"Wo sollen die vielen Frauen herkommen?"

31. Jänner 2011, 10:32
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Personalberaterin Yvonne Beiertz: "Allein die Diskussion über Quoten erhöht den Druck" - Daher hält sie Quoten für unnötig

Frankfurt/Main - Nach Ansicht der Personalberaterin Yvonne Beiertz bringt eine gesetzliche Frauenquote für die Besetzung von Führungspositionen in deutschen Unternehmen nichts. "Wo sollen die vielen Frauen herkommen, die plötzlich in den Aufsichtsräten und in den Vorstandsetagen sitzen sollen? Das ist ein längerfristiges Programm, das bereits bei der Einstellung von geeigneten Kandidatinnen auf den unteren Ebenen ansetzen muss. Da sprechen wir von einem Zeitraum von mehreren Jahren", so Beiertz. Die Personalberaterin leitet bei Spencer Stuart, einem der führenden Personalberatungsunternehmen der Welt, die weltweite Suche nach Führungskräften für die Finanzbranche.

Ministerin will 25 bis 30 Prozent

Die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte den deutschen Unternehmen wegen des geringen Anteils von Frauen in Toppositionen kürzlich damit gedroht, eine gesetzliche Frauenquote durchzusetzen. Dabei nannte die Ministerin eine Zahl von mindestens 25 bis 30 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen. Am Freitag kündigte Familienministerin Kristina Schröder (CDU) dann einen Vorstoß an: Sie schlug einen Stufenplan vor. Danach sollen Betriebe ab einer gewissen Größe gesetzlich dazu verpflichtet werden, für sich eine selbst bestimmte Quote festzulegen.

Quote nicht nötig

"Wir sehen in unserer Praxis, dass die Unternehmen seit etwa einem halben Jahr stärker auf die Balance zwischen den Geschlechtern achten und verstärkt nach qualifizierten Managerinnen für offene Führungspositionen suchen", berichtete Beiertz aus ihrer Erfahrung in Deutschland. "Allein die Diskussion über das Thema erhöht den Druck auf die Unternehmen, so dass eine Quote eigentlich nicht nötig ist."

"Andere Länder sind weiter"

Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland hinterher. In den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen sitzen nur drei Frauen: zwei bei Siemens, eine bei SAP. In den Aufsichtsräten der 30 gewichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland liegt der Frauenanteil nach Zahlen der Aktionärsschützer DSW bei 13 Prozent. "Andere Länder sind weiter", sagte Beiertz. "In den USA zum Beispiel steht das Thema Frauen in Führungspositionen seit Jahren auf der Agenda. Dort gibt es mehr Frauen sowohl in den Aufsichtsgremien als auch in den Vorständen ­ auch im Bankenbereich." Doch in Deutschland tue sich ebenfalls etwas. "Für gute Frauen gibt es heute eine deutlich realistischere Chance, auch tatsächlich ausgewählt zu werden." (APA)

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