Außen vor

28. Jänner 2011, 19:12
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In der täglichen Blatt(selbst)kritik wurde moniert: Es heiße "in der Schlange stehen", nicht "anstehen"

Ausnahmsweise eine Indiskretion aus dem redaktionellen Innenleben des Standard - in der täglichen Blatt(selbst)kritik wurde moniert: Es heiße "in der Schlange stehen", nicht "anstehen".

Ja, ja, tausendmal ja. Aber sagen Sie das einmal unseren Kindern, die - wie ein anderer Teilnehmer des Blattkritik-Rituals völlig zu Recht anmerkte -, bei gefühlten 50 deutschen Privatsendern längst das piefkonische Idiom verinnerlicht haben.

Wer je versucht hat, die norddeutsche Synchronisation der nervigsten amerikanischen Zeichentrickserien zu überhören; wer je seine Frustrationstoleranz testete, indem er versucht hat, dem eigenen Kind das "oh Mann!" und das "'ne Cola" wieder abzugewöhnen, weiß, wovon die Rede ist.

Stimme aus dem Publikum: "Na, dann lassen S' Ihre Pamperletsch ned so vü fernsehn!". Danke, sehr lieb. Sonst noch gute Ratschläge?

Übertriebener Kulturpessimismus ist wahrscheinlich trotzdem nicht angebracht. Im Laufe eines Kinderaufwachsens bleibt ja nicht alles, wie es gerade ist.

Das versichern uns Linguisten, und das zeigt auch die praktische Erfahrung. Die Kinder machen sich schon ihre eigene Sprache - aber trotzdem: Der österreichische Tonfall und das österreichische Vokabular - ob nun Mundl-Wienerisch oder Hofmannsthal-Aristokratisch - bleiben mehr und mehr außen vor. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 29./30.1.2011)

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    Bei gefühlten 50 deutschen Privatsendern haben wir längst das das bundesdeutsche Idiom verinnerlicht.

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