Helmut Werner: Der Blog-Schweiger des Hauses Lugner

31. Jänner 2011, 15:59
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Der Blog des Baumeister Schwiegersohns in spe steht still - Wieso der erste Insiderbericht umgehend verschwand, weiß er selbst nicht

Lugners Schwiegersohn in spe kündigte Mitte Jänner einen Inside-Lugner-Blog pro Woche an - und schweigt statt zu schreiben - Wieso der erste (und einzige) Insiderbericht aber umgehend verschwand, weiß er angeblich selbst nicht

Der zweite Anruf kam schneller, als erwartet: Ich hatte auf fünf Minuten getippt - aber Helmut Werner rief bereits dreieinhalb Minuten nach unserem ersten Gespräch an: Was ich denn gegen ihn hätte? Schließlich, erklärte mir Richard Lugners Schwiegersohn in spe, würden wir einander ja gar nicht persönlich kennen. Deshalb fände er es unfair, dass und wie ich über ihn schriebe.

(Eines der großen Missverständnisse auf Seiten der Darsteller in der heimischen Adabei-Szene ist es ja, aus der hierzulande tatsächlich gängigen Verhaberung und wechselseitigen Nutznießerei zwischen Berichterstattern und den Objekten der Berichterstattung den Schluss zu ziehen, dass alles andere unzulässig sei. Werners Erwartungshaltung ist angelernt. Sie steht für die fast der gesamten heimischen Vipperl-Szene: Man ist kaum etwas anderes gewohnt. Diese Haltung ist aber auch bei vielen anderen Menschen, die sich öfters in den Medien finden, durchaus häufig zu finden - und nicht überall ist das so wurscht, wie in Seitenblickeland. Doch darum soll es hier gar nicht gehen.)

Sorge

Ich hatte Werner angerufen weil ich mir Sorgen machte. Um ihn. Ok: Das ist gelogen. Aber ich wollte wissen, was los ist. Schließlich hatte der Manager von Mausi und der Freund ihrer Tochter doch am 13.1. 2011 auf Vienna.at einen Blog eröffnet. Und darin - wie hier berichtet - angekündigt, ab sofort wöchentlich ausführlich über die Lugners zu berichten. Als Appetithäppchen hatte er sich öffentlich im ersten echten Eintrag auf den Skiurlaub mit den Lugners gefreut. Und in die Vorschau einen Rückblick auf den letzten Skitrip mit der schrecklich öffentlichen Familie eingebaut. (Dass die Lugners demnächst nach Brasilien reisen sollen, stand dort nicht. Das verrate ich hiermit einfach so: Karneval mit Richard, Katzi, Mausi, Helmut & Tschacki - das kann ja was werden.)

Doch als ich beim Schreiben der vorletzten Kolumne dann nachsehen wollte, wer da genau mit wem warum beim Skifahren gezofft hatte, war der Eintrag bereits nicht mehr online. Nur die Ankündigung, dass Werner von nun an wöchentlich schreiben werde, war noch da. Was ich übersah: Aus Trauer und Eile vergaß ich glatt, den ersten Ankündigungstext mit dem, der nun da stand, genauer zu vergleichen. Ein schwerer Fehler meinerseits.

Rache per Archiv & Rück-Klick

Da die Rache des Journalisten aber nicht nur das Archiv, sondern auch der Blick/Klick zurück über die eigene Schulter ist, besuchte ich vergangene Woche (am 27.1.) den Blog erneut - und wurde enttäuscht: Statt der erhofften drei (Ankündigung plus zwei Geschichten) war da immer noch lediglich die Ankündigung. Und die war doch ein bisserl anders, als ich mich zu erinnern glaubte: Wo ursprünglich Spaß mit den Lugners versprochen worden war, ging es jetzt um Details aus der Arbeit des Ex-Menowin-Managers mit seinen Künstlern - etwa "Vorbereitungen im Tonstudio". (Siehe Faksimile) Was war da bloß geschehen?

Also rief ich Helmut Werner an. Der gab sich überrascht: Er werde wieder schreiben, sobald er Zeit habe. Wieso das überhaupt Thema sei? Dass er doch wöchentliche Lugner-Inisderei versprochen habe, wollte er nicht kommentieren - und ich fragte auch nicht weiter nach, weil mich zwei andere Sätze mehr faszinierten: Er habe keine Ahnung, wieso der Skiurlaubstext nicht mehr online sei, sagte Werner. Und auch wieso der Ankündigungstext geändert worden war, wisse er nicht genau. Er vermute aber, "dass das so mehr Leute interessiert, als in der Version von vorher". Wieso man bei Vienna.at glaube, das Volk lechze eher nach seinen Künstler-Geschichten denn nach Lugner-Intima, wollte er nicht bewerten können: "Ich bin kein Webmaster und auch kein Journalist - fragen Sie doch bei Vienna.at". Er sähe aber auch nicht ein, wieso er mit mir - "ausgerechnet mit Ihnen!" - darüber reden solle. Und damit war unser Gespräch beendet.

