Krieg auf der Donau

16. Februar 2011, 14:02
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Eine Ausstellung in der Leopoldstadt erzählt Kriegsgeschichte und Entwicklung des Schiffsbaus

Sie kommen aus Kellern, von Dachböden und aus Modellbauclubs: Das Bezirksmuseum Leopoldstadt lockt bis Ende März mit knapp 50 Schiffsmodellen - großteils aus Privatbesitz, die in der Öffentlichkeit nur selten zu sehen sind. Ergänzend dazu wird die "Lebensgeschichte" vieler Schiffe und damit auch die Geschichte der Schifffahrt auf der Donau der vergangenen 2000 Jahre auf 25 Schautafeln und 30 Erklärungstafeln nacherzählt.

Auf Grund der früher ungangbaren Wegverbindungen war der Fluss ein wichtiger Transportweg quer durch Europa. Auch als natürliche und politische Grenze diente die Donau. Militärhistoriker Robert A. Tögel hat die Ausstellung gestaltet und erklärt: "Die Donau ist nicht der größte, aber der bedeutendste Fluss Europas. Es geht in der Ausstellung nicht darum Krieg darzustellen. Aber in keiner Zeit gab es mehr Erfindungen und Neuerungen."

Schiffsbau in Wien

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Wien keine unbedeutende Stadt im europäischen Schiffsbau: Mitten in der Stadt wurden große Gefährte nach Muster der Meeresschiffe gebaut, zum Beispiel am Tabor und am Fugbach. In der heutigen Fugbachgasse im zweiten Wiener Gemeindebezirk wurden Anfang des 18. Jahrhunderts in der "Schiffsbaustelle Fahnstangenwasser - Fugbach" große Flussfregatten für die Türkenkriege gebaut.

Entwicklung des Schiffsbau

Schiffstypen aus der Zeit vor den Römern können durch Funde in Mooren rekonstruiert werden. "Dabei handelt es sich um zusammengebundene Holzstücke", berichtet Tögel. Aus der Römerzeit gibt es dann bereits bildliche Darstellungen. Wie die Schiffe aussahen, kann man zum Beispiel auf den Reliefs von der Trajans-Säule in Rom sehen.

Die Schiffe seien in der Ausstellung aber nicht die Hauptsache, es gehe vor allem um den politischen Hintergrund, betont Tögel: So werden unter anderem Themen wie Römische Provinzen, mittelalterliche Reisen, Türkenkriege, das Zeitalter Napoleons, die Weltkriege und die k.u.k. Kriegsmarine angeschnitten.

Großer Auftritt der Habsburger

Skurrile Details gibt es aus der Zeit der Monarchie. Der Schiffsexperte erzählt etwa von Prunkschiffen mit "One-Way-Ticket": "Die Habsburger reisten zu Zwecken der Repräsentation mit riesigen Schiffen. Da die schweren Gefährte nicht mehr flußaufwärts zu bringen waren, wurden sie an die Gastgeber verschenkt." Denn bis die ersten Dampfschiffe entwickelt wurden, musste gerudert werden, zusätzlich gab es Hilfssegel. Zudem gab es eine Technik, die "Treideln" genannt wurde, wie Tögel berichtet: "Das bedeutet, dass Schiffe bergaufwärts gezogen wurden." Nicht nur Ochsen- und Pferdegespanne wurden dafür verwendet, auch Sklaven wurden vor der Zeit der Habsburger zu dieser schweren Arbeit gezwungen.

Als Schiffsart für Kriege auf der Donau wurde für die k.u.k. Kriegsmarine in den 1870er-Jahren der "Monitor" entwickelt. Dabei handelt es sich um sehr flache, gepanzerte Schiffe, da die Donau kaum Tiefgang hat. "Im Prinzip werden noch heute moderne Schiffe auf diesem Prinzip aufgebaut", sagt Tögel. Im Zweiten Weltkrieg war die Donau wieder Kampfzone, mit Tankschiffen, Schnellboten und später sogar U-Booten. Letztere wurden gekippt, um sie vor Feinden als Tanks zu tarnen.

Frieden auf der Donau

Ein Detail aus der Ausstellung, das überraschen mag: Erst seit einigen Jahren herrscht offiziell "Frieden" auf der Donau. Die beiden letzten österreichischen Kriegsschiffe - die Patrouillenboote "Niederösterreich" und "Oberst Brecht" - wurden 2006 außer Dienst gestellt und sind heute bei der Reichsbrücke ausgestellt. (jus, derStandard.at, Februar 2011)

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Krieg auf der Donau

Bis 30. März
Bezirksmuseum Leopoldstadt, Karmelitergasse 9, 1020 Wien

Öffnungszeiten
Sonntag von 10.00 bis 12.00 Uhr
Mittwoch von 16.00 bis 18.30 Uhr

Führungen sind gegen Voranmeldung - auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich: 0676/566 91 94.

Führung

Am 20. März führt Tögel von 10 bis 16 Uhr durch die Sonderausstellung

Weitere Informationen auf der >>>Homepage<<< des Bezirksmuseums Leopoldstadt

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Raddampfer auf der Donau etwa in den 30er Jahren.

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