Pisa-Studie regional noch trister als Pisa national

31. Jänner 2011, 17:09

Keine heile Bildungswelt im Westen - Vorarlberg legt als erstes Bundesland einen regionalen Pisa-Test vor - Das Ergebnis ist trist - 29 Prozent der getesteten Jugendlichen können nicht richtig lesen, mehr als die Hälfte will nicht lesen

Bregenz - Als man 2004 die schlechten österreichischen Pisa-Ergebnisse diskutierte, forderte der Vorarlberger Schullandesrat Siegi Stemer (VP) regionale Tests. Man möge doch die Kirche im Dorf lassen, umschrieb der frühere Turn- und Geografielehrer seine Zweifel an der Übertragbarkeit der Österreich-Ergebnisse auf Vorarlberg. Nun hat er seine regionalen Testergebnisse und ist "enttäuscht" und "ernüchtert". Die Schülerinnen und Schüler im äußersten Westen sind nicht - wie insgeheim erwartet -, besser, sondern noch schlechter als der österreichische Durchschnitt.

Die am Montag vom Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) präsentierte Studie kommt zum Ergebnis, dass es 29 Prozent der Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 1993 an Lesekompetenz mangelt. Für den ersten Regionaltest in Österreich wurden 1450 Schülerinnen und Schüler aus 61 Schulen geprüft.

29 Prozent (Österreich: 28 Prozent), rund 1500 des Schülerjahrgangs, können nur unzureichend sinnerfassend lesen. 35 Prozent der Burschen und 21 Prozent der Mädchen gehören zur Lese-Risikogruppe und laufen, so die Studienverfasser, "Gefahr, nicht vollständig am beruflichen und sozialen Leben teilnehmen zu können". Lesen als Hobby ist bei über der Hälfte der Jugendlichen verpönt. 56 Prozent geben an, nicht zum Vergnügen zu lesen. "Schuld" am schlechten Ergebnis sei aber, so Haider, nicht der hohe Anteil von Migrantenkindern (17 Prozent, Österreich: 15 Prozent), denn: "Zwei Drittel der Risikogruppe sind einheimisch."

Die Risikogruppen in Mathematik (23 Prozent) liegen um Österreich- und OECD-Schnitt, in Naturwissenschaften ist in Vorarlberg wie in Österreich jeder fünfte Jugendliche gefährdet, den Anschluss zu verpassen.

Das Angebot regionaler Tests ging, so Bifie-Direktor Günter Haider, an alle Bundesländer, aber nur Vorarlberg und Tirol hätten Interesse gezeigt. Die Tiroler Ergebnisse, dem Vernehmen nach gleich trist, werden am Donnerstag präsentiert. Auf die Idee der regionalen Studien kam man, weil in Deutschland starke Unterschiede zugunsten von Bayern und Baden Württemberg festgestellt wurden.

"Wir sind halt nicht die Bayern Österreichs", ätzt der Obmann der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft, Gerhard Rüdisser. Seine Hauptforderungen: die gemeinsame Schule für Sechs- bis 15-Jährige, zusätzliche Mittel von Bund und Land für eine gezielte Sprachoffensive in Kindergärten und Volksschulen und die universitäre Ausbildung für Kindergarten- und Grundschulpädagoginnen. "Denn", so Rüdisser, "die besten Lehrkräfte brauchen wir für die jüngsten Kinder."

Stemer will keine Strukturdiskussion: "Wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren, das Lesen, Schreiben, Erzählen." Kein Kind sollte die Volksschule verlassen, ohne die Kulturtechniken "einigermaßen zu beherrschen". Man werde das Schul- und Kindergartenkonzept hinterfragen und "bedarfsorientiert" weitere Ganztagsschulen einrichten, verspricht der Landesrat. Kommenden Mittwoch wird der Landtag die Studie diskutieren. Thema der aktuellen Stunde auf Wunsch der VP: "Die richtige Interpretation der Pisa-Studie". (Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 61
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marie berg
21
soviel

zum thema "qualitativ hochwertige landhauptschulen".

cash cow1
13
wahnsinn

in tirol dasselbe. dabei könnte man meinen die westler könnten noch nichtmal sinnbildend sprechen, und jene die es doch schaffen machen dann in wien karriere.
aber für die deutschen touris reicht es eh, die freuen sich wenns putzig klingt.

Herr Waldwichtel
00
28.6.2011, 14:10

u made my day!

Mathias
 
03
Keine heile Bildungswelt im Westen - Vorarlberg legt als erstes Bundesland einen regionalen Pisa-Test vor - Das Ergebnis ist trist - 29 Prozent der getesteten Jugendlichen können nicht richtig lesen, mehr als die Hälfte will nicht lesen

Ob das ganze das Produkt von Lisl Gehrers Bildungsoffensive der letzten Jahre ist?

flatus incarceratus
12
verwundert alles doch nicht,

bei der gegebenen disziplinlosigkeit an österreichs schulen!

marie berg
21
meinen sie mit

disziplinlos die kinder oder die lehrer?

sam duke
15
die disziplinlosigkeit

ist das grundübel. spricht man dieses problem an, ist man ein nazi. dabei wäre mit einfachsten maßnahmen viel zu erreichen, auch könnte viel geld eingespart werden.
ohne disziplin gibt es keine zukunft.

Sarah L.
 