Beschwerdeanruf

Ich schaute auf die Uhr, feixte dann zu den Kollegen im Raum - und sagte "fünf Minuten". Einer der Kollegen nickte - der andere sagte: "Drei". Nach dreieinhalb Minuten klingelte es. Werner beklagte sich bei mir über mich: Wie ich mir herausnehmen könne, über ihn stets so böse und gemein zu schreiben - wir würden einander ja gar nicht kennen. Ich widersprach ihm im Punkt des Nicht-Kennens. Er suche, sagte Werner, keineswegs von sich aus die Öffentlichkeit, sondern stehe lieber im Hintergrund. Ich ließ das unkommentiert. Er sei, sagte Werner, auch keineswegs ein Unguter (ich sagte, dass ich das nie behauptet hätte) und könne durchaus auch über sich selbst „und auch über meine Frisur" lachen. Ich ließ das stehen. Vor allem aber, sagte Werner, sei es fies, wie ich ihn in einer alten Kolumne genannt hätte. Ich korrigierte: Ich hätte dort bloß seinen brancheninternen Rufnamen "geoutet" - mich aber keinesfalls mit dieser Benamsung einverstanden erklärt. (Ok, ich gebe zu: Das ist ein batzweiches und feiges Ausfluchtargument.)

Aber Werner war noch nicht fertig: Wie ich dazu käme, über ihn und seine Beziehung zu Tochter Lugner zu schreiben - das sei privat. Ich widersprach: Die Romanze mit der Schülerin sei schließlich ständig Thema in der von den Lugners selbst getragenen Lugner-TV-Show. Es ging, beharrte Werner, mich aber nichts an, wie wann und wo er mit Jaqueline L. zusammengekommen sei. Dann erzählte er mir ungefragt Schul- und Beziehungsdetails, die mich tatsächlich nichts angehen - und erklärte zum Schluss, dass es ihm persönlich zwar egal sei, ob und wie ich ihn beleidige (ich wies das Wort "beleidigen" natürlich zurück), aber es sei auch für seine Freundin kränkend, sich so dargestellt zu finden. Und das fände er nicht ok.

Einlenken

Ich lenkte ein: Verliebte Teenager zu kränken - das sei nun wirklich nicht meine Absicht. Wenn die Uraltkolumne über Werners Spitznamen tatsächlich so schlimm für Jaqueline sei, könne ich sie natürlich offline stellen lassen. Da genüge ein Mail. Oder ein Anruf. Werner war zufrieden.

Nach dem Offlinestell-Anruf bei derStandard.at rief ich bei Vienna-Online an. So, wie es mir Helmut Werner geraten hatte: Wieso mein Text über die Lugners und ihn aus dem Web verschwunden sei, erkärte ich, wüssten Werner und ich ja. Wieso aber seiner weg sei, erklärte ich der laut der Telefonzentrale für die Blogs zuständigen Dame, zu der ich verbunden worden war, habe er mir nicht erklären können - und mir geraten, hier zu fragen.

Dummerweise hatte man mich aber wohl falsch verbunden: Meine Gesprächspartnerin, hörte sich meine Frage zwar an, erklärte sich dann aber umgehend für nicht zuständig. Wer denn dann zuständig sei? Das sei schwierig. Wieso? Die Zuständige sei leider krank. Wer sie verträte? Auch krank. Und auch sonst sei leider niemand erreichbar, der da etwas sagen könne. Ob man mich zurückrufen würde, fragte ich. Ich sei auch am Wochenende erreichbar. Aber sicher, hieß es. Ganz bestimmt.

Seither warte ich. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 31.1.2011)

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  • Diese zwei Beiträge des Helmut Werner-Blogs sind nicht mehr zu finden.
    screenshot: vienna.at

    Diese zwei Beiträge des Helmut Werner-Blogs sind nicht mehr zu finden.

  • So sieht der erste Beitrag nun aus.
    screenshot: vienna.at

    So sieht der erste Beitrag nun aus.

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