Alles hört auf ein Kommando!

31. Jänner 2011, 17:51
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Während das Oberkommando unserer Wehrmacht in der "Krone"-Redaktion entschlossen ist, bis zum letzten Atemzug für ein Berufsheer auf den Barrikaden ...

Während das Oberkommando unserer Wehrmacht in der "Krone"-Redaktion entschlossen ist, bis zum letzten Atemzug für ein Berufsheer auf den Barrikaden des Boulevards auszuharren, darf auch die Reanimation des dahingeschiedenen Feldzeugmeisters nicht zu kurz kommen. Oft sind wir auf Hans Dichands Spuren durch Paris gewandelt, aber nicht oft genug! Dieses Wochenende wandelte Marga Swoboda auf den Spuren von Hans Dichand in Paris, und außer, dass er umständehalber nur noch in der dritten Person mitwandelte, hat sich an der innigen Dreifaltigkeit von Stadt, Zeitung und Herausgeber nichts geändert. Ein Leben für die Zeitung. Und eine Liebe fürs Leben: Paris. Die Stadt, die Hans Dichand so vertraut war, wie das Meer dem Matrosen. Und Matrose war er ja auch einmal, so sein Seemannsgarn.

Daher klar: Paris hat Tage, an denen es nach dem Tang von der See riecht. Und der Blick über die Dächerlandschaft ist wie das Meer, aus dem Schlote dampfen wie Schiffe. Dichands Paris-Buch, das der Ministrantin als Reiseführer diente, ist aber nicht etwa wie ein Seesack, nein, es ist ein Buch wie eine Schatztruhe, das geheime Schatullen öffnet, die Geschichten darin sind dann aber wieder frisch wie ein gültiges Logbuch für Paris. Hans Dichands Buch AUCH DAS IST PARIS werde ich nicht so schnell zurückgeben, schwört Marga Swoboda. Sie ahnt schon, dass sie in der "Krone bunt" nicht zum letzten Mal auf den Spuren von Hans Dichand in Paris wandeln musste.

Derweil wandelt Claus Pándi auf den Spuren großer Strategen. Im Kampf um eine Heeresreform, deren Kern darin besteht, dass sie von der "Krone" kampagnisiert wird, kennt er weder Pardon noch Schonung der Tränendrüse. Freitag war Feindaufklärung, und er agnoszierte scharf: Als Trommelpony galoppiert dabei ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf voran. Samstag stieß er kühn auf die Leserbriefseite der "Presse" vor, um die Sorgen einer Mutter aus der schönen Tiroler Gemeinde Thaur zu den seinen zu machen. "Wenn ich neben unserem Haus junge Männer vorbeilaufen sehe, mit rußgeschwärzten Gesichtern und Tannenzweigen auf den Helmen, weiß ich nie, soll ich jetzt lachen oder weinen?

Den Rekruten geht es vermutlich ebenso. Aber dass Berufssoldaten auch Mütter haben, darf hier keine Rolle spielen. Denn Frau Bachler schreibt das nicht aus jener pubertär-philosophischen Entrüstung, wie das im einstigen Bürgerblatt heutzutage Usus geworden ist, sondern aus der Perspektive einer besorgten Mutter. Die Redaktion des einstigen Bürgerblattes kann von Glück reden, dass Pándi sie nicht zu einem Dreißig-Kilometer-Nachtmarsch abkommandiert, damit sie sich ihre pubertär-philosophischen Flausen aus den Köpfen schlägt.

Am Sonntag setzte er dann Norbert Darabos ein Kriegerdenkmal, indem er ihn auf das Pferd Erzherzog Karls hob. Norbert Darabos kämpft den politischen Kampf seines Lebens, nämlich den der "Krone". Dass ein solcher Wandel nicht frei von Widerständen über die Bühne gehen kann, war erwartbar. Weniger erwartbar das antimonarchistische Feuer der "Krone". Norbert Darabos kämpft nicht nur für eine Bundesheer-Reform, sondern er ist gegen ein ganzes System kakanischer Rückwärtsgewandtheit angetreten. Wer jemals am Nationalfeiertag die Vertreter vergangener Zeiten in Monarchieuniformen über den Heldenplatz marschieren gesehen hat, weiß, welcher Geist hier weht. Ein militärischer Augiasstall, den Pándi auszumisten gedenkt, denn das mahnende Gesäusel aus josefinischen Prunksalons hat dieses Land nie weiter, sondern nur in Erstarrung geführt.

Er würde dem Verteidigungsminister ja sofort den Kronen-Orden für seinen Kampf gegen kakanische Rückwärtsgewandtheit verleihen, indes: Norbert Darabos eignet sich dennoch nicht zum Helden. Heinz Fischer hat Darabos, damals dessen Wahlkampfmanager, die Tore in die Hofburg geöffnet. Der einzige wirklich fatale Fehler in der Vita des liebenswürdigen Burgenländers. Wer einmal einen Befehl der "Krone" verweigert, bekommt diesen Fleck auf seinem Heldenwams nie mehr ganz weg, da hilft alle burgenländische Liebenswürdigkeit nichts.

Als Pfeifendeckel von Generalissimus Pándi durfte dann noch der laut "Extradienst" beste Chefredakteur einer Tageszeitung - der von "Heute" - Josef Pröll, Karlheinz Kopf, HC Strache und "Kurier"-Chef Helmut Brandstätter als Grufti-Fraktion entlarven. Kann's so schwer sein, die Zeichen der Gegenwart zu erkennen? (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 1.2.2011)

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