Ausgehöhlte Neutralität durch EU-Doktrin ersetzen

30. Jänner 2011, 17:14

Vermutlich wird es, sollte die Neutralität zur Disposition gestellt werden, den Ruf nach einer Volksabstimmung geben - Sauberer wäre ein Abschaffungsbeschluss im Nationalrat

Auch für jemanden, der wie der Autor dieser Kolumne lange Zeit ein Verfechter der Neutralität war, ändern sich die Zeiten. Nichts bleibt "immerwährend". Das gilt auch für die Neutralität. Nach mehr als 55 Jahren ihrer Gültigkeit ist es an der Zeit, sie durch eine andere Doktrin zu ersetzen.

Norbert Darabos hat als Verteidigungsminister mit der Ausarbeitung von sieben Heeresmodellen einen guten Reformstart gesetzt - indem er sich aber auf eines festlegte, ruinierte er seine eigene Ambition. Er ließ außerdem die Antwort auf eine wichtige Frage aus - auf welcher Sicherheitsdoktrin beruht die künftige Heeresorganisation?

Der Bundespräsident und die ÖVP haben richtig festgehalten: zuerst die Doktrin, dann die Heeresreform. Selbst wenn die Wehrpflicht per Volksentscheid abgeschafft werden sollte.

Geltende Doktrin ist immer noch die Neutralität - mit zwei Säulen:

1. keinem Militärpakt anzugehören, 2. keine fremden Militärstützpunkte auf eigenem Boden zu gestatten.

Solange es keine europäische "Sicherheitsarchitektur" gab, schien es geboten, an der Neutralität festzuhalten. Obwohl die ÖVP unter Wolfgang Schüssel vehement in die Nato drängte. Daran will sie heute lieber nicht mehr erinnert werden, weil ja auch der Ankauf der teuren Eurofighter ein Ausfluss dieser Politik war.

Trotz der schwachen Bundesregierung sorgt die österreichische Wirtschaftsleistung dafür, dass das Land bei einem Zusammenbruch des Euro weiterhin zu Kerneuropa gehören würde. Das ist der erste starke Punkt, warum die Neutralität durch ein Bekenntnis zur europäischen Doktrin ersetzt werden sollte.

Ein zweiter Grund: Die EU hat zwar immer noch den Nachteil, in militärischen Fragen nicht mit einer Stimme zu sprechen. Aber immerhin ist der Aufbau einer außenpolitischen Struktur gestartet worden. Dadurch wird das internationale Konfliktmanagement erleichtert. Die EU neigt ohnehin dazu, zuerst und lange zu verhandeln, Geduld zu haben. Das kommt Österreich entgegen.

Der dritte Aspekt: Bis 2012 wird der Aufbau der sogenannten Battlegroups abgeschlossen sein. Österreich ist bei diesen zwei, für jeweils sechs Monate aufgestellten Infanterieeinheiten voll dabei. Sie dienen nicht nur der Friedenserhaltung, sondern auch der Friedenserzwingung. Sie kommen mit Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat zum Einsatz und sind daher für Österreich das Richtige - wegen unserer Erfahrungen mit den Auslandseinsätzen und gegen die weitverbreitete Trittbrettfahrer-Mentalität.

Vermutlich wird es, sollte die Neutralität zur Disposition gestellt werden, erneut den Ruf nach einer Volksabstimmung geben. Sauberer und verantwortungsvoller wäre ein Abschaffungsbeschluss im Nationalrat mit Zweidrittelmehrheit. So ist ja auch die Einführung beschlossen worden.

Der ständige Ruf nach Volksabstimmungen (damit drückte sich schon Jörg Haider vor der Verantwortung) sollte nicht die Feigheit vieler Politiker verschleiern, sich prinzipiellen Auseinandersetzungen zu verweigern und sich hinter dem Boulevard zu verstecken. (Gerfried Sperl, DER STANDARD-Printausgabe,

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Dreistein
 
00
31.1.2011, 18:16
Die EU wird es in ein paar Jahren hoffentlich nicht mehr geben - unsere Neutralität aber schon.

Poldi Fesch
00
die Neutralitaet

ist schon weg

denke
00

Wäre das die Wahrheit, dann bräuchte man nichts ändern.

Poldi Fesch
00
braeuchte man

ohnedies nicht, es reicht Art 23j B-VG

RS69
 
00
31.1.2011, 21:52

Aus heutiger SIcht hat die EU die österreichische NEutralität um Jahre überlebt.

Der Kreter
 
11
31.1.2011, 17:41
Daß der von mir bisher durchaus geschätzte Gerfried Sperl

sich eines Orwellschen Euphemismus wie "Friedenserzwingung" für Krieg bedient und wenig später die Weigererung, sich an Kriegen zu beteiligen als "Trittbrettfahrermentalität" abkanzeln zu müssen glaubt (die "Allianz der Willigen" läßt grüßen), stimmt mich doch irgendwie traurig.

Die Welt wäre heute ohne die "friedenserzwingenden" Einsätze im Kosovo, in Afghanistan und im Irak jedenfalls ein weitaus friedlicherer Ort.

Poldi Fesch
01
31.1.2011, 18:56
aber sicher

nicht fuer die Kosovaren

Dr. Lari and Mr. Fari
 
30
31.1.2011, 17:28
SEHR guter und genauer Kommentar!!

frank franki
13
31.1.2011, 15:18

Im Gegenteil: Den Menschen demokratische Mittel der Mitentscheidung vorzuenthalten ist Feigheit vor dem Volk und impliziert mangelhaftes Demokratieverständnis.

