Schwierige Versachlichung

31. Jänner 2011, 18:04
42 Postings

Der Generalstab hat ein Quasimonopol auf militärische Expertise

Konzeptlos ist die SPÖ in die Wehrpflicht-Debatte hineingetaumelt - und seit das offensichtlich geworden ist, ruft sie zur "Versachlichung". Aber die ist nicht so leicht zu haben. Wer könnte denn überhaupt sachlich argumentieren? Natürlich der Generalstab. Dort sitzt das geballte militärische Fachwissen.

Wer sollte besser wissen, was das Land für seine Sicherheit braucht, als die Generalstäbler? Wer wäre besser geeignet, die nötigen Organisationsstrukturen zu schaffen, als die Generalstäbler? Eben. Der Generalstab hat ein Quasimonopol auf militärische Expertise. Daneben gibt es die Landesverteidigungsakademie, aber deren Hauptaufgabe besteht wiederum darin, weitere Generalstäbler auszubilden. Alle anderen mit Militärfragen befassten Institutionen von der rührigen Friedensburg in Schlaining bis zur kämpferischen Offiziersgesellschaft in Salzburg sind zwar durchaus engagiert. Aber auch Darabos hat seine Modellrechnungen bei keinen anderen Experten bestellen können als bei den Generalstäblern.

Das Fehlen eines Widerparts macht eine niveauvolle Debatte ziemlich schwierig: Österreich hat versäumt, militärisch-wissenschaftliche Expertise im zivilen Bereich aufzubauen, die einzige Professur in diesem Bereich wurde mangels Erfolg still gestrichen. Umso wichtiger wäre es, dass die Generalstäbler nicht vom Minister auf dessen Linie verpflichtet werden. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2011)

Share if you care.