Gedenkbuch gibt 60.000 Kriegstoten eine Identität

28. Jänner 2011, 18:34
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Historiker: "Der Zweite Weltkrieg ist erst dann wirklich zu Ende, wenn wir dem letzten Opfer einen Namen geben können"

Wien - "Der Zweite Weltkrieg ist erst dann wirklich zu Ende, wenn wir dem letzten Opfer einen Namen geben können." Mit diesen Worten würdigt Stefan Karner, Historiker und Direktor des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgenforschung, die Arbeit seines Kollegen Peter Sixl. Das von Sixl in Deutsch und Russisch herausgegebene Buch "Sowjetische Tote des Zweiten Weltkriegs in Österreich" enthält die Namen von rund 60.000 sowjetischen Staatsbürgern, die während des Krieges als Angehörige der Roten Armee, KZ-Häftlinge oder Zivilisten auf österreichischem Gebiet ums Leben kamen.

Das Buch wurde am Donnerstagabend in der russischen Botschaft in Wien vorgestellt. Botschafter Sergej Netschajew nennt es eine beispielhafte Dokumentation, da es in anderen Ländern so etwas bisher nicht gebe. Die Verwandten der Toten könnten nun das Schicksal ihrer Nächsten klären und gegebenenfalls die Kriegsgräber ausfindig machen.

20 Jahre Recherche

Nach mehr als 20-jähriger Recherche (Archivarbeit, Grabungen, Exhumierungen) hat Sixl mit einem Team in dem knapp 1000-seitigen Werk Namen, Lebensdaten sowie Sterbe- und Bestattungsort von rund 60.000 sowjetischen Kriegstoten dokumentiert. Noch fehlen allerdings die Namen vieler zu Tode gekommener Kriegsgefangener, Zwangsarbeiter und Gefallener der letzten Kriegstage. "Die nächste Ausgabe wird 1500 Seiten haben, dann können wir wirklich sagen, der Krieg ist zu Ende", meinte Sixl, der zusammen mit Mitarbeitern vom Vizepräsidenten der russischen Staatsduma, Waleri Jasew, Auszeichnungen überreicht bekam. (jk/DER STANDARD, Print, 29./30.1.2011)

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