Wir wählen keine Führer, die fünf Jahre ihren eigenen Willen durchsetzen, sondern wir wählen Vertreter, die unseren Willen umzusetzen haben.

Es gibt keine bessere Möglichkeit den Willen des Volkes zu ermitteln als durch eine Volksabstimmung. Und es werden die Stimmen lauter, die dieses Mitspracherecht völlig zu Recht einfordern...

Cato der Ältere1
11
31.1.2011, 15:02
nochwas aktuelles zur Neutralität

Bundesheer stellt Soldaten für Afghanistan-Schutztruppe

Wien, 02. Jänner 2002 - Österreich wird sich mit Bundesheer-Kräften an der Afghanistan-Schutztruppe ISAF (International Security Assistance Force) beteiligen.

Ein multinationales Erkundungsteam der ISAF, dem auch ein österreichischer Offizier angehört, ist gestern von London aus nach Kabul aufgebrochen. Der österreichische Erkundungsoffizier klärt derzeit Details des Einsatzes an Ort und Stelle und trifft die erforderlichen Absprachen mit den einsatzführenden Briten und dem deutschen Kontingent. Die österreichischen Soldaten werden gemeinsam mit niederländischen und dänischen Armeekräften dem deutschen Bundeswehr-Kontingent angehören.

Voraussichtlich wird Österreich Spezialkräfte

Enrico Furioso
00
31.1.2011, 18:13
"nochwas aktuelles zur Neutralität"

"Wien, 02. Jänner 2002"

Heutiges Datum: 31. Jänner 2011.

Aktuell?

more more
00
31.1.2011, 14:33

Es gibt keine europäische Verteidigung.
An einem einfachen Beispiel erklärt.
Angenommen, Marokko möchte Portugal angreifen.
In diesem Fall kann sich Portugal darauf verlassen das große europäische Partner wie Frankreich, England, Deutschland, Italien eingreifen werden.
Was aber, wenn ein Land von Rußland bedroht wird?
z.B. Estland
In diesem Falle gibt es kein Vertrauen in die europäischen Partner, was verständlich ist.
Hier vertraut man nur den USA.
Europa fehlt die Entschlossenheit, um glaubwürdig zu sein. Und daran wird sich in den nächsten Jahren nichts ändern.
Wenn man sieht wie die Mittelalter-Taliban die NATO besiegen, dann kann man nicht erwarten das die westlichen Staaten so bald wieder Wehrwillen entwickeln.

Enrico Furioso
00
31.1.2011, 16:29
"Wenn man sieht wie die Mittelalter-Taliban die NATO besiegen ..."

Die NATO ist allerdings zu 90% die USA. Wieso man also der USA, die es nicht gebacken bekommt "die Mittelalter-Taliban" zu besiegen, militärisch mehr vertrauen sollte als der NATO insgesamt, will sich mir nicht so recht erschließen.

Kontra
10
31.1.2011, 17:53

ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung (also so wie die Taliban agieren) wäre das Thema in wenigen Tagen erledigt.

Poldi Fesch
00
31.1.2011, 18:57
weil

die rote Armee soviel Ruecksicht nahm ?

Enrico Furioso
02
31.1.2011, 18:16
Völkermord

als probates Mittel der Problemlösung?

Was verteidigt der Westen (zumindest offiziell) schnell nochmal in der Region? Demokratie und Menschenrechte?

hack in den sack
 
00
31.1.2011, 16:01

Das glaube ich nicht.

berti russell
76
31.1.2011, 13:05
bundesheer abschaffen! neutralität beibehalten! friedenspolitik verfolgen! kriegstreiber ächten!

El Bulli
09
31.1.2011, 13:35

polizei abschaffen und jeder bürger unterschreibt, dass er in zukunft lieb ist.

Poldi Fesch
34
31.1.2011, 13:31
was jetzt,

BH abschafen ODER Neutralitaet beibehalten ? Neutralitaet beibehalten, konsequenterweise Wehretat verdoppeln

Enrico Furioso
02
31.1.2011, 16:31
grundsätzlich und völkerrechtlich

ist auch eine unbewaffnete Neutralität, also eine ohne Militär, möglich. Wie das Beispiel Costa Rica zeigt. Ob dieses Beispiel praktikabel auch auf ein Land in Europa übertragbar wäre, darüber kann man natürlich trefflich diskutieren.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
31.1.2011, 17:33
Nachdem es unstrittig auf der Welt militärische Aufgaben gibt,

und sei es, man beschränkt die Teilnahme an solchen rein und defintiv auf mittels Sicherheitsratsbeschlüssen gestartete, wird auch ein Beitrag Österreichs in irgend einer Form unvermeidlich sein; noch mehr so, wenn es um Aufgaben im Rahmen eines EU-Beschlusses geht.
Natürlich kann man auch sagen, wir zahlen halt dafür; aber das erinnert ein bissl an Herrenmenschen-Mentalität, die beinhaltet, daß halt anndere ihren A... hinhalten sollen. Was ja auch einem Berufsheer in bissl immanent ist, siehe die entsprechenden Berichte kürzlich hier und in anderen Zeitungen über die sehr spezifischen "militärsoziologischen" Konsequenzen einer solchen Umstellung...

Poldi Fesch
00
31.1.2011, 16:43
ich such mir

das jetzt nicht noch einmal, aber ich glaube Costa Rica hat 7 GIs/qkm

Cato der Ältere1
16
31.1.2011, 13:23
Naivling

hack in den sack
 
10
31.1.2011, 13:14

utopist

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