Mit Kinect und Kindle zu Rekordzahlen

28. Jänner 2011, 20:03
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Gut ist an der Wall Street nicht zwangsläufig gut genug. Eine Erfahrung, die Microsoft und Amazon bei der Vorlage von Quartalszahlen machten

Gut ist an der Wall Street nicht zwangsläufig gut genug. Eine Erfahrung, die Microsoft und Amazon bei der Vorlage von Quartalszahlen machten. Trotz Rekordzahlen zeigten sich die Anleger enttäuscht.

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Wien - Rekordzahlen eines Unternehmens beeindrucken immer - zumindest auf den ersten Blick. So auch die Zahlen zum zweiten Microsoft-Geschäftsquartal (zu Ende Dezember): Der Umsatz des weltgrößten Softwarekonzerns stieg um fünf Prozent auf noch nie dagewesene 20 Milliarden Dollar (14,6 Milliarden Euro). Angetrieben wurde dieses Wachstum vor allem durch florierende Verkäufe mit der neuen Bewegungssteuerung Kinect für die Spielkonsole Xbox 360. Auch der Absatz der neuen Bürosoftware Office 2010 entwickelte sich blendend.

Beide Zahlen zeigen, dass Konsumenten und Unternehmen nach der Wirtschaftskrise wieder Mut zum Geldausgeben haben - und zeigten zunächst auch bei den Anlegern ihre Wirkung, zumal Microsoft die Ergebnisse versehentlich schon während des laufenden Börsenbetriebs online gestellt hatte. Der zweite Blick in die Quartalsbilanz schickte die Aktie des Softwarekonzerns dann jedoch auf eine Achterbahnfahrt. Zu Handelsschluss lag die Aktie dann lediglich mit 0,3 Prozent im Plus.

Rückgang im Kerngeschäft

Was Anlegern nicht gefällt, ist nicht nur, dass der Gewinn mit 6,6 Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu stagnierte. Sondern auch der Rückgang im traditionellen Kerngeschäft Microsofts: Die Umsätze für das Betriebssystem Windows, das weltweit auf 90 Prozent aller PC installiert ist, gingen um 30 Prozent auf 5,1 Mrd. Dollar zurück.

Der PC-Markt hat sich etwas abgekühlt und die jüngste Variante des Microsoft-Betriebssystems, Windows 7, wird zumeist mit einem neuen Computer verkauft. Seit dem offiziellen Verkaufsstart (Oktober 2009) waren es immerhin 300 Millionen Lizenzen.

Firmenkunden werden zwar nicht umhin kommen, ihre Microsoft dominierte PC-Infrastruktur weiterhin zu erneuern. Doch viele Unternehmen und Konsumenten überlegen zunehmend, ob sie sich nicht lieber ein Apple-iPad oder eines der Android-Tablets kaufen, die viele Hersteller für heuer in Aussicht stellen. Und bei Tablets ist der Konzern unter CEO Steve Ballmer für die Zukunft schlecht gerüstet. Und das neue Windows Phone 7 muss erst seine Käufer finden.

Kindle-Downloads boomen

Dass gute Zahlen nicht immer genügen belegt auch Amazons jüngstes Quartal. Der weltgrößte Onlinehändler wies für das Weihnachtsquartal mit 12,9 Mrd. Dollar 36 Prozent mehr Umsatz aus (Gesamtjahr: 34,2 Mrd. Dollar, plus 39,5 Prozent), der Gewinn legte acht Prozent zu. Den Anlegern war das zu wenig, die Aktie brach nachbörslich um zehn Prozent ein. Für CEO Jeff Bezos wurden jedenfalls zwei Meilensteine erreicht: Das erste 10-Milliarden-Dollar-Quartal, und erstmals verkauften sich E-Books für das hauseigene Lesegerät Kindle besser als klassische Taschenbücher. (kat, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.1.2011)

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    Microsofts Steve Ballmer schickt seinen Kinect-Avatar vor: Die Xbox-Bewegungssteuerung beflügelte die Ergebnisse.

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