Pflichtverteidiger hofft auf ein mildes Urteil

30. Jänner 2011, 15:59
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Der Anwalt von Auer-Welsbach hofft, dass das reumütige Geständnis die drohende Höchststrafe mildern wird

Klagenfurt - Am Montag wird sich der Kärntner Finanzjongleur Wolfgang Auer-Welsbach am Landesgericht Klagenfurt im AvW-Prozess aller ihm zur Last gelegten Vergehen für schuldig erklären. Das hat sein neuer Anwalt, Pflichtverteidiger Franz Großmann, mehrfach angekündigt. Er hofft, dass dieses reumütige Geständnis die drohende Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis mildern wird.

Der Gesinnungswechsel des Angeklagten, dem unter anderem gewerbsmäßiger schwerer Betrug und Untreue sowie Bilanzfälschung vorgeworfen werden, kam überraschend. Denn bisher hatte er bei den Verhandlungen stets mit Verve seine Unschuld beteuert und sein System verteidigt. "Er bekennt sich nicht schuldig, und er ist nicht schuldig", hatte sein früherer Anwalt Michael Sommer gesagt. Er hatte erst im Vorjahr Auer-Welsbachs Verteidigung übernommen, zuvor war Großmann dessen Anwalt gewesen.

Einsicht

Bisher machte Auer-Welsbach stets die Malversationen seines Prokuristen für die Misere verantwortlich. Nur dadurch sei sein Unternehmen in Liquiditätsprobleme geraten und letztendlich zusammengebrochen, sagte er wiederholt. Nun sieht er laut Großmann ein, einen Fehler gemacht zu haben, und "es tut ihm alles so leid."

Die Aussagen der bisher einvernommenen Zeugen ermöglichten einen kleinen Einblick in die Auer-Welsbach'sche Finanzwelt, die Gutachter Fritz Kleiner als "kapitalmarktorientiertes Perpetuum mobile" bezeichnet hat. Da ist unklar, ob ein Sondervermögen das Eigentum der Anleger oder das Privatvermögen des Angeklagten ist, der sich selbst als "Mastermind" des von ihm aufgebauten Finanzsystems bezeichnete. Da gibt es viele Verlierer, die ihr gesamtes Barvermögen auf die Genussscheine setzten und jeden Cent verloren. Da profitierten aber auch einige Spekulanten in hohem Ausmaß. So berichtete ein Finanzberater von einem Kunden, der die Papiere rechtzeitig abstieß, 3 Mio. Euro kassierte und dabei einen Gewinn von 1,5 Mio. Euro machte.

"Dominant und autoritär"

Die Staatsanwaltschaft hatte insgesamt über 40 Zeugen vorgesehen, in der nächsten Verhandlungsrunde wären die ehemaligen Mitarbeiter des Finanzjongleurs an der Reihe gewesen. Sie hatten bei Einvernahmen ihren ehemaligen Vorgesetzten stets als dominant und autoritär beschrieben, während sich Auer-Welsbach hingegen als "menschlichen Chef" sah.

Für Überraschungen könnten noch Unterlagen aus Liechtenstein sorgen, welche die Staatsanwaltschaft als Teil ihrer Ermittlungen angefordert hatte. Auer-Welsbach soll dort in Stiftungen noch im Mai 2010 ein Millionenvermögen geparkt haben. Das hat der Angeklagte stets bestritten und von "höchstens 20.000 bis 30.000 Euro" gesprochen.

Sollte das Urteil wie erwartet bereits am Montag gefällt werden, bedeutet es für die geschädigten Genusschein-Inhaber aber noch nicht, dass sie rasch zu ihrem Recht kommen. Auf das zivilrechtliche Verfahren hat ein Geständnis laut Masseverwalter Gerhard Brandl keinen unmittelbaren Einfluss. 8.500 Anleger haben sich dem Prozess als Privatbeteiligte mit einer Schadenssumme von rund 272 Mio. Euro angeschlossen. Die Anleger-Vertreter fordern nun, dass noch vor dem Urteil Maßnahmen zur Sicherstellung des Vermögensstands von Auer-Welsbach gesetzt werden. Auch wird weiterhin gegen rund 20 Personen ermittelt, unter anderem gegen die ehemaligen AvW-Vorstände Arnulf Komposch und Hans Linz. Die Rolle der Prüfer wird ebenfalls untersucht. Gegen einen hohen Finanzbeamten und einen Mitarbeiter der ehemaligen Bundeswertpapieraufsicht (BWA) laufen Ermittlungen. (APA)

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    Unterlagen aus Liechtenstein könnten für eine Überraschung sorgen.

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