WKR-Demo

Die Security der Burschenschafter

Maria Sterkl, 31. Jänner 2011, 16:59

Kundgebungen werden verboten, Medien an ihrer Arbeit gehindert - wessen Recht wird hier geschützt?

Wien Westbahnstraße, Freitag abend: Ein Polizist, der eine Frau anrempelt, weil sie fotografisch dokumentiert, wie drei Polizisten einen Demonstranten mit dem Gesicht nach unten auf den Boden drücken. Ein weiterer Polizist, der diese Frau anbrüllt, sie als „Sau" beschimpft, sie mehrmals stößt und schließlich in den - bereits geschlossenen - Polizeikessel zu drängt - als „Strafe" fürs Fotografieren, sozusagen.

Eine Stunde später, selber Ort: Der Einsatzleiter der Polizei hat eine „Bannmeile" vor dem Polizeikessel errichten lassen. MedienvertreterInnen dürfen das Geschehen im Kessel nur aus etwa siebzig Metern Abstand betrachten - Interviews mit DemonstrantInnen im Kessel oder auch nur Film- oder Fotoaufnahmen aus der Nähe werden dadurch unmöglich.

Aufgeheizte Protest-Stimmung

Die Szenen, erlebt von derStandard.at-RedakteurInnen, entstammen jenen Protesten, die Freitag abend an mehreren Orten in Wien das Straßenbild prägten, und die sich längst nicht mehr nur gegen den Auftritt rechtsextremer Prominenz in der Wiener Hofburg wandten, sondern zu einem wesentlichen Teil auch gegen das De facto-Demonstrationsverbot, das die Behörden zuvor ausgesprochen hatten. Sowohl eine Demonstration am - von der Hofburg weit entfernten - Praterstern, als auch eine Kundgebung im Votivpark waren nicht genehmigt worden. Für das Areal rund um die Hofburg hingegen, wo sich Europas Rechte zum staatenübergreifenden Networking traf, sprach die Polizei ein Platzverbot aus. 

Die WienerInnen hatten es an jenem Freitag also mit einer Sicherheitsbehörde zu tun, die das verfassungsmäßige Recht auf Versammlungsfreiheit einschränkte, während sie jene Gruppierungen, die unter dem steten Verdacht stehen, Verfassungsrecht zu brechen - indem sie die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlosen - , unter ihren Schutz stellte. Mit einer Polizei, die, anstatt kontrollierte Demonstrationen an einem überschaubaren Ort zuzulassen, Hundertschaften von PolizistInnen auf Wiens Straßen schickte, um den unvorhersehbaren, spontanen Splitterdemonstrationen an mehreren Orten der Stadt Einhalt zu gebieten.

Keine De-Eskalation

Im Nachhinein sah sich die Exekutive bestätigt: Diverse Sachbeschädigungen, beispielsweise brennende Mülltonnen oder ein beschädigtes Schaufenster, hätten gezeigt, dass von den DemonstrantInnen tatsächlich Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehe, hieß es in einer Aussendung. Ohne diese Vorfälle verharmlosen zu wollen: Dass die lange zuvor angemeldete Demonstration derart kurzfristig untersagt wurde, hat wohl nicht zur Deeskalation beigetragen. 

Wer das Geschehen der letzten Woche beobachtete, konnten unterschiedliche Eindrucke gewinnen, einen aber nicht: Dass es in dieser Stadt einen klaren antifaschistischen Konsens gibt. Während rechtsextreme Webseiten ihre SympathisantInnen zur Gewalt gegen Demonstrierende aufriefen, schienen die Sicherheitsbehörden Gefahr nur von links zu befürchten. Gleichzeitig wurden Medien, die den antifaschistischen Protest und den Einsatz der Exekutive dokumentieren wollen, wie eingangs geschildert bei ihrer Arbeit behindert. 

Am Ende des Tages gab es nur einen Gewinner: Udo Guggenbichler. Der Organisator des Burschenschafter-Balls konnte seinen Gästen ein von politischen Protesten unbeeindrucktes Feiern ermöglichen. Gescheitert ist an jenem Abend die Leitung der Wiener Polizei: Nicht nur, weil sie ihre Einheiten ausschickte, um sich ein Katz- und Maus-Spiel mit den DemonstrantInnen zu liefern, sondern auch, weil sie an ihrer grundsätzlichen Aufgabe, gesetzlich verbrieftes Recht zu hüten, nicht nachkam: Sich zu versammeln, um zu protestieren, und diesen Protest ungehindert in Medien wiederzufinden, war am Freitag nur eingeschränkt möglich. Die Polizei machte ihre DienstnehmerInnen zu Securities der Burschenschafter, indem sie deren Feier schützte und im Verborgenen hielt, aber haufenweise Datenmaterial über jene Menschen sammelte, die an der Veranstaltung - legitime - Kritik übten. (Maria Sterkl, derStandard.at, 31.1.2011)

