Heftige Kritik nach Abschussforderung von Bären und Wölfen

31. Jänner 2011, 15:03
196 Postings

ÖVP-Obmann Martinz von Tierschutzorganisationen und politischer Konkurrenz zurechtgewiesen: "Unfassbare Entgleisung"

Heftige Kritik hat der Kärntner Agrarreferent Josef Martinz am Montag mit seiner Forderung geerntet, Wölfe und Bären in Kärnten zum Abschuss freizugeben. SPÖ, Grüne, FPK und diverse Tierschutzorganisationen protestierten gegen den ÖVP-Vorstoß. Unterstützung erhielt der Landesrat lediglich aus seinen eigenen Reihen.

"Wir brauchen in Kärnten weder Wölfe noch Bären", so Martinz in einem Interview mit dem ORF Radio Kärnten am Sonntag. Als Begründung gab er an, die Tiere hätten im Vorjahr rund 250 Schafe gerissen und einen Schaden von etwa 50.000 Euro verursacht. Er müsse sich daher auf die Seite der Almbauern stellen, begründete der ÖVP-Politiker seine Forderung.

Fünf bis acht Bären in Kärnten

Die Tierschutzorganisationen WWF und Vier Pfoten reagierten entsetzt. Für den WWF sei die Aussage eine "unfassbare Entgleisung", die jeder rechtlichen und fachlichen Grundlage entbehre. "Bären und Wölfe sind durch internationale Gesetze streng geschützt", sagte WWF-Bärenexperte Christoph Walder in einer Aussendung. In Kärnten leben derzeit fünf bis acht Bären und ein bis zwei Wölfe. "

Dietmar Keck, SPÖ-Tierschutzsprecher, kritisierte, der Aufruf zum Abschuss sei nicht nur aus Sicht des Tierschutzes und der Artenvielfalt verwerflich, sondern auch "eine Aufforderung zum Rechtsbruch". Es brauche Aufklärung und Prävention, Österreich arbeite mit Nachbarländern an grenzübergreifenden Managementplänen für ein friedliches Miteinander von Mensch und Tier, hier sei die Aussage von Martinz absolut kontraproduktiv.

Mehr Schaden durch Rehe und Hirsche

Der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber, erklärte in einer Aussendung, dass Rehe und Hirsche mehr Schäden als Wölfe und Bären verursachen würden. Die gemeldeten Schäden durch Wölfe und Bären in Kärnten hielten sich derzeit in sehr engen Grenzen. Die Gesamtkosten durch das Raubwild seien im vergangenen Jahr weit geringer gelegen als etwa Schäden bei Verkehrsunfällen mit Rehen.

Unterstützung erhielt Martinz vom ÖVP-Landtagsabgeordneten Ferdinand Hueter. Dieser erklärte, es müsse für die Sicherheit der Touristen in den Bergen und Wäldern gesorgt werden. Martinz selbst war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Sein Pressesprecher Wolfgang Dittmar erklärte auf APA-Anfrage, dass man die Tiere laut einem EU-Gesetz durchaus abschießen könne. Unter bestimmten Voraussetzungen könnten die Länder selbst darüber entscheiden. (APA)

derStandard.at/Panorama auf Facebook

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.