02
"... forderte der Vorarlberger ... Siegi Stemer (VP) regionale Tests"

nur ein fall der typischen selbstüberschätzung der schwarzen im westen. aber für vbg besteht ja noch hoffnung: am donnerstag kommen die tiroler ergebnisse.

immofuchs
00
bitte um Denkhilfe

wenn 56 % nicht lesen wollen, davon 2/3 Einheimische sind, bedeutet vom Ausländeranteil (rd.17%) wollen 100% nicht lesen?

Koinoentität
00
Die 56% Lustlosen sind nur in den Absatz eingeschoben

Zur Risikogruppe gehören 29%. Ein Drittel davon sind knapp 10% aller Schüler. Daher gehören 10 von 17 Migrantenkindern zur Risikogruppe.

0900
01

Die Frage war ja, wieviele Migrantenkinder nicht gerne lesen. Darüber lässt sich anhand der Studie keine Aussage treffen.

0900
11

* 56% aller getesteten Schülerinnen und Schüler lesen nicht gern

* 17% aller getesteten Schülerinnen und Schüler haben Migrationshintergrund

* 29% aller getesteten Schülerinnen und Schüler gehören zur Lese-Risikogruppe, 2/3 dieser Risikogruppe sind einheimische Kinder.

Wieviele Kinder mit Migrationshintergrund nicht gern lesen, lässt sich daraus überhaupt nicht schließen.

0900
01

An den/die Rotstrichler: Sie scheinen nicht in der Lage zu sein, sinnerfassend zu lesen. Traurig für Sie!

her mit den Strichen!
17
Vorarlberg is too small to do good Pisa.

mens sana in corpore sano
11
eine universitäre ausbildung der lehrerInnen bringt genau nix.

einE gute lehrerIn ist man, die wird man nicht.

ich kenne eine frau, die gerade die VS-lehrerinnen ausbildung macht und ich frage mich, wozu die mathematik können muss, die sie in der vs nie brauchen wird?

man sollte nicht akademischer sondern besser ausbilden. gerade die vs ist die wichtigste schule, weil man dort lernen und "schule" lernt.

aleph null
01
Es kommt eben drauf an,

was die Volksschullehrerinnen an den Universitäten gelehrt bekommen.

Wenn man dort Fähigkeiten erwirbt, wie beispielsweise mit Lernschwachen umgegangen werden soll, welche Entwicklungsstörungen zu Lernhindernissen führen können etc, dann würde sich eine solche Ausbildung jedenfalls lohnen.

mens sana in corpore sano
11
dafür gäbe es ja schon ausgebildete menschen,

allerdings nicht genug: schulpsychologInnen.

es ist einfach, nach dem prinzip "schuster bleib bei deinem leisten" zu bleiben: lehrerInnen müssen keine psychologInnen, psychotherapeutInnen und sozialarbeiterInnen, hauptbezugspersonen und nach-erzieherInnen sein. die eierlegende wollmilchsau gibt's nicht. auch nicht in der schule.

Verleihnix
 
10
Sie sind ja ganz ein Schlauer.

Wenn die VolksschullehrerInnen nicht so viel gelernt hätten, dann würden sie besser unterrichten! Das ist der neueste Pisa-Ursachen-Schmäh!

Ehrlich gesagt, ein höheres Niveau hat noch niemandem geschadet. Dass auf den Universitäten dann höhere Mathematik gelehrt würde halte ich für ein Stammtischgerücht.

mens sana in corpore sano
00
wenn ich mir ihr posting so durchlese,

beschleicht mich der verdacht, dass sie auch ein pisa-opfer sind, denn das sinnverstehende lesen ist ihre stärke nicht.

Verleihnix
 
10

Wenn Sie sich unverstanden fühlen, dann dann geht es Ihnen so wie mir.

Carlo Soziale
26
Dieses "Lesen, Schreiben, Rechnen" wird total überbewertet.

Wichtiger ist das Erlernen moderner Inhalte:
Wie lege ich einen Facebook-Account an?
Wie lade ich Videos auf einen youtube-Server?
Welche Graphikkarte benötigt der neueste ego-shooter?
Welche Partydroge ist gerade cool?
Wie füllt man die Formulare am AMS aus?
Wie hoch ist zur Zeit die Mindestsicherung?
...

Verleihnix
 
00
Mit Buchstabieren und dem kleinen Einmaleins kommt man weder durchs Leben und noch durch den Pisa-Test.

Wer nicht mehr vorzuweisen hat wird außerhalb von österreichischen Pädagogen- und Landesschulratskreisen als funktioneller Analphabet und rechenschwach angesehen.

mens sana in corpore sano
10
das

lernen aber die lehrerInnen eher von den schülerInnen.

Carlo Soziale
03
Ich wollte damit nur sagen, dass der PISA-Test unnötige Fähigkeiten abprüft.

Altmodisches, fast schon reaktionäres Wissen.

mens sana in corpore sano
02
naja, man nennt rechnen, lesen und schreiben

gemeinhin "kulturtechniken".

erst wenn ich das kann, kann ich auch den rest. auch facebook geht nur, wenn ich lesen kann. und je mehr ich lerne und kann und verstehe, desto weniger muss ich die höhe der mindestsicherung kennen, weil sie mich nicht betreffen wird - zumindest mit wesentlich geringerer wahrscheinlichkeit.

aber im grunde gebe ich ihnen teilweise recht: vieles von dem wissen ist mehr als hinterfragbar.

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