Bei mir daheim ist fast alles Kunst

28. Jänner 2011, 19:36
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Die neue Mumok-Direktorin Karola Kraus erfüllte sich mit einer Altbauwohnung im siebenten Wiener Bezirk einen Wohntraum

Karola Kraus, die neue Direktorin des Mumok, erfüllte sich mit einer Wiener Altbauwohnung im siebenten Bezirk einen Wohntraum. Michael Hausenblas besuchte sie. 

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"Ich wohne seit Anfang Oktober in dieser Mietwohnung im siebenten Bezirk. Die Umzugkartons habe ich alle in der ersten Woche ausgepackt, tagsüber war ich Museum, nachts wurde eingeräumt. Die Wohnung befindet sich im dritten Stock eines neobarocken Hauses mit Jugendstilelementen, errichtet von August Herzmansky vom gleichnamigen Kaufhaus. Mit fünf Zimmern, Abstellkammern, Bad und Küche ist die Wohnung rund 170 Quadratmeter groß.

Obwohl mir seitens des Mumok Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten wurde, haben mein Mann und ich uns selbst um eine Bleibe gekümmert. Von ungefähr 20 Optionen war diese von Anfang an mein Favorit. Ich habe schon beim ersten Betreten gespürt, dass ich mich hier wohlfühlen würde. Und so ist es nun auch. Diese Altbauwohnung mit ihren hohen Stuckdecken, den originalen Zweiglasfenstern und all den liebevoll erhaltenen Details ist für mich der Inbegriff einer stilvollen Wiener Wohnung. Vom Museum, wo ich bislang die meiste Zeit verbringe, ist sie nur fünf Minuten zu Fuß entfernt. Idealer geht es eigentlich nicht!

Ich habe in meinem Leben schon in sehr vielen und sehr unterschiedlichen Städten gelebt. Von Baden-Baden nach Wien zu kommen war in der Tat ein kleiner Kulturschock. Baden-Baden ist ein Paradies mit einem breitgefächerten kulturellen Angebot, Wien dagegen ist eine Stadt, die sich mit den großen Metropolen der Welt messen kann. Aber ich bin ein Mensch, der sich relativ schnell an eine neue Umgebung gewöhnen kann. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Umfeld stimmt - beruflich wie privat. Ich war in der Vergangenheit schon oft in Wien und habe schon viele Menschen gekannt, bevor ich hierherberufen wurde. Insofern betrete ich kein Neuland. Ich habe mich hier schnell zu Hause gefühlt. Wenn ich jedoch gefragt werde, wo meine Heimat ist, dann ist und bleibt diese für mich der Schwarzwald, wo ich aufgewachsen bin.

Den Stil meiner Wohnung würde ich als reduziert bezeichnen. Meine Liebe zur Konzeptkunst und zur Minimal Art spiegelt sich in der Einrichtung wider. Gemütlichkeit bedeutet für mich nicht, dass eine Wohnung überladen sein muss. Wohnen heißt für mich, dass ich nach Hause komme, mich in meinen vier Wänden wohlfühle und mit Kunst leben kann.

Da ich selbst eine leidenschaftliche Sammlerin bin, gibt es für mich keine Trennung zwischen meinem Privat- und meinem Berufsleben. Ich sammle nicht nur bildende Kunst, sondern auch Designermöbel und Vasen von KPM, und ich genieße es, mich mit diesen schönen Dingen zu umgeben. Viele meiner Möbel sind künstlerische Objekte, wie etwa das Sofa, die Stehlampen oder die Beistelltische von Franz West, die Esszimmerstühle von Heimo Zobernig oder die Lampe von Joseph Zehrer - eine Traube, bestehend aus 45 funkelnden Glühbirnen. Nein, ich käme nicht auf die Idee, diese Objekte als dekorativ zu empfinden, denn ich lebe nicht mit Oberflächen, sondern mit Inhalten.

Momentan kann ich mir nicht vorstellen, etwas an meiner Einrichtung zu verändern, aber natürlich kommt es immer wieder vor, dass ich andere Bilder oder Objekte installiere. Ich finde es wichtig, immer wieder zu überprüfen, ob meine Sammlungsobjekte auch Bestand haben, wenn man diese ständig um sich hat.

Natürlich hab ich Wohnträume. Einen habe ich mir mit dieser Wohnung erfüllt, und wenn ich eines Tages ins verdiente Rentenalter komme, dann würde ich gerne mit meinem Mann ein Traumhaus bauen. Wo das stehen soll, wissen wir noch nicht, aber es wäre natürlich sehr puristisch und funktional. Und wunderschön." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29./30.1.2011)

KAROLA KRAUS wurde 1961 in St. Georgen im Schwarzwald geboren. Sie studierte Kunstgeschichte, neuere deutsche Literatur und klassische Archäologie in Stuttgart und München. Anfang der Neunzigerjahre leitete sie den nichtkommerziellen Ausstellungsraum Kunstraum Daxer, von 1999 bis 2006 war sie Direktorin des Kunstvereins Braunschweig und von 2006 bis 2010 Direktorin der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden. Sie kuratierte Ausstellungen in New York, Miami, Athen und Moskau und lehrte an verschiedenen Universitäten. Seit Oktober 2010 ist sie Direktorin des Mumok in Wien.

Link

www.mumok.at


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  • Auch privat umgibt sich Karola Kraus mit jeder Menge Kunst, die - wie im
 Falle des Sofas von Franz West - auch zum Gebrauchsgegenstand werden 
kann.
(Foto: Lisi Specht)
    foto: lisi specht

    Auch privat umgibt sich Karola Kraus mit jeder Menge Kunst, die - wie im Falle des Sofas von Franz West - auch zum Gebrauchsgegenstand werden kann.

    (Foto: Lisi Specht)

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