Martin Ragginger über den Mythos Daytona, die Karriere im Sportwagen und über den freiwilligen Abschied von Red Bull - STANDARD-Interview
Standard: Was macht für Sie den Mythos Daytona aus?
Ragginger: Die drei Steilkurven sind schon stark. Da muss man die
Grenzen seines Autos sehr gut kennen. Man lenkt sehr wenig im Oval. Wenn
du oben wenige Zentimeter von der Mauer entfernt fährst, kannst du gar
nicht viel lenken. Viel Spielraum hast du nicht.
Standard: Was ist in Daytona schiefgelaufen?
Ragginger: Das Allerwichtigste bei einem 24-Stunden-Rennen ist: Man
muss
durchkommen. Das Auto muss halten, die Boxenstopps müssen funktionieren.
Und nicht zuletzt dürfen die Fahrer keinen Fehler machen. Das haben wir
in Daytona nicht geschafft, unser Fahrer Nicolas Armindo ist innerhalb
kurzer Zeit zweimal in ein Auto gecrasht. Schade, wir hatten alle
Chancen. Aber zwei Unfälle sind zu viel.
Standard: Wann haben Sie sich für eine Karriere im
Sportwagenbereich
entschieden?
Ragginger: Natürlich ist das Ziel immer die Formel 1, das ist der
Traum
jedes Motorsportlers. Ich war gemeinsam mit Sebastian Vettel im
Junior-Team von Red Bull, hatte schon Formel-3-Tests absolviert. Es wäre
schon in diese Richtung gegangen. Aber bei Red Bull ist es irgendwann
einfach nicht mehr so gut gelaufen. Ich war einer der wenigen Junioren,
die gefragt haben, ob ich aus dem Vertrag rauskomme.
Standard: Damit war die mögliche Formel-1-Karriere passé?
Ragginger: Klar hofft man noch. Aber allein, um in die Formel 3 zu
kommen, muss man als Fahrer bis zu einer Million Euro Sponsorgeld
mitbringen. Als 16-Jähriger ist es schwierig, das in kurzer Zeit
aufzutreiben. Dann kam eben das Angebot, dass ich zur Junior-Sichtung
von Porsche kommen kann. Mein Ziel ist jetzt, Porsche-Werksfahrer zu
werden. Der Job als Testfahrer ist okay, du hast die Chance, manchmal
in Topautos zu sitzen. Aber ich möchte die ganze Saison in einem Topauto
sitzen.
Standard: Wie sehr spielt die Gefährlichkeit des Jobs eine Rolle?
Ragginger: Es ist sich jeder im Motorsport bewusst, was passieren
kann.
Vor zwei Wochen hatte ich beim 24-Stunden-Rennen in Dubai einen schweren
Unfall. Das war innerhalb von zwei Tagen wieder abgehakt, ich habe mich
eigentlich mehr über das Rennresultat geärgert. Das ist ein Risiko, mit
dem ich leben muss. Wenn du über Gefahren nachdenkst, bist du zu langsam
und ohne Chance.
Standard: Kann Geld helfen, nicht über Gefahren nachzudenken?
Ragginger: Über Geld spricht man nicht. Als Porsche-Werksfahrer musst
du
dir jedenfalls keine Sorgen mehr machen. Darum ist es wichtig, dass du
früh in einem Team Fuß fasst. Es gibt nicht viele Österreicher, die im
Motorsport richtig Geld verdienen, vielleicht eine Handvoll. Ich gehöre
dazu. (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe 31.01.2011)