Russen sollen Inspektion des Flugplatzes verweigert haben

31. Jänner 2011, 14:38
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Kein Zutritt für polnische Delegation - Landungsziel trotzdem nicht geändert

Warschau - Vier Tage vor der Katastrophe der polnischen Regierungsmaschine im April vergangenes Jahres, bei der auch Präsident Lech Kaczynski ums Leben kam, sollen die russischen Behörden einer polnischen Delegation den Zutritt zu dem "Siewiernyj"-Flugplatz bei Smolensk verweigert haben, die dessen Zustand prüfen wollte. Laut dem Internet-Portal tvn24.pl haben russische technische Dienste bis zur letzten Stunde vor der Ankunft der polnischen Spitzenpolitiker die Infrastruktur des Flugplatzes wiederhergestellt. Dies erklärte der Sprecher der polnischer Militäranwaltschaft Zbigniew Rzepa gegenüber dem Portal.

Der Smolensker Flugplatz funktionierte längere Zeit vor der Katastrophe nicht. Die polnische Seite wusste darüber Bescheid, bestand aber auf Landung in Smolensk, um die weitere Autoreise nach Katyn zu der dortigen Gedenkfeier zu verkürzen. Die Polen prüften niemals nach, wie die Sicherheitssituation auf dem Flugplatz vor der Ankunft der polnischen Spitzenpolitiker aussah.

Eine Gruppe von polnischen Diplomaten und Funktionären des Büros für den Regierungsschutz wollte am 6. April den Flugplatz inspizieren. Die polnische Botschaft in Moskau erhielt jedoch die Mitteilung, dass es keine Möglichkeit gebe, den Flugplatz in Augenschein zu nehmen. Laut den Aussagen eines polnischen Diplomaten wollte die russische Seite nicht bekanntgeben, welche Ausrüstung dort fehle. "Sie versicherten, dass der Flugplatz für die Ankunft unserer Delegationen vorbereitet würde. Sie haben keine Einzelheiten mitgeteilt, welche Arbeiten auf dem Flugplatz ausgeführt werden", sagte Dariusz Gorczynski, der im Frühling Leiter der Russland-Abteilung im Außenministerium war, der Militäranwaltschaft.

Laut tvn24.pl sei die Entscheidung über die gefährliche Landung in Smolensk eines der wichtigsten Elemente in den Ermittlungen der Militäranwaltschaft über die Ursachen der Katastrophe. Einer der Ermittler, der anonym bleiben wollte, erklärte, dass nicht auszuschließen sei, dass Beamten, die für die Organisation der Flüge verantwortlich waren, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen würden. Es drohen dafür drei Jahre Haft.

Das russische "Zwischenstaatliche Luftfahrtkomitee MAK" hatte vor zwei Wochen seinen Abschlussbericht zum Flugzeugabsturz am 10. April 2010 vorgelegt. Der Bericht sieht die Verantwortung für das Unglück allein auf polnischer Seite - insbesondere bei den Piloten, die trotz dichten Nebels einen Landeversuch unternahmen. Eine von polnischer Seite vermutete Mitverantwortung der Fluglotsen am Smolensker Flughafen schließt der Bericht aus. Bei dem Unglück waren alle 96 Passagiere, unter ihnen der damalige polnische Präsident Kaczynski, ums Leben gekommen. (APA)

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