Kommentar posten
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Herr und Frau Österreicher
 
12

Ich verstehe, dass es sich um ein politisches Problem handelt.
Was ich nicht verstehe, ist, warum man die Polizei auf einer politischen Ebene kritisiert, wenn sie doch klar juristische Verfehlungen bis hin zur Körperverletzung begeht!
ich weiß schon, es ist leichter mit dem Vogelkäfig Milch holen zu gehen, als einen Kiberer an zu zeigen. Aber eine durch die Staatsgewalt herbeigeführte beule find ich schlimmer, als die Einschränkung der Versammlungsfreiheit! Beides gehört sich nicht - aber während man ersteres kritisieren muss, muss es endlich möglich sein, Polizisten für ihre Untaten zur Verantwortung zu ziehen!

Protagoras v. Abdera
02
Völlig richtig. Aber das eine ist die Folge des anderen

Weil betimmende Kräfte im Innenministerium den Protest gegen diesen Ball kriminalisieren wollen und angemeldete Kundgebungen untersagen, kann sich die Polizei anschließend derart benehmen, wie Sie das beschreiben, ohne Rechtfertigungsprobleme fürchten zu müssen (denn es handelt sich ja um "Chaoten").

Herr und Frau Österreicher
 
00
18.2.2011, 14:41

Ja, da habens wohl recht.

Harry Y.
 
00

Gelesen und danke.

Justafix
02
eine schande!

in deutschland wäre so was nie möglich.

NoPod
02
Der ORF hat 10 Sekunden..

.. von einem Einsatz berichtet an dem mehr als 1000 Beamte den öffentlichen (mindestens 4 Straßenbahnlinien) Verkehr blockierten und den Individualverkehr völlig zum Kollabieren brachten.
Die Presse wurde wieder einmal massiv behindert und die Situation unnötig eskaliert.
Völlig unverständlich ist für mich die freiwillige Selbstzensur aller Mainstream Medien die der Tatsache dass Rechstradikale in der Hofburg feiern und Demos dagegen verboten wurden, völlig ingnorierten.

http://bit.ly/en1SIB

couragierter Zivilist
15
Hier beschrieben:

Das Rechtsverständnis des Fekteresken Innenministeriums

heri13
02
die fekter hat die polizei längst nicht mehr in der hand,

dort bestimmt der strache wo es lang geht!

Steverino
24
Wenn die Gegner der österreichischen Republik in der Hofburg tanzen, hat eben diese Republik still zu stehen und ruhig zu sein..

Wer sich aber doch bewegt, ist als kriminell anzusehen und beamtszuhandeln.

suboptimal
 
27
Woanders geht die Polizei sehr viel professioneller mit Grundrechten wie Demonstrationen um.

Demo gegen Rechts: Sächsischer Polizeipräsident: "...und bitte keine Gewalt."

Polizeipräsident Merbitz mahnt zu friedlichen Protesten und spricht selbst von Verständnis für die Demonstranten. Sehen Sie hier den Appell des sächsischen Polizeipräsidenten zu den angekündigten Protesten gegen Rechts. Interview mit Bernd Merbitz – Landespolizeipräsident
Freitag, 28. Januar 2011
http://www.leipzig-fernsehen.de/default.a... ews=922723

Sooo schaut ein _professioneller_ Umgang der Polizei mit Demonstranten aus – z.B. mit Botschaften über die Medien. Die deutsche Polizei macht das schon lange. Auch unsere Polizei kriegt friedliche Demonstrationen hin. Demokratie ist erlernbar. Den starken Mann braucht hier keiner mehr, Herr Pürstl.

derPolizist
30

das es jedes Jahr dutzende Demonstrationen gibt, die völlig friedlich ablaufen und ohne Verbot auskommen, wissen sie aber schon, oder?

suboptimal
 
00

Klar weiß ich das, werter Herr Polizist. Außerdem ist der Pürstl kein Polizist, sondern diesbezüglich bestenfalls ein als Polizist verkleideter Autodidakt. P.S.: Das rote Stricherl stammt nicht von mir.

NoPod
01

Wenn es nicht gegen Rechte geht, verhält sich die Polizei relativ neutral und korrekt.
Nur die Rechten müssen besonders geschützt werden und dann darf ruhig mal härter gegen Demonstranten vorgegangen werden.

Auch bei Abschiebungen von Kindern ist man nicht besonders zimperlich.

Bevor sie sich jetzt über solche Anschuldigungen aufregen, entziehen sie ihnen einfach die Grundlage und wirken sie auf ihre Kollegen so ein, dass sie die Grundwerte und nicht Rechtsradikale schützen.

Übrigens: Die Brandstifter des MigrantInnen Studentenheims in Floridsdorf schon gefunden? Nicht? Ja warum denn nicht? Waren Hakenkreuze und Morddrohungen an den Wänden nicht Bedrohung genug?

derPolizist
20

vielleicht hat die Polizei mit der WKR-Demo von 2008 einfach schlechte Erfahrungen gemacht, als die Kollegen vor dem Burgtor mit Steinen beschmissen wurden... da wird man halt etwas vorsichtiger...

Ok, die Burschenschafter werden ab sofort beim Ball nicht mehr geschützt... was glauben sie, wird das Ergebnis sein? Friedliche Demos direkt vor der Hofburg? Na klar...

brennessel
00
13.4.2011, 13:41
Schlechte Erfahrungen?

Die habe ich mit einigen Politikern und Politikerinnen dieses Landes auch genmacht.
Das heißt aber noch lange nicht, dass die deshalb verboten werden, oder?

Harry Y.
 
00

Vor dem Burgtor sind wir gestanden (die wegen uns ja gesperrt war), und da waren keine Polizisten. Die sind alle in ca. 70 (gezählt!) Polizeiwagen gesessen, rechts und links von uns; dh, bei 8 Polizisten pro Wagon 560 Beamten, die sitzend etwa 200 Demonstranten "entgegenstanden".

Ich habe einen großen, betrunkenen, und vermummten Mann gesehen, der in Schlägerlaune war und herumgetorkelt ist; und welcher Seite der angehörte, war keineswegs klar. Und um den kümmerte sich nicht die Polizei, sondern die Demonstranten. Sonst weit und breit keine "Gefährdung der Sicherheit". Es gab rote Kerzen, und keine Steine.

derPolizist
11

verzeihung, mein Fehler, ich meinte eigentlich 2009

Harry Y.
 
00

Nehm's zur Kenntnis.

Protagoras v. Abdera
07
Das ist keine Rechtfertigung für eine pauschale Aushebelung des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit. Wenn Sie sich die Entscheidungen der Sicherheitsbehörden und der Einsatzleitung vertraut machen,

werden Sie feststellen, dass die "gefährlichen" Organisatoren zum Beispiel die Jugenorganisationen von Parteien oder Hochschülerorganisationen waren. Wie Ihnen vermutlich bekannt ist, trifft die Organisatoren angemeldeter Kundgebungen eine gesetzliche Pflicht, strafbare Taten selbst hintanzuhalten ("Ordnerdienst"). Warum also hat die Polizei auf diese Sorgfaltspflicht der Veranstalter verzichtet, indem sie die Versammlung untersagt hat? Die Antwort ist die: Es bestand ein politisches Interesse daran, eine angemeldete Versammlung jedenfalls zu verbieten, weil dann Demonstranten ins gewaltbereite Eck gestellt werden können und ihr Anliegen politisch delegitimiert wird. Hier liegt eine Selektivität, die man getrost als Willkür bezeichnen kann

Harry Y.
 
00

Auf den Punkt getroffen, brillant.

NGC 55 000 001
33
Im Zentrum des Bösen - das wahre Nazi-Gesicht Wiens

Schon der Geschichtsunterricht in der Grundschule war eine einzige feministisch, nationalsozialistische Kakophonie! Die Supermacht Felix Austria mit ihrem Superhirn Wien, nach Ihrem absoluten Machtverlust des 1. Weltkrieg die Oscarreife Inszenierung des 2.Weltkriegs um wieder an die Macht zu kommen. Ja sie hatten von diesem süßen Nektar zu lange getrunken als Ihn so einfach sich nehmen zu lassen. Mit Schläue und Gerissenheit inszenierten Sie ein meisterhaftes Lehrstück in Machtmanipulation - nach außen die Opfer in Wirklichkeit die Täter - doch jetzt sollten auch den letzten Zweiflern die Augen geöffnet sein-wer heute in einer angeblichen Sozialdemokratie so mit seinen freiheitsliebenden Bürgern umgeht zeigt sein wahres verlogenes braune...

xxx...yyy...
02
ja, ja...

metacomet
15
wenn F-rustrierte menschen politik machen finden sich immer

F-rustrierte wähler, ob aus F-rustrierten unterschichten, oder bis rauf zu F-rustrierten akademikern. der F-aktor F-rustration ist leider systemimmanent

Buxo_1871
00

hmm ... frustriert scheinen mir hier eher die raunzigen wehleidigkeitskommentare der verhinderten störer der öffentlichen ordnung zu sein ...

metacomet
11
es würde mich wirklich interessieren was poster wie

"angelika70" oder "derpolizist" dazu meinen...

maulkorb????

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