alpha und der Substanz Ribavirin verwendet werden. Es wirkt offenbar auch noch bei einem erheblichen Teil der Patienten, bei denen die bisher verwendeten Medikamente versagt haben", sagte Erich Eibensteiner, Österreich-Chef des Pharmaunternehmens Janssen (Johnson&Johnson). In Europa ist er am 17. Dezember bei der Arzneimittelagentur EMA (London) zur Zulassung eingereicht worden.

Standardtherapie

Seit Jahren gibt es gegen die Hepatitis C die Standardtherapie mit lang wirksamem Interferon alpha ("pegyliert", das heißt durch eine besondere Modifikation länger vor dem Abbau im Körper geschützt) in Kombination mit der täglichen Einnahme von Ribavirin. Diese Behandlung dauert im Normalfall 48 Wochen. Das Virus soll damit im Blut wieder völlig zum Verschwinden gebracht werden.

Doch das gelingt bei weitem nicht in allen Fällen. Eibensteiner: "Die Wirkung ist abhängig von der jeweiligen Virus-Variante. In Europa (auch in Österreich, Anm.) ist das am häufigsten das Hepatitis C-Virus vom Genotyp 1. Und gerade hier spricht die herkömmliche Therapie relativ gering an."

Bei einer HCV-Infektion mit dem Genotyp 1, und das sind 60 Prozent der österreichischen Patienten, liegt die Heilungsrate bei 40 bis 50 Prozent. Patienten mit dem Genotyp 2 oder 3 hingegen können zu 80 bis 90 Prozent geheilt werden.

Blockierte Virusvermehrung

Kein Wunder also, dass man in der Pharma-Industrie nach neuen Möglichkeiten der Therapie forschte. Interessanterweise gelang es hier, Hemmstoffe für Hepatitis C-Virus-Enzyme zu finden, die im Wirkungsmechanismus analog zu den Substanzen sind, welche vor 15 Jahren die Aids-Therapie revolutioniert haben: Protease-Inhibitoren. Mit solchen Enzymen "schneidern" HIV oder HCV in infizierten Zellen aus den dort entstandenen Aminosäure-Ketten die passgenauen Bausteine für neue Erreger zusammen. Blockiert man diese Enzyme, verhindert man auch die Virusvermehrung.

Das Janssen-Tochterunternehmen Tibotec hat hier mit dem US-Unternehmen Vertex den Protease-Hemmer Telaprevir entwickelt. Sie wurde zur Zulassung bei der EMA nach entsprechenden klinischen Studien der Phase-III (Wirksamkeit) eingereicht.

Die Daten scheinen klar für eine Dreier-Kombinations-Therapie mit dem Interferon, Ribavirin und dem Protease-Hemmer zu sprechen: ~

- Bei Patienten, welche zuvor noch nicht gegen HCV behandelt wurden, erhöhte sich die Ausheilungsrate - die langfristige Unterdrückung des Virus - von 44 auf 75 Prozent, wenn die Betroffenen mit einer HCV-Infektion vom Genotyp 1 auch noch Telaprevir erhielten. Hier könnte sich sogar die Möglichkeit einer Verkürzung der Therapiedauer von 48 Monaten auf die Hälfte ergeben.

- Bei bereits mit Ribavirin und Interferon vorbehandelten Patienten, welche nur teilweise oder gar nicht ansprachen bzw. einen Rückfall erlitten, erhöhte sich die Heilungsrate von 17 auf 65 Prozent.

- Selbst bei völligen Therapieversagern kam es noch bei 31 Prozent zu einem Behandlungserfolg. Somit könnten die Möglichkeiten der Behandlung der Hepatitis C in Zukunft deutlich breiter werden. Das gilt speziell für bisher nicht wirklich optimal behandelbare Patienten. (APA)

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