Israel setzt sich im Westen für Mubarak ein

31. Jänner 2011, 17:59
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"Wir haben großen Respekt vor Präsident Mubarak"

Die israelische Regierung schweigt zwar nach außen weiterhin zu den Ereignissen in Ägypten. Auf diplomatischen Kanälen werden aber die USA und andere Schlüsselstaaten vor den Folgen eines Sturzes von Präsident Hosni Mubarak gewarnt.

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Das offizielle Israel hält sich mit Kommentaren zu den Vorgängen in Ägypten zurück, aber die Meldung der Zeitung Haaretz, wonach die israelische Regierung sich auf diplomatischen Kanälen für den bedrängten Präsidenten Hosni Mubarak einsetzt, hat niemanden überrascht. Israels Führung ist besorgt, weil der Eindruck entstanden ist, die USA und Europa hätten Mubarak bereits fallengelassen.

In der Öffentlichkeit wagte sich am Montag Shimon Peres am weitesten vor. "Wir hatten stets und haben immer noch großen Respekt vor Präsident Mubarak", sagte Israels greises Staatsoberhaupt. "Nicht alles, was er getan hat, war richtig, aber er hat eines getan, wofür wir ihm dankbar sind: Er hat den Frieden im Nahen Osten bewahrt."

Laut Haaretz versucht Israel, westliche Verbündete und andere Staaten davon zu überzeugen, dass es in ihrem Interesse liege, sich für Ägyptens Stabilität einzusetzen. Das Außenministerium in Jerusalem habe entsprechende Anweisungen an die Botschaften in den USA, in Kanada, China, Russland sowie in einigen europäischen Ländern gekabelt.

In Amerika und Europa werde man "von der öffentlichen Meinung getrieben" und vergesse, die eigenen Interessen wahrzunehmen, hieß es. Wenn man von einem langjährigen verlässlichen Verbündeten wie Mubarak so schnell abrücke, dann könnte das "ernste Folgen" für andere Partnerstaaten wie Jordanien und Saudi-Arabien haben.

Als etwa der dem Westen feindlich gesinnte Iran im vorigen Jahr einen Volksaufstand unterdrückt habe, vermerkte ein israelischer Kommentator, sei weniger Druck ausgeübt worden als jetzt auf den prowestlichen und weniger extremen Mubarak. Im Westen müsse man bedenken, dass die Alternative zu Mubarak nur eine "Islamisierung" sein könne, meinte Aharon Seevi-Farkasch, früherer Chef des militärischen Nachrichtendienstes: "Zweifellos muss sich Ägypten neu organisieren, aber es wäre lächerlich, dort ein demokratisches Regime zu erwarten." Er verwies auf die Wahlen von 2005, bei denen die Muslimbrüder ihre Mandatszahl verfünffacht hätten.

Zugleich koordinieren Israel und Ägypten Maßnahmen an der gemeinsamen Grenze, wobei es direkte Kontakte zu dem in Jerusalem gut bekannten und sehr angesehenen neuen Vizepräsidenten Omar Suleiman geben soll. Laut israelischen Medien hat Ägypten im Grenzbereich seine Truppen verstärkt.

Dazu war das Einverständnis der israelischen Regierung nötig, weil die Aufstellung von Soldaten und Waffen im Sinai durch den Friedensvertrag von 1979 genau geregelt ist. Ägypten soll zudem von der palästinensischen Hamas verlangt haben, den Schmuggel durch unterirdische Tunnels in den Gazastreifen einzustellen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2011)

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    Schmuggel aus Ägypten erschwert: Benzinkauf in Gaza.

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