Synthesizer-Pionier Milton Babbitt gestorben

30. Jänner 2011, 17:49
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Amerikanischer Avantgarde-Komponist und Musiktheoretiker

Princeton - Der amerikanische Avantgarde-Komponist Milton Babbitt ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Babbitt war für komplexe Orchesterkompositionen bekannt und wirkte in den 1950er Jahren an der Entwicklung des ersten elektronischen Synthesizers mit. Sein Kollege und früherer Schüler an der Universität Princeton, Paul Lansky, sagte, Babbitt sei am Samstag in einem Krankenhaus in Princeton gestorben. Die Todesursache wisse er nicht. 

Als Komponist schrieb Babbitt Stücke für Vocal Performances zu elektronischer Musik wie "Vision and Prayer" und "Philomel" in den 60er Jahren und "Reflections" 1975. Lansky sagte, Babbitt habe Musik als "ein hoch entwickeltes Fachgebiet" betrachtet, "das offen für Studien und Betrachtungen wie auch in der Philosophie und Mathematik ist". Babbitt hat mehrere renommierte Preise bekommen, darunter den Pulitzerpreis für sein Lebenswerk 1982.

Werdegang

Babbitt wurde am 10. Mai 1916 in Philadelphia geboren und lehrte von 1938 bis 1984 an der Princeton University als Musikprofessor. In den 50er Jahren wurde er von der Plattenfirma RCA als Berater bei der Entwicklung des Mark II Synthesizers engagiert. Er war Gründer und Direktor des Columbia-Princeton Electronic Music Center, in dem der Synthesizer aufgestellt wurde.

Seinen Doktortitel bekam er in Princeton aber erst 1992 im Alter von 75 Jahren, 46 Jahre nachdem seine Dissertation über das Zwölftonsystem moderner Komponisten zurückgewiesen wurde. "Seine Doktorarbeit war ihrer Zeit so weit voraus, dass sie damals nicht angemessen gewürdigt werden konnte", sagte damals der Dekan der Musikfakultät Princetons, Theodore Ziolkowski, in einer Würdigung Babbitts. Die Fakultät habe sich zu dem Schritt entschlossen, weil sie die Babbitt 1991 verliehene Ehrendoktorwürde als unzureichend empfunden habe. "Wir dachten, es sei nicht richtig, dass ein derart profilierter Komponist und Musiktheoretiker, der so viel zur Musik in diesem Land beigetragen hat, nicht den Titel haben soll, den er verdient hat", erklärte Ziolkowski damals weiter. (APA